Rock Revolution

Rock Revolution ist keinesfalls Konamis Einstand im Rhythmus- und Musikspiele-Bereich. Genau genommen sind die Japaner wohl für die Gründung des ganzen Genres verantwortlich. Hat sich abseits von Tanzmatten im Westen allerdings nie so richtig rumgesprochen und so mussten in unseren Regionen erst andere zu den Plastikinstrumenten greifen, ehe der Trend tatsächlich auch international zum Millionengeschäft werden konnte. Anstatt Guitar Hero und Rock Band nun aber in der aktuellen Zeitrechnung mit einem gekonnten Paradestück das scheinbar nicht zu sättigende Publikum streitig zu machen, stellen sich die von Konami beauftragten Entwickler Zoe Mode leider eher wie uninspirierte Altrocker an.


Revolution #1: A cappella... ohne Gesang!

Dass die Ambitionen, mit Rock Revolution ernsthaft für frischen Wind auf dem Musikspielesektor sorgen zu wollen, von Grund auf nicht sonderlich groß gewesen sein können, zeigt sich bereits beim Blick auf die Peripherie. Der erübrigt sich in Deutschland nämlich gänzlich, bei uns ist (zumindest vorerst) gar keine Extra-Hardware für den Titel auf den Markt gekommen. International gibt es zumindest ein spezielles Drum Kit, dem müssen wir laut den meisten Erfahrungsberichten aber keinesfalls hinterher trauern. Auch wenn wir es selber bisher nicht nachprüfen konnten, so wird in Testberichten als auch Userforen rund um den Globus über diverse Mängel wie zu laute, zu kleine und vor allem zu unlogisch angeordnete Trommel-Pads geklagt. Besonders letzterer Punkt soll sich regelrecht fatal auf den Spielspaß auswirken, da die Vorrichtung inklusive Pedal gleich sieben unterschiedliche Eingabemöglichkeiten bietet und es so zum wahren Kunststück werden soll, beim Spielen die richtigen Töne zu treffen. Dies allerdings nur als Randinformation, die ins Fazit dieses Tests hier selbstverständlich nicht eingeflossen ist. Wir selber haben zum Spielen zur Peripherie der Konkurrenz gegriffen, die versionsübergreifend tadellos auch mit Rock Revolution kompatibel ist. Dass Konamis Musikspiel seinen Trommelpart automatisch an die mit weniger Pads bestückten Drums der anderen Publisher anpasst, belohnt Besitzer "fremder" Hardware sogar mit entsprechend leichteren Notenabfolgen. Während man sich die Gitarren (wie üblich bis zu zwei: Lead und Bass) sowie das Schlagzeug also von Rock Band und/oder Guitar Hero borgen muss, fällt Singen in Rock Revolution komplett flach. Was etwas paradox ist, da Konami mit Karaoke Revolution die Erfahrung und Technik dafür praktisch schon im eigenen Aufgebot haben sollte, Zoe Mode zudem an der SingStar-Serie beteiligt waren und für Disney das (maue) Sing It! Hervorgebracht haben.
Rock Revolution

Revolution #2: Weniger... in schlechter!

Guitar Hero: World Tour hat auf der Retail-Disc 86 Songs zu bieten, alle davon Master Tracks. Beim Metallica-Ableger sind es immerhin noch 49, ebenfalls alles Masters. Rock Band 2 steht mit standardmäßig 84 Songs kaum schlechter dar. Dass es sich dabei ausschließlich um Originalmaterial handelt, ist auch hier selbstverständlich. Nicht so bei Rock Revolution. 41 Songs sind beim Hauptspiel eines Franchises sowieso schon etwas mager. Diese dann aber auch noch ausschließlich als mehr oder minder durchschnittliche Coverversionen zu präsentieren, disqualifiziert Konamis Rhythmusgame für jeden Musikbegeisterten eigentlich schon im Ansatz gegenüber der Konkurrenz. Dass man die attraktivsten der von Rock Revolution angebotenen Tracks außerdem (inklusive Originalgesang) bereits länger in den Spielen der anderen großen Genre-Franchises nachmusizieren kann, trägt weiter zur Irrelevanz des ganzen Games bei. Es folgt eine komplette Songliste des Spiels, versehen mit den zugehörigen Bandnamen. Die lässt Rock Revolution ingame übrigens nicht verlauten, dort lest ihr kurioser Weise einzig die Namen der jeweiligen Coverbands.
Rock Revolution

Revolution #3: Gründe eine Band... alleine!

Der Karrieremodus von Rock Revolution gibt sich genau so wenig Mühe, mit der Konkurrenz mithalten zu können, wie der ganze Rest des Spiels. Zuerst einmal sei gesagt, dass man ihn nur solo bestreiten darf. Auch wenn es am Anfang vielversprechend heißt, man würde eine Band gründen. Diese Gründung beschränkt sich jedoch auf die Auswahl eines Namens zum Speichern des Fortschritts. Von da an hangelt man sich von Album zu Album und Gig zu Gig. Was so beschrieben weitaus spannender klingt, als es eigentlich ist. Im Grunde arbeitet man nur Song für Song nacheinander ab, ohne dabei zumindest einer kleinen Story oder sonstigen Illustration zu folgen. Richtiges Karrierefeeling kommt dabei kaum auf und irgendeine Identifikation mit den Musikern auf der Bühne ebenfalls nicht. Ein eigentlich standardmäßiges Einkleide- bzw. Editor-Feature fehlt in dem Zusammenhang komplett. Man darf sich im Hauptmenü bloß einen vorgefertigten Fantasy-Rocker aus der bereitgestellten Liste aussuchen, von der man einen großen Teil zu Beginn erst noch freispielen muss. Was Gameplaymodi angeht, kann Rock Revolution dagegen ganz überraschend doch noch für kleine eigene Nuancen sorgen. So verlangen es einem unterschiedliche Herausforderungen ab, beispielsweise ins Lied gestreute Fehlertöne zu vermeiden oder mit einem phasenweise ansteigenden Schwierigkeitsgrad fertig zu werden. Sonderkonzerte lassen euch eine Kombination von drei zuvor von euch gewählten Liedern direkt hintereinander spielen, wobei jeder Track jeweils eine Freestyle-Solostelle für euch bereit hält. In diesen Momenten dürft ihr frei auf den Tasten herumklimpern wie ihr wollt und es kommt ganz dynamisch immer etwas wohlklingendes dabei heraus. Für sehr große Begeisterung können nette Minispielchen dieser Art alleine allerdings auch nicht sorgen und so bleibt die "Kampagne" von Rock Revolution vor allem dank ihrer trockenen Inszenierung wenig motivierend. Zum Onlinemodus können wir euch mangels Mitspieleraufkommens im Netz leider gar nichts schreiben, dafür funktionieren die Sessions an einem Bildschirm aber ohne Probleme, wie bei jedem anderen Musikspiel auch.
Rock Revolution

Revolution #4: Gewohnte Technik... ungewohnt ungenau!

Wichtige Mitteilung an Zoe Mode: Die Notenbretter in Guitar Hero und Rock Band sind keinesfalls rein willkürlich in 3D sowie leichter Schieflage gehalten, der visuelle Schick hat in der Tat auch spielerisch einen Sinn. Man sieht so nämlich viel einfacher, welche Noten neben den gerade gespielten in Kürze auf einen zukommen werden. Dass man sich an die 2D Darstellung des nicht-bildschirmmittig von oben betrachteten Notenbrettes nur schwerlich gewöhnen kann, ist also keinesfalls bloß subjektiver Natur, sondern wahrlich reine Verzweiflung des Gehirns, welches so besonders bei schnellen Notenwechseln kaum eine faire Chance hat, fehlerfrei zu reagieren. Warum die Entwickler dieses Standardgefüge jedes guten Musikspiels mit Instrumenten bei Rock Revolution ohne Not dermaßen unpraktisch gedacht abgeändert haben, lässt sich nur unter dem Deckmantel reiner Willkür erklären. Über die zuweilen fragwürdige Notenerkennung darf man sich genau so wundern, wobei all das vor allem ambitioniertere Plastikmusiker beim Erreichen höherer Scores und bestreben nach perfektem Spiel ausbremst. Insgesamt funktioniert das Standardgefüge mit farbigen Symbolen, die zum jeweils richtigen Zeitpunkt angeschlagen werden wollen, auch in Konamis neuem Genrevertreter. Und für alle, die ganz unbeschwert vor sich hin schrammeln/klopfen oder gar etwas simples komponieren wollen, hält der Titel sogar ein kleines Musikstudio bereit. Mit verschiedenen Styles für die unterschiedlichen Instrumente kann man sich hier etwas austoben und nach Wunsch einen eigenen Song zusammenfummeln, den man zum Wiederanhören (leider nicht zum Nachspielen) auch abspeichern sowie online versenden darf. Das Tool ist weitaus begrenzter als sein Pendant aus Guitar Hero: World Tour und an der Konsole natürlich nicht gerade optimal bedienbar, funktioniert ansonsten aber recht gut und wertet Rock Revolution definitiv ein wenig auf. Was die Grafik angeht, bietet das Game eher bunte Standardkost. Als auffällig sind vielleicht noch die im Vergleich zur Konkurrenz wesentlich realistischer gehaltenen Bandcharaktere zu erwähnen, die dafür jedoch bloß vorgefertigte Animationen abspulen. Spezialeffekte oder andere Reaktionen bei gutem bzw. schlechtem Spiel bekommt man hier leider nicht geboten. Übers Publikum wollen wir uns an dieser Stelle besser ausschweigen, denn die Klonarmeen unterbieten ihre Gegenübers aus EAs und Activision Blizzards Werken was Abwechslung in den Bereichen "Bewegungsabläufe" und "Look" angeht noch mal um mehrere Stufen.
Rock Revolution

Ohne Gesang... in schlechter... alleine... ungewohnt ungenau!

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