Sin and Punishment: Successor of the Skies

Wäre Sin and Punishment: Successor of the Skies eine Film-Fortsetzung, es wäre Terminator 2. Nicht etwa, weil auch hier ein Schicksalskind von mitleidlosen Mordmaschinen verfolgt wird und einen mächtigen Gefährten zum Schutz an die Hand bekommt, sondern weil es den Geist des Vorgängers perfekt bewahrt, ihn aber in jeder Hinsicht übertrifft.

Ach, eigentlich hätte ich schon gern im Teaser-Text ein bisschen mehr auf die Kacke gehauen. Aber betrachten wir doch erst nochmal kurz das Jahr 2010 im Hinblick auf unsere geliebte Welt der Videospiele. 2010: Eine bedeutungsschwangere Zahl, die noch vor 20 Jahren vermutlich in unzähligen Science-Fiction-Filmen, - Spielen oder -Romanen mit unvorstellbarer Hochtechnologie oder gar bereits der Endzeit beschrieben wurde. Klingt aber auch irgendwie wichtig. Nun, vermutlich werden wir in diesem Jahr keinen wirklich bedeutenden Wandel in der Geschichte der Menschheit erleben, wenngleich natürlich nichts dafür oder dagegen spricht. Aber halten wir die Erwartungen erstmal niedrig. Was aber die Videospiele angeht, so kann man wohl schon jetzt sagen, dass es sich um das reichhaltigste und spektakulärste Jahr in der noch jungen Historie des Mediums handelt. Wir hatten bereits neue, herausragende Titel wie Bayonetta, Heavy Rain oder Alan Wake, tolle Fortsetzungen wie Mass Effect 2, God of War 3, Final Fantasy XIII, Bad Company 2, Splinter Cell: Conviction oder (etwas unerwartet) sogar Die Siedler 7. Und was uns noch bevorsteht: Red Dead Redemption, Split/Second, No More Heroes 2, Mafia II, Star Craft II, Medal of Honor, Demon's Souls, Blur, Fallout: New Vegas, Civilization V, Fable III, Super Mario Galaxy 2, Metroid:Other M, Natal und Move, der Nintendo 3DS und noch unzählige Titel, die ich vergessen habe oder die noch angekündigt werden ... BOAH EY! Selbst untergegangene Genres sind hochkarätig vertreten, denke ich an Tatsunoko vs. Capcom oder BlazBlue und mit der Xbox 360-Version von Dark Star One und Black Prophecy für den PC besteht sogar Hoffnung auf ein überfälliges Revival unserer so schmerzlich vermissten Weltraum-Shooter. Gibt es bei diesem schieren Wahnsinn an Output also noch den geringsten Zweifel an der zukünftigen Legendenbildung über DAS Videospieljahr 2010? Sicher haben wir wieder einmal viele Fortsetzungen vor uns und natürlich werden uns einige dieser Titel schwer enttäuschen. Und wieso überhaupt diese Ausschweifende Betrachtung zur Einleitung eines Shoot'em ups auf einem vielerorts so ungeliebten System, welches also sowieso kaum ein Mensch spielen wird? Weil Sin and Punishment: Successor of the Skies ein ideales Beispiel dafür ist, warum 2010 einfach nur rockt. Vielleicht geht es nur mir so, aber mich hat die Ankündigung des Sequels zur legendären N64-Ballerei aus dem Jahre 2000, die erst sieben Jahre später über die Virtual Console, die Reise in die Welt außerhalb Japans angetreten ist, relativ kalt gelassen. Dabei liebe ich die Spiele von Treasure. Und auch Teil 1 war ein irrwitzig designtes Shoot'em up, das mich allerdings nicht so wegblasen konnte, wie es sein Status versprochen hat. Lag wohl daran das die Grafik heute aussieht wie Pizzabelag und ich in derartigen Spielen nicht so gerne mit dem Analogstick ziele. Somit hab' ich auch vom Nachfolger nicht mehr, als eine ganz nette Dauerschießerei erwartet. Da hab' ich mich schwer getäuscht. Und von derartigen Überraschungen will ich in diesem Jahr einfach noch mehr haben. Doch, um es schließlich kurz zu machen und mal wieder mit Superlativen um mich zu werfen, wie ich das so gerne tue: Sin and Punishment 2 ist eines der bislang besten Spiele des Jahres!
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Laser Paradise

Ich bin einfach nur begeistert! War der Vorgänger schon ein schniekes Spiel, so ist Successor of the Skies jetzt genau so, wie Sin and Punishment von Anfang an hätte sein sollen. Das liegt zuerst einmal an zwei bedeutenden spielerischen Veränderungen: Zum einen zielt Ihr statt mit dem Analog-Stick nun mit dem Pointer der Wiimote, was erwartungsgemäß weitaus schneller und präziser funktioniert und bei einem derartig rasanten Spiel einfach wesentlich bequmer ist. Zum anderen können die Helden jetzt jederzeit fliegen und sind nicht mehr nur auf Laufen und Springen reduziert, was den Entwicklern wesentlich mehr Freiraum beim Level- und Gegnerdesign eröffnet hat, den sie dann auch gleich bis zum Platzen gefüllt haben, als würden geniale Ideen auf dem Weihnachtsmarkt verschenkt werden. Am eigentlichen Gameplay hat sich dabei wenig geändert. Das Spiel läuft Railshooter-artig auf vorgegebenen Pfaden entlang, innerhalb dieser ihr euch aber zweidimensional (also nach oben, unten, links, rechts und so weiter, aber nicht in die Tiefe) frei in alle Richtungen bewegen könnt und setzt Euch dabei einen scheinbar niemals abreißenden Sturm fantasievoll gestalteter Gegner vor die Flinte. Diese pustet Ihr im Dauerfeuer stets mit Eurer Standardknarre oder einem aufladbaren Superschuss weg. Es gibt keine Extrawaffen, Power-ups oder besondere Munition. Im Nahkampf zerschnetzelt Ihr das entartete Pack mit dem Energieschwert, mit dem sich auch feindliche Geschosse abwehren oder an die Stelle zurückschlagen lassen, auf die Ihr mit Eurem Fadenkreuz zielt. Um Strahlen und Kugeln zu entkommen oder ein Hindernis zu überwinden, steht Euch noch eine schnelle Ausweichbewegung zur Verfügung. Mit diesen paar einfachen Elementen haben die Entwickler ein Spiel geschaffen, dass Euch im Sekundentakt von einer irrsinnigen Szene in die nächste katapultiert und dabei immer neue bizarre Kreaturen und Angriffsformationen entgegenschmeißt, die es wegzuputzen gilt, während Ihr versucht einem kunstvoll gewebten Teppich aus Projektilen, Lasern und Raketen auszuweichen. Die schiere Masse und das vielseitige Design der Level und Gegner ist schlichtweg überwältigend. Gerade taucht Ihr in eine unterirdische Stadt hinab , jetzt rast Ihr durch einen Unterwassertunnel, um als nächstes eine Festung in den Wolken auseinanderzunehmen und danach auf einem Hoverbike über einen Endzeit-Highway zu rasen. Dabei wechseln die Perspektiven immer wieder zwischen Fahrten in die Tiefe, wobei die Kamera dann auch mal ganz weit rauszoomt oder klassischen horizontal oder vertikal scrollenden Abschnitten aus der Nahansicht, die sich eher wie Action-Jump'n runs spielen. Doch egal wo es lang geht, das Tempo ist immer atemberaubend. Alle paar Minuten dreht Sin and Punishment 2 den Turbo noch höher und schmeißt Euch beinahe ununterbrochen in Bosskämpfe, von denen einer intensiver ist als der nächste. Damit ist aber nicht etwa das Level beendet. Die kommen einfach so. Manchmal drei bis vier, bevor das Kapitel beendet ist.
Sin and Punishment: Successor of the Skies

The (almost) perfect Getaway

Soviel Bombast taugt natürlich wenig, wenn hier die Verpackung nicht stimmt. Leuchtende Geschosse erhellen die ansonsten von Grau-, Blau- und Brauntönen dominierte Szenerie, Flammen wabern über den Schirm und riesige Explosionen lassen ihn erschüttern. Die Grafik könnte schärfer sein, zeigt sich aber enorm detailliert und beeindruckend schnell und flüssig. Großes Lob gebührt aber wieder einmal der stilistischen Führung, die vom Titelbildschirm bis zum Abspann eigenständig und ebenso ungewöhnlich, wie konsistent durchgezogen wurde. Selbst das Cover der Originalverpackung ist eine Klasse für sich und stellt unter den Spielen, die ich in der jüngeren Vergangenheit dafür gelobt habe, auch hier das künstlerisch ausgefeilteste Motiv dar. (Komisch, dass das immer Wii-Spiele sind.) Überhaupt strahlt Sin and Punishment eine seltsame, doch irgendwie anziehende Atmosphäre aus, trotzdem oder gerade weil die Geschichte um die beiden jungen Menschen, die in einer unbestimmten Zukunft von einer dubiosen Vereinigung verfolgt werden Euch einfach in eine unbekannte Welt wirft und anfangs viele Fragen über die Motive der Personen und den Hintergrund des Szenarios unbeantwortet lässt. Bizarr, aber irgendwie auch extrem cool. Auch in der Sound-Abteilung bleibt alles besser. Schon die anfeuernde Titelmelodie schreit nach Action, im Spiel selbst treiben vielseitige Electrobeats die Finger zu Höchstleistungen am Controller. Zwar könnte das Geräusch der eigenen Knarre etwas fetter rüberkommen, insgesamt werden die schmetternden Effekte dem martialischen Geschehen auf dem Bildschirm aber gerecht. Auch die englische Synchronisation ist wieder sehr passend und talentiert eingesprochen. Zwei kleine Kritikpunkte bleiben aber dennoch: Erstens erlaubt der Koop-Modus einem zweiten Spieler lediglich Feinde aufs Korn zu nehmen, zaubert aber gleichzeitig keinen weiteren Charakter auf den Screen. Reichlich unverständlich, da die Helden doch so oder so ständig zu zweit unterwegs sind. Hätte vielleicht auch der Übersicht geschadet. Aber die ist bei so einem Spiel ohnehin immer gefährdet. Zweitens ist auch Sin and Punishment: Successor of the Skies Genre-typisch recht kurz. Zwar ist die rasende Flucht schon auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad recht fordernd und mit sieben, Bossgegner-verseuchten Leveln auch länger als viele andere Vertreter. Am Ende bleibt aber doch nur der Schrei nach mehr.
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Ein Meilenstein des Genres!

Schatzkiste: Die Highlights aus 18 Jahren Treasure


Vermutlich werden die japanischen Action-Maestros, die sich 1992 aus ehemaligen Konami-Mitarbeitern vereinigt haben, nicht allen von Euch ein Begriff sein, auch wenn es kaum eine Chance gibt, dass ihr nicht schon einmal die Namen Gunstar Heroes oder Ikaruga gehört habt. Vor ihrer Gründung haben sie zum Beispiel an dem späten NES-Hit Bucky O'Hare mitgearbeitet und in der ersten Hälfte der 90er hauptsächlich für Segas Mega Drive entwickelt. Schon damals kamen unvergleichliche Knaller wie Dynamite Headdy, aber auch eher bizarre Blüten wie das McDonald's Treasure Land Adventure heraus. Spätere Titel erschienen teils plattformübergreifend auf den Konsolen verschiedener Hersteller. In den letzten Jahren entwickelten die Japaner aber fast ausschließlich für Nintendo-Systeme. Der häufige Rückgriff auf etablierte Lizenzen oder Marken erklärt sich durch den Umstand, dass das Studio recht klein und immer wieder auf wohlwollende Produzenten angewiesen ist. Lediglich Radiant Silvergun und Ikaruga sind bislang unter autonomer Finanzierung entstanden. Treasure steht auch nicht für ausschweifende, ultra-komplexe Multimillionendollar-Titel. Meist sind die Shoot'em up-Könige den Actionspielen treu geblieben. Dabei variieren sie immer wieder einzelne Sub-Genres und verfeinern sie mit eigenen, häufig geradezu absurden Ideen, verpackt in, physisch beinahe unmöglich zu bewältigendem, optischen Überfluss und auf den Punkt gebracht in sich simpel eröffnenden, aber unheimlich variantenreichem, perfekt durchkonzipierten und innovativen Gameplay. Besonderes Highlight sind stets die aberwitzigen Bosskämpfe, die oftmals bildschirmfüllend, in mehreren Verwandlungen und mit brutal überzogenen Angriffswellen daherkommen. Dabei inspirieren sich die Japaner sogar immer wieder selbst. So erinnern die Prügeleinlagen in Astro Boy: Omega Factor deutlich an die Raufereien in Tiny Toons - Buster's Bad Dream oder findet sich das Zwei-Farben-Element aus Silhouette Mirage etwas abgewandelt später in Ikaruga wieder. Bei der Experimentierfreude der Kult-Entwickler ist klar, dass nicht jeder Schuss ins Schwarze trifft. Nette, aber eher skurrile Kost (Mischief Makers, N64), Genre-Seitensprünge (Light Crusader, Mega Drive) und gute, aber wenig prestige-trächtige Spiele (Wario World, Game Cube) füllen eigentlich nur die Werk-Biographie auf. Aber welcher Entwickler kann schon von sich behaupten ausnahmslos Goldstücke abzuliefern? Treasure hat wegweisende Meilensteine geschaffen und die zehn, nein elf besten davon wollen wir Euch hier noch einmal vorstellen.

Gunstar Heroes/Gunstar Future Heroes (Mega Drive, 1993/Game Boy Advance, 2005)


Das Debüt und sofort ein Klassiker. Gunstar Heroes war für den Mega Drive das, was Super Probotector (aka Contra III) für das SNES darstellte. Kaum verwunderlich waren einige der Gründungsmitglieder auch an der Entwicklung des ersten Teils der berühmt-berüchtigten Shooter-Reihe beteiligt. Statt auf düstere Endzeit-Alieninvasion, setzte das Treasure-Spektakel aber auf, leidlich ernstzunehmende Comic-Weltherrscher in Spe, farbenfrohe Optik und abgefahrenes Leveldesign. So zeigt sich der berühmte letzte Abschnitt als waschechtes Brettspiel, bei dem Euch die Ereignisfelder durch gegnerüberfüllte Passagen hetzen oder gleich einen Boss vor die Nase setzen. Der feindlichen Meute heizt ihr per originellem Kombiblastern ein, bei dem ihr zwei verschiedene Knarren vereinen könnt, um eine andere verheerende Attacke über den Bildschirm zu schicken. Technisch war das Spiel eine Meisterleistung und protzte mit haushohen Endgegnern, Scharen von animierten Sprites und abartig vielen Explosionen, bei einem wahnsinnigem Tempo, das in der PAL-Version aber leider verloren ging. Im Jahre 2005 kam für den Game Boy Advance mit Gunstar Future Heroes bzw. Gunstar Super Heroes (US-Titel) eine Fortsetzung des 16bit-Hits auf den Markt, die in weiten Teilen aber eher ein Remake des Originals ist. Das Spiel ist ebenfalls eine unglaublich abwechslungsreiche, grafisch und spielerisch eindrucksvolle Action-Achterbahnfahrt, die mit fetten Zoom-, Rotations- und Detonationseffekten nur so um sich wirft und schonmal ganze Level dreht, aber leider auf einen Zwei-Spieler-Koop-Modus verzichtet und durch zwei völlig verhunzte Shoot'em up-Level gebrandmarkt ist. Der Vorgänger ist inzwischen auf allen aktuellen Konsolen als mehr oder weniger günstiger Download erhältlich. Das GBA-Sequel könnt Ihr noch immer etwa bei amazon erstehen. Beide Titel sind ihr Geld absolut wert.
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Guardian Heroes (Sega Saturn, 1996)

Mit Guardian Heroes sprangen Treasure 1996 in die Sparte klassischer Sidescroll-Beat'em ups á la Final Fight und Golden Axe. Wie es aber ihre Art ist, wurde das bewährte Konzept nicht einfach abgepaust, sondern mit Rollenspiel-Elementen, wie der Aufwertung typischer RPG-Attribute und dem taktischen Ebenenwechsel, welcher das mühselige Wandern nach "oben" und "unten" ersetzt (und in Bleach - The Blade of Fate seine Wiedergeburt feiert), verfeinert, um so abermals einen einzigartigen Vertreter seiner Gattung zu schaffen. Eine Vielzahl unterschiedlicher Wege, Bosse und Endsequenzen, spielbarer Charaktere und Gegnerhorden, 2-Spieler-Koop- und 6-Spieler(!)-Contra-Modus, sowie die ausführlich erzählte Fantasy-Story, zeigen auch hier das Superlative alles sind. Allerdings wurde Guardian Heroes nicht überall jubelnd aufgenommen. Das Gameplay erfordert mehr Einarbeitungszeit, als man es von Treasure gewohnt ist und neigt bei weniger versierten Spielern zu chaotischem Gehacke. Dennoch bleibt der Titel eine innovative Perle des halbtoten Genres. Für den GBA erschien 2004 mit Advance Guardian Heroes ebenfalls eine offizielle Fortsetzung, die aber dank der schwachen technischen Umsetzung zu vernachlässigen ist. Naja, es kann ja nicht immer klappen.
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Silhouette Mirage (Sega Saturn, 1997/Playstation, 1999)

Der Name ist so cool wie nichtssagend und das geniale Gameplay von Silhouette Mirage in einem kurzen Absatz zu erklären erscheint gewagt. Ich versuch's trotzdem. Also, die Welt des Spiels ist bevölkert von den blauen Silhouettes und den roten Mirages, doch Heldin Shyna ist ein Two-Face-Look-alike-Gemisch aus beiden und je nachdem in welche Richtung sie rennt, erscheint sie lediglich in einer der beiden Farben. Greift ihr einen gleichfarbigen Gegner an, ladet ihr Eure Spirit Power-Anzeige auf. Sind die Colorierungen jedoch gegensätzlich, teilt Ihr ganz normal Schaden aus. Mit dieser eigentlich simplen Grundlage entfaltet das Spiel einen beachtlichen Tiefgang, wie er im 2D-Actionbereich nur selten zu finden ist. Dank verschiedener Baller-, Greif-, Schlag- und Wurfaktionen, deren sinnvoller Einsatz unabdinglich ist, sowie zahlreicher Waffen, die Ihr Euch aber erst kaufen müsst und kleineren Gameplay-Modifikationen in der US-Version des Spiels, wird die Komplexität und Herausforderung sogar nochmals erhöht, gerade in den wie immer umwerfend designten Bosskämpfen. Dabei spielt sich die abgefahrene Sprite-Orgie schlichtweg fantastisch. Mit Sicherheit einer von Treasures originellsten und ungewöhnlichsten Titeln. Leider ist das Spiel nie in Deutschland erschienen und hat es auch nur in der PSX-Version zu einer englischsprachigen NTSC-Veröffentlichung gebracht.
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Radiant Silvergun (Spielhalle und Sega Saturn, 1998)

Vielleicht eines der größten Shoot'em up-Meisterwerke aller Zeiten, das es unverständlicherweise nie zu einem hiesigen Release geschafft hat. Radiant Silvergun brachte das Genre, welches in Zeiten der 3D-verliebten 32bit-Konsolen bereits seine besten Tage hinter sich hatte, auf ein völlig neues Level. Die technische Brillanz, der unaufhörliche Auswurf an genialen Design-Ideen, das Maß an Sorgfalt und Durchdachtheit und nicht zuletzt das schiere Spektakel des vertikal scrollenden 2D-Infernos, suchen heute noch ihresgleichen. Wo andere Shooter mit unzähligen Power-ups beeindrucken, gibt Radiant Silvergun dem Spieler von Anfang an ein Arsenal unterschiedlicher Waffen in die Hand, die per jeweiligem Button ausgelöst und sogar kombiniert werden können. Spreader, Homing Laser oder das coole Radiant Sword, mit dem sich bestimmte Projektile einfangen lassen, um mit der gewonnenen Energie in brenzligen Situtationen (und die Situationen sind hier eigentlich ununterbrochen brenzlig) einen bildschirmfüllenden Schwertstreich zu entfesseln, müssen geschickt auf die gerade vorherrschenden Umstände abgestimmt werden. Dass der Screen dabei vor Geschossen, Gegnern und Explosionen kaum noch Raum zum Manövrieren lässt, ist ja heute fast schon Standard. Besonders cool: Euer Schiff sammelt Erfahrungspunkte und wird somit immer stärker. Beim zweiten Durchspielen fegt Ihr so, anfangs gnadenlose Brocken in Sekundenschnelle aus dem Sichtfeld. Vom Anfang bis zum Schluss ist Radiant Silvergun eine einzige Bombe. Wer noch ein wertvolles Import-Exemplar ergattern und vor allem zum Laufen bringen kann, darf sich des Neides der Videospielfraktion gewiss sein. Vielleicht fassen sich Entwickler bzw. Publisher ja nochmal ein Herz und veröffentlichen auch diesen Klassiker auf den etablierten Download-Plattformen.
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Sin and Punishment: Successor of the Earth (Nintendo 64, 2000)

Dem N64-exklusiven 3D-Railshooter mit dem harten Namen ist glücklicherweise eine vermeintlich bessere Behandlung zuteil geworden. Nachdem das, trotz seiner eingeschränkten Verbreitung, international viel gepriesene Spiel ursprünglich nur in Japan erschien, obwohl bereits eine englische Lokalisierung fertiggestellt wurde, ist die äußerst düstere Fadenkreuzschießerei im Jahr 2007 über die Virtual Console der Wii endlich auch dem Rest der Welt zugänglich geworden. Trotzdem Treasure auch hier wieder Neuland betreten haben, ist Sin and Punishment mal wieder keine Spur von Unsicherheit anzumerken. Ganz im Gegenteil: Der eigenwillige, schroffe Stil, die originellen Gegnerformationen, spektakulären Setpieces und schwindelerregenden Kamerafahrten, sowie die erstklassige Präsentation, mit Echtzeit-Cutscenes und tadelloser englischer Sprachausgabe haben ein weiteres Mal das Maß der Dinge festgelegt. Die abgefahrene, epische Handlung, voller politischer Korruption, Rebellion und haufenweise Mutanten hab' ich allerdings nicht kapiert. Macht aber nichts. Wen interessiert schon auf welcher Seite man steht? Einfach draufhalten!
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Bangai-O/Bangai-O Spirits (N64 und Dreamcast, 1999/Nintendo DS, 2008)


Als wollten sie das Verhältnis der Projektile und Explosionen pro Pixel endgültig auf die Spitze treiben, ist Bangai-O schlichtweg ein Shoot'em up-Irrsinn geworden, dessen eigentliches Ziel es tatsächlich ist, durch den richtigen Einsatz der Waffensysteme Eures, in alle Himmelsrichtungen feuernden Mechs und geduldig getimte Attacken soviele Explosionen wie nur möglich zu verursachen, um dafür mit weiterem Zerstörungspotential belohnt zu werden. Und wenn Ihr denkt 100 Explosionen wären super, dürft ihr im Maximalfall noch läppische 400 draufschlagen und in Ruhe bestaunen. Ich meine das wörtlich, denn trotz der recht zweckmäßig gehaltenen Optik, konnte keines der drei Systeme diesen Wahnsinn verarbeiten, ohne für ein paar Momente in die Knie zu gehen. Das Bangai-O dabei mitunter sogar eher die Rolle eines Shoot'em up-Puzzlers einnimmt, verdeutlich nur, dass die Entwickler sich nicht mit Kleinkram zufrieden geben und immer noch die Extraportion Spielwitz dazupacken müssen, was sich auch im abseitigen Humor des Titels zeigt. N64-Sammler werden es schwer haben eine Import-Version des lediglich in Japan erschienen Spiels aufzutreiben. Dreamcast- und Nintendo DS-Besitzer wurden aber freundlicherweise mit einer PAL-Version versorgt. Auf dem Handheld kommt das Spiel sogar mit einem Editor daher, der den ohnehin schon überwältigenden Content von ca. 180 Leveln weiter aufstockt. This is Madness!
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Ikaruga (Spielhalle, 2001/Dreamcast, 2002/GameCube, 2003)

Ach, gibt es eigentlich irgend jemanden, der nicht schon gefühlte tausend Mal gelesen, gehört oder gar selbst erlebt hat, was für ein tolles Spie Ikaruga doch ist? Nun, ist es! Zusammen mit Gunstar Heroes sicherlich Treasures berühmtestes Werk. Lohnt es sich das Spiel ein tausendundeintes Mal (Ich kann mir nicht helfen. Das klingt irgendwie falsch.) in den Himmel zu loben? Nö! Ihr könnt und solltet Ikaruga einfach kaufen, sei es für den Dreamcast, den GameCube oder in der leicht abgewandelten Form über Xbox LIVE und Euch selbst davon überzeugen, was echte Videospiel-Designkunst bedeutet. Der Faszination des Schwarz-weiß-Sturms kann man sich schwerlich entziehen.
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Gradius V (Playstation 2, 2004)


Keine Innovationsgranate wie Radiant Silvergun oder Ikaruga, aber klassisches Shoot'em up-Gameplay at it's finest! Gradius V bringt die R-Type- und Thunderforce-Formel auf den Zenit und stellt den Höhepunkt der Reihe dar. Langsam gehen mir aber echt die Worte aus, um den Machern zu huldigen. Gradius V fühlt sich in jeder Minute einfach richtig an und macht hochgradig süchtig. Obwohl Ihr natürlich auch hier hundertfach ins Gras beißt. Doch leichte Shooter sind schlechte Shooter!
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Astro Boy: Omega Factor (Game Boy Advance, 2004)

Es zeugt von der Leidenschaft der Entwickler zu ihrem Projekt und ihrer Arbeit an sich, wenn sie selbst auf kleinen Systemen das Maximum erreichen und nicht einfach mit schnell abgefertigter Standardlizenzware die Kasse zum klingeln bringen wollen. So zu bestaunen bei Astro Boy: Omega Factor, welches in Zusammenarbeit mit dem Sega-Team Hitmaker (Virtua Tennis, Crazy Taxi) kreiert wurde. Herausgekommen ist eines der besten Spiele für den Game Boy Advance, eine virtuose Mischung aus Prügelspiel, Shoot'em up und RPG, präsentiert auf höchstem Niveau. Neben seiner bombastischen Action mit dramatischen Bossfights, erzählt Omega Factor nämlich auch noch eine komplexe Geschichte, die sich erst vollständig erschließt, wenn ihr all Pfade erkundet und sämtliche, versteckten Charaktere findet. Das auf der audiovisuelle Ebene ebenfalls nur Schlagsahne geboten wird, versteht sich fast von selbst. Ein weiteres Meisterwerk!
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Bleach – The Blade of Fate (Nintendo DS, 2006)

Aufmerksame AreaGames-Leser wissen wahrscheinlich schon, wie sehr ich das Spiel schätze. Zur ausführlichen Begründung, könnt Ihr unseren Test nachschlagen, in dem der Titel damals satte 89% erreichen konnte. Sein Kartendeck-System, vier Kämpfer gleichzeitig und der Ebenenwechsel, sowie nicht zuletzt natürlich seine durchdachte grundlegende Spielmechanik und das wuchtige, lebendige Kampfgeschehen machen Bleach - the Blade of Fate und seinen gleichwertigen Nachfolger Dark Souls zu einem der innovativsten und feinsten 2D-Prügler der letzten Jahre, welches in vielen Bereichen, wie Zugänglichkeit, Umfang und Story sogar einige der großen Namen des Genres abhängt. Auch wenn Ihr keine Bleach-Fans seid, solltet ihr Euch dieses Prachtexemplar nicht entgehen lassen, sofern Ihr Beat'em ups etwas abgewinnen könnt.
Sin and Punishment: Successor of the Skies

Kommentare

hoiji
  

Wird nat?rlich noch gekauft. ?brigens geiles Special im Anhang, Silhouette Mirage kannte ich noch gar nicht. Bei Ebay wollen die ja ordentlich was daf?r haben. Eigentlich k?nntet ihr ja das Special noch ausweiten, da ja Treasure einige ausgefallene Titel mehr im Line-Up hat.

Guardian Heroes hat mir pers?nlich bisher am besten gefallen, der Rest ist aber auch genial :D !

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Cuberde
  

@killerspieler:
Nun, richtig gro?e R?hrenbildschirme (etwa ab 32 Zoll im 16:9 Format) haben ja eine einen ziemlichen Bildqualit?tsverlust, weil die Aufl?sung einfach zu grob f?r die gr??e wird. Das kann als einer der Hauptgr?nde f?r die Einf?hrung von HDTVs angesehen werden, da damit trotz immer gr??erer Bildschirme die Bildqualit?t m?glichst erhalten bleibt. Kleine TVs m?ssen nicht unbedingt ?ber hohe Aufl?sung verf?gen um ein gutes Bild zu haben. (So sehen auf einem 18 Zoll HDTV auch Wii-Spiele ziemlich scharf aus.)

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@Cuberde
Beim fernseher passiert genau das gleiche! Der Bildschirm ist normalerweise zu Gro? f?r 640x480 deshalb wird das Bild gestreckt zus?tlich muss das Digitale Bild das die Wii ausgibt in Zeilen umgewandelt werden, was zumindest in der Theorie zu einem nicht unerheblichen Qualit?tsverlust f?hren m?sste, selbst mit RGB Signal.

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Saibot
  

Haha, ich f?nds lustig wenn Johannes Prince of Persia, wie Avatar, gut findet und dann im Podcast wieder mit Daniel und Alex streitet :D

Naja, viel Spa? Johannes! ;)

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Johannes Krohn
  

@ [LeX] DirtyP2002:

Mann, watt bistn du schon wieder f?rn Aggressor? Aber zum Gl?ck l?sst sich deine Behauptung faktisch widerlegen, sodass ich mich bequem zur?cklehnen kann, w?hrend Beweise f?r mich sprechen. Denn von allen Wii-Spielen, die ich bislang getestet habe, seit ich bei AreaGames bin (und ich m?chte behaupten, dass das die Mehrzahl ist), haben genau 3 (drei) Titel von mir eine 9/10 bekommen. Beim Nintendo DS sind es 4 (vier), nur der Vollst?ndigkeit halber. Im Multiplattformbereich, sprich PS3 und Xbox 360 und im Zweifelsfalle PC, sind es zugegeben drei von drei. Ich habe mich in der Einleitung zum obigen Spiel ja auch bereits zur Hit-Quote in diesem Jahr ge?u?ert. Fanboy-Herz also wieder im Reinen?

Ich geh' jetzt Prince of Persia gucken. Guten Tag.

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Cuberde
  

@killerspieler:
Auf SDTVs sehen Wii-Spiele tats?chlich ein ganzes st?ck sch?rfer aus. Da muss die 576i/640i-Aufl?sung ja nicht auf's doppelte (1280x720) bis vierfache (1920x1080) gestreckt werden. Aber ob man das jetzt bei jedem Wii-Spiel extra als Kritikpunkt erw?hnnen muss? Das ist wohl-oder-?ber die Normalit?t und fast immer der Fall, wenn man SD-Material auf einen HDTV abspielt.

Maschief Makers war das einzige Treasure Spiel was mir gefallen hat. Die anderen waren mir einfach zu Arcade-m?ssig/schwer.

Sin & Punishment 2, Alan Wake... ich komme nicht mehr hinterher, was die Spieleneuerscheinungen angeht. Warum m?ssen die auch immer alle mit einem mal erscheinen? ?_?

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Saibot
  

Wow, Johannes, super Test! Und vorallem ausf?hrlich, was auch die "Sch?tze" betrifft.

Weiter so ;)

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pommesUNDwurst
  

Viele wundern sich warum Johannes st?ndig mit hohen Wertungen um sich wirft.
Auff?llig dabei ist allerdings, dass Areagames nicht alle erschienenen Gurken testet, sondern schon gezielt die bedeutendsten Spiele aussucht. Diese sind daf?r dann fast ausschlie?lich gut bis sehr gut.
Ich pers?nlich finde Johannes Wertungen im Gro?en und Ganzen nachvollziehbar... auch wenn ich subjektiver Weise die 9 Punkte von Just Cause an die Monster Hunter weiterreichen w?rde ^^

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KillPaddy
  

YEAH GUARDIAN HEROES! WIE genial das damals war :) Worum ging es nochmal in diesen Bericht ansonsten? ;)

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@DonniDonner
Gute Frage! K?nnte sein, aber ?ber Component sollte trotzdem ein besseres Bild als ?ber RGB-Scart ausgegeben werden, da dank Vollbildern Interlacing eliminiert wird.

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