The Saboteur

Call of Duty versetzt euch in diesem Jahr wieder einmal in die nahe Zukunft, Medal of Honor besucht im nächsten Jahr eine ähnliche Zeitepoche. Wo, zum Teufel, ist der Zweite Weltkrieg hin? Nun, glücklicherweise gibt es ja noch Pandemic. Pardon, es gab Pandemic, denn Kürzungsmaßnahmen bei Electronic Arts verursachten vor kurzem die Schließung des Studios. Ob The Saboteur nach dem durchschnittlichen Mercenaries 2 als erinnerungswürdiges, lautes und auch buntes Abschlussfeuerwerk taugt? Nun, dazu fehlen dem Spiel zumindest die Farben…


"Geh um die richtige Ecke in Paris und du kannst alles finden."

Richtig gelesen, The Saboteur überrascht schon kurz nach der Anfangssequenz mit einem Schwarz-Weiß-Look. Nicht etwa, weil die Entwickler schon ihre Koffer gepackt haben, als die Farbgebung auf dem Tagesplan stand. Die gewissen Ähnlichkeiten zu dem Film Sin City sind volle Absicht, denn sie sollen den grausamen Belagerungsalltag während des Zweiten Weltkrieges widerspiegeln, unter dem die Pariser Bevölkerung damals zu leiden hatte. Dabei erinnern gerade die farblichen Ausnahmen (gelb leuchtende Fenster, rote Armbinden und Nazi-Flaggen) an das Meisterwerk von Frank Miller. Der Clou: Säubert ihr ein Gebiet von den Nazis, kehrt die Farbe vollständig zurück. Zivilisten flanieren fröhlicher über die belebten Straßen, die aufständischen Mitglieder der Rèsistance kehren an die Macht zurück. Eine Schlüsselfigur des Widerstandes ist auch der heimatlose Ire Sean Devlin, seines Zeichens Protagonisten von The Saboteur. Er selbst ist Mechaniker und Rennfahrer, duelliert sich während des Grand Prix von Saarbrücken mit einem deutschen Pistenkonkurrenten und muss kurze Zeit nach dem unglücklichen Ausgang des manipulierten Wettkampfes feststellen, dass der Heimsieger abseits des Kameragewitters zu einem grausamen Folterexperten wird. Und so endet eine eher unscheinbare Auseinandersetzung für Sean und seinen besten Freund Jules in einer Tragödie. Jules wird brutal ermordet, Sean gelingt nur knapp die Flucht. Eine Geschichte um Rachsucht und Vergeltung also, die sich von einem persönlichen Konflikt bald auf eine ganze Stadt ausbreitet. Zwar ist es schwer, eine emotionale Bindung mit Seans Schicksal aufzubauen, da sein Kumpel schlichtweg zu kurz und oberflächlich in das Geschehen eingebunden wird, ein nachvollziehbares Motiv für die folgenden Ereignisse liefert der Prolog aber allemal.
The Saboteur

„Ein lausiges Zimmer in einem lausigen Teil einer lausigen Stadt.“

Sean taucht in Paris unter und wird in dem von leicht bekleideten Damen durchströmten Nachtclub Belle von einem Widerständler überredet, beim Aufstand gegen die Invasoren an vorderster Front mitzukämpfen. Fortan strukturiert sich The Saboteur nach dem klassischen Sandbox-Prinzip. Abseits der hauptsächlichen Geschichte mit ihren erfreulich abwechslungsreichen Anweisungen (Auftragsmorde, Rennen, Sprengungen, ...) findet ihr an allen Ecken Nebenmissionen und andere Dinge zum Entdecken. Während sich die Missionen dank mehrerer zusammenhängender Aufträge und vieler kleiner Geschichten homogen in das Geschehen einfügen, ist das Erledigen der sonstigen Beschäftigungen eher plump umgesetzt und bereits nach kurzer Zeit so trist wie die besetzten Zonen selbst. Dann artet die Flak-Zerstörung und das Ausheben von Scharfschützennestern in Arbeit aus, die zwar ordentlich bezahlt wird, für den letztendlichen Erfolg glücklicherweise aber nicht essentiell ist. Soll heißen: auch ohne den ständigen, selbst gekauften Nachschub vom Schwarzmarkt kommt man im atmosphärisch ordentlich umgesetzten Paris, zumindest auf den normalen Schwierigkeitsgraden, bestens zurecht.
The Saboteur

„Ich nehme ihm seine Waffen ab. Alle beide.“

Die meiste Zeit verbringt ihr in The Saboteur mit zwei Sachen: der Reise von A nach B und der Beförderung der Besatzer von den französischen Straßen auf deutsche Friedhöfe. Um zu den jeweiligen Missionszielen zu gelangen, zerrt ihr üblicherweise arglose Bewohner in bester GTA-Manier aus ihren Autos. Wer den CO2-feindlichen Weg trotz gelungener Steuerung nicht gehen möchte, weicht auf den Fußweg aus. Dabei seid ihr keinesfalls an das Straßenpflaster gekettet, sondern klettert wie Altair oder Ezio ("Assassin‘s Creed") an Hauswänden, dem Eiffelturm und anderen Objekten empor. Ganz so flüssig wie bei der Ubisoft-Konkurrenz klappt das leider nicht. Zwar leuchten greifbare Objekte stets auf, allerdings erfordern die Akrobatikeinlagen ständigen Tastendruck und wirken insgesamt nicht so flüssig. Gerade die Steuerung auf den Dächern ist hakelig und resultiert oft in einem ungewollten Sturz in die Tiefe.
Auch der Kampf gegen die äußerst klischeebeladenen Nazis lässt sich grundsätzlich auf zweierlei Art und Weise angehen. Entweder wechselt man in den Schleichmodus, erwischt den Feind von Hinten (...) und schnappt sich seine gesamte Ausrüstung, um getarnt in das feindliche Gebiet, welches auf der Karte durch eingezäunte Bereiche dargestellt wird, einzudringen. Oder man vertraut voll und ganz auf eine irische Ein-Mann-Armee namens Sean, dessen Sprüche in den vielen Dialogen der Hauptmission, gerade solche mit dem weiblichen Geschlecht, furchtbar machomäßig wirken und seinen Testosterongehalt damit wohl oder übel bestätigen. Wie auch immer: The Saboteur lässt sich dem eigenen Spielstil anpassen. Und das ist ja stets eine gute Sache.
The Saboteur

„Mich beschleicht Verwirrung die die Grenze zur Besorgnis stürmt.“

Was Pandemics kostenpflichtiges Abschiedsgeschenk hauptsächlich ausbremst, sind technische Macken. Selbige treten leider nicht selten auf und sind auch nicht nur leichter Natur. Es fängt damit an, dass eure Kameraden ihren Weg auf den Beifahrersitz eurer Karre trotz ausreichendem Laufwege-Platz nicht finden und wie ein noch herumlaufendes Huhn mit abgetrenntem Kopf durch die Gegen irren. Leider kippen sie, im Gegensatz zur zukünftigen Suppenzutat, nicht irgendwann einfach um. Weiter geht‘s mit völligen KI-Aussetzern. Ein Beispiel: Sean soll einen teuren Fusel von einer Nazi-Versammlung stibitzen. Ich wähle den Weg über die Dächer, stehe oben, werde bemerkt, die versammelte Mannschaft ist in Alarmbereitschaft. Sie gucken mich sogar geradewegs an - feuern aber nicht! "Gut, dann werden die mir den Champus anscheinend schenken", denke ich mir, klettere hinab, lande schließlich auf dem Boden und... werde innerhalb einer Sekunde von Gewehrkugeln durchsiebt. Sehr freundlich, dass gewartet wurde, bis meine Füße das Pflaster berühren. Eine weitere, anscheinend gewollte, Kuriosität: Fängt man in der Nähe eines Besatzers an zu klettern oder wechselt in die gebückte Schleichstellung, füllt sich direkt eine Verdächtigkeitsanzeige. Schnappt sich Sean hingegen ein Auto und mäht beim Anfahren auch noch einen Passanten um, kümmert es den Bindenträger nicht das Sauerkraut.
Abseits der stimmigen Schwarz-Weiß-Geschichte kratzt das Spiel nur zaghaft an aktuellen Referenzen und lässt den inneren Wunsch nach zusätzlicher Polierarbeit durch matschige Texturen, heftiges Tearing (gerade bei Xbox 360 sowie PlayStation 3) und asynchrone bzw. gar nicht vorhandene Lippenbewegungen nur weiter wachsen. Dafür ist sowohl die englische als auch die deutsche Vertonung gelungen. Ein seltsamer Schritt ist übrigens, die Nacktheit im Optionsmenü der Konsolenversionen nur via Download-Code (inklusive nerviger Registrierung bei Electronic Arts) freizuschalten. Der Beipackzettel soll nur befristet beiliegen, danach werden Käufer sogar zur Kasse gebeten! Wer am "spectacle de minuit" im ohnehin erst ab 18 freigegebenen und - bis auf bestimmte Symbole - auch ungeschnittenen Titel ohne Download teilnimmt, sieht statt blanken Brüsten eben ein paar Nippel-Sticker. Es gibt schlimmeres. Für bestimmte Menschengruppen.
The Saboteur

Ein Abschied ohne Heulerei

Kommentare

BoeserAffe
  

Weis garnich was alles haben ich finde es echt gelungen.
F?r mich hat sich der Kauf auf jedenfall gelohnt es mal wieder was anderes.
Gut die Grafik is nicht so toll und en parr Bugs aber das solte einen doch nicht hindern es sich zu kaufen wenn sonst alles stimt.
Also ich kann es nur emphelen.

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DonkeyWong
  

wollte es eigentlich aus der videothek leihen, aber ohne m?pse machts ja nur halb soviel spa? :( und 240 punkte f?r ein ausgeliehenes game noch drauf zahlen? neeeeee.....

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truespin
  

also ich finde den test nicht schlecht! und kann deshalb auch nicht verstehen warum manche an der wertung meckern...
werde es mir auch noch holen... zwar nicht sofort, aber es ist ja bald weinachten ;)

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Boron 78
  

Wieso reden hier alle von einer schlechten Wertung? Das Spiel hat eine 7/10 bekommen.
Nur zur Erinnerung: Borderlands hat auch eine 7/10 bekommen und der Herr Pook hat ja nun auch eine menge Spa? mit dem Titel. Das Problem mit dem Test hier ist, dass man nach dem Lesen nie darauf kommen w?rde, dass das Spiel eine 7/10 bekommt.

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ericflash
  

Hmm wollte es mir eigentlich zum Release holen, wird wie ei Stalker --> Ein paar Patches und ein paar Euro g?nstiger dann wirds gekauft

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Mr Happy
  

BTW:
Die Wahrscheinlichkeit das diese Bugs jemals gepatcht werden, kann man ja mal komplett vergessen bei dem ganzen Sparkurs von EA.

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Mr Happy
  

Mist, ein Tag zu sp?t. Leider habe ich es mir gerade gestern aufgrund der Farbfilter-Bilder bestellt. Langsam m??te ich es mit Blindk?ufen endlich mal lernen. Mit Blood Bowl bin ich auch gerade erst entt?uscht worden.
Mal gucken, ob der Funke bei mir ?berspringt oder die Bugs mich einfach nur abnerven

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gelöscht
  

Ich bin auch ein Abonnent eines gewissen Printmagazins wie einige andere hier auch.
Und ich hab nach dem Lesen des kurzen Tests sofort der Meinung, dass ich "Saboteur" jetzt nicht sofort bestelle, sondern auf jeden Fall erstmal warte, ob andere auch so gut bewerten. Siehe da: Meine Bef?rchtungen waren gerechtfertigt und ich f?hle mich best?tigt. Sagt irgendwie schon etwas ?ber die Glaubw?rdigkeit der GamePro (um das Kind endlich mal beim Namen zu nennen) aus, wenn die Leser deren Tests nicht mehr vertrauen. Sicher gibt es geschmackliche Unterschiede bei Spielen, doch irgendwie traue ich den ?berwiegend positiven Wertungen nicht mehr.

@Saboteur
Werd ich mir vielleicht mal holen, aber sicher erst zum Budgetpreis.
Oder ich hol es mir gar nicht mehr, weil dann "Just Cause 2" kommt, welches meiner Meinung nach - im Gegensatz zum Vorg?nger - wirklich das Zeug hat, zu einem Toptitel zu werden.

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dragooncomet
  

@Pumpenmann : danke f?r das Kompliment, ich habe GEE mit 15 angefangen zu lesen und bin jetzt 17 Jahre alt ^^
EA hofft doch nur, dass the saboteur noch etwas Kohle vom Weihnachtskuchen holen kann. F?r das Spiel bleibt nur Kr?mel ?brig, weil 1) ich noch keine Werbekampagne in der Stadt und im Fernseher gesehen habe und 2) die Konkurrenz wie jedes Jahr sehr stark ist.

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mwolf93
  

Finde das Spiel eig. recht gelungen, also wertung passt! Die schweren Bugs sind wiederum manchmal schon ziemlich witzig z.b wenn ein Auto direkt vor einem in den Boden reinf?hrt ^^

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