Spider-Man: Dimensions

"Es sind schlechte Spiele. Sie haben schwache Wertungen bekommen, weil sie schlechte Spiele waren. Wir haben die Essenz dessen aus den Augen verloren, was Spider-Man ausmacht." - Diesen Worten von Anfang des Jahres wollte Bobby Kotick eigentlich nun mal Besserung folgen lassen, indem sein Publisher Activision Blizzard das Comic-Lizenzspiel Spider-Man: Dimensions (bei uns in Deutschland ohne "Shattered" im Namen) auf den Markt bringt. Eines der besseren Games rund um den Marvel-Helden ist es tatsächlich geworden. Für die als Ziel ausgesprochene 9ner-Wertung verhaspelt sich Spidey allerdings zu oft in seinem fummeligen Steuerungsnetz.


Worum geht's?

Spider-Man: Dimensions beginnt wie eine übliche Cartoon-Episode der guten alten "Amazing Spider-Man"-Serie, hätte dabei im Prinzip aber auch gleich das Potenzial für eine Pilotfolge einer eigenständige TV-Show gehabt. Der beliebte Marvel-Held geht einem Museums-Einbruch auf die Spur, ertappt dabei seinen alten Widersacher Mysterio auf frischer Tat und zerdeppert in Folge des Kampfes versehentlich ein altes Artefakt. Die Scherben dieser magischen Tafel sind nun in vier Dimensionen des (Comic-)Universums verteilt und angeleitet von Madame Web liegt es beim Spieler im Kostüm der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, die einzelnen Stücke zu bergen und wieder zusammenzusetzen. Selbstverständlich sind die Fragmente längst in die Hände unterschiedlicher Superschurken gefallen, wobei viele der Bossgegner in Dimensions nicht unbedingt zur bekannten Charakter-Riege des Franchises gehören. Wahre Fans erkennen natürlich trotzdem viele Gesichter wieder und gerade sie werden sich sicher auch krabbeltierisch darüber freuen, dass Spider-Man am Fließband jede menge flotte, tatsächlich sehr lustige Kommentare zum Besten gibt, welche den kecken Onelinern aus den Comics/Fernsehserien absolut gerecht werden.
Spider-Man: Dimensions

Vier Dimensionen, vier verschiedene Spiele?

Man könnte es fast so sehen, auf jeden Fall trifft diese These auf die optische Gestaltung von Spider-Man: Dimensions zu. Nach dem storybezogenen Tutorial hat man in einem Auswahlmenü die Möglichkeit, sich für einzelne Missionen aus einer der vier "Spider-Man"-Welten zu entscheiden, wobei mit jedem Kapitel-Abschluss neue Levels freigeschaltet werden. Man kann also nicht jede Mission des Spiels von Anfang an anwählen, sich dafür aber immer entscheiden, in welcher Reihenfolge man die vier unterschiedlichen Spidey-Varianten spielen möchte. Am geläufigsten sollte euch der Amazing Spider-Man sein (rot-blaues Stoffkostüm, lebt quasi in unserer Gegenwart), den viele aus Wochenendcartoons oder eben den sehr populären Comics dieser Reihe kennen dürften. Der Ultimate Spider-Man ist die mit der schwarzen Alienmasse symbiotisierte Variante des Helden, welche auch hinter dem im Kino so enttäuschend abgefrühstückten Venom steckt. Spider-Man 2099 ist eine Hightechversion des Web-Heads, die in einer Coruscant-ähnlichen Zukunftsstadt Zuhause ist. Die bisher genannten Spideys unterscheiden sich lediglich anhand ihrer Kampftechniken und optischen Stilrichtungen voneinander, während sie sich sehr ähnlich spielen und man immer das Gefühl hat, sie würden derselben Welt abstammen. Wirklich in jeder Hinsicht hebt sich dagegen Spider-Man Noir vom Rest der Truppe ab. Dies ist die 1933er-Variante des Netzschwingers. Grafisch düster à la Sin City, spielerisch auf Stealth vom Schlage Arkham Asylums ausgelegt. So gesehen bekommt man eigentlich drei mal denselben Spider-Man im alternativen Look und nur einmal Spider-Man in einer auch spielerisch eigenständigen Interpretation geboten. Selbst wenn die dreist gemopst wurde, wie weiter unten zu lesen ist...
Spider-Man: Dimensions

Ein Fest für eure Spinnensinne?

Die größte Stärke von Spider-Man: Dimensions ist seine fantastische Optik. Das letzte Mal, dass mich Cel-Shading so sehr überzeugt hat, war beim Test zu Tales of Vesperia. Ja, diese beiden Titel zeigen Borderlands, dass der Zeichentrickstil in Videospielen doch noch mal deutlich besser aussehen kann, als es Gearbox bei ihrem ersten (wenn auch trotzdem gelungenen) Versuch hinbekommen haben. Lässt man die Kamera langsam um Spidey herumdrehen oder schaut einfach nur in die Ferne, wenn man gerade z.B. einen schönen Urwaldpanoramablick vor sich hat, kann man mal wieder kaum glauben, dass es sich dabei um ein Game mit 3D-Welt und nicht etwa um einen echten Zeichentrickfilm handelt. Klar gezeichnet, mit wunderbar flüssigen Animationen und netten Details - noch nie zuvor wurde ein Comicheld so vorlagengetreu und grafisch hübsch zugleich in Szene gesetzt. Dazu gibt's einige hochwertig animierte Render-Cutscenes, ebenfalls in den vier unterschiedlichen Stilrichtungen inszeniert, die selbstverständlich ein feines Festmahl für Fans des Spinnenmannes sind. Genau so wie allerlei freispielbare Bonusmaterialien, die sich über ein wortwörtliches Netz aus levelspezifischen Challenges erreichen lassen. Soundtechnisch glänzen im Spiel daneben auch die tollen englischen Synchronsprecher. Auf Deutsch sind hier nur die Untertitel übersetzt worden, auch wenn ihr euch Spider-Man: Dimensions nicht aus dem Ausland importieren solltet.
Spider-Man: Dimensions

Darf ich am Netz in Freiheit schwingen?

Im Gegensatz zu manch einer bisherigen Videospieleversion von Spider-Man oder anderen Marvel-Helden (wie z.B. HULK) baut Dimensions nicht auf einem Sandboxgerüst mit frei erkundbarem Stadtgebiet auf. Stattdessen hat es nur lineare Schlauchlevel im Angebot, die ohne Abzweigungen daherkommen, trotzdem aber viel Platz zum heiteren Herumschwingen bereithalten. Bis zur meist unsichtbaren Levelgrenze darf man nach Herzenslust an Wänden krabbeln, sich an Objekten festhaken und hochziehen, an seinen fix gespritzten Seilen durch die Lüfte seegeln... und all das sogar bei recht rasantem Tempo. Sehr viel zu entdecken gibt es dabei nicht, deswegen folgt man schnell nur noch mechanisch den vorgegebenen Pfaden des jeweiligen Kapitels. Meist gilt es dabei, nach Schema-F einen Endgegner zu verfolgen, an mehreren Zwischenstationen aber erst mal ganz viele Handlanger zu erledigen und Schalter umzulegen bzw. Gefangene zu retten, bevor es zur finalen Konfrontation mit dem jeweiligen Boss kommt. Trotz vieler freischaltbarer Moves werden die Standardkämpfe schnell zur fix abgewickelten Routine, auch auf den höheren Schwierigkeitsgraden. Die Levelbosse bleiben dagegen immer eine spannende Angelegenheit, da sie ständig neue Formen und kleine Herausforderungen an den Tag legen, die es erst mal zu durchschauen und auszutricksen gilt. Als Highlight winkt am Ende stets ein Faustkampf mit Finisher - aus der Egoperspektive!
Spider-Man: Dimensions

Was hat sich Spidey von Batman abgeguckt?

So mancherlei, praktisch den kompletten "Noir"-Modus. Sei es die Art, wie sich Spider-Man an seine Gegner heranpirscht, sei es die optische Inszenierung der düstersten aller Spinnen-Dimensionen oder seien es die automatisch durchgeführten Angriffe aus dem Hinterhalt, bei denen Spider-Man einen Gangster z.B. von einer Laterne aus nach oben zieht und dort geknebelt festbindet... man fühlt sich dabei mit jeder Sekunde extrem an Arkham Asylum erinnert. Selbst in Momenten wie bei einem Endgegnerkampf mit 'nem Mafiaboss, der Spidey mit einem Scheinwerfer verfolgt, dem man in der Dunkelheit ausweichen muss... auch wenn der böse Bube hier nicht Scarecrow heißt. Und die Detective-View zum besseren Aufspüren von Feinden sowie Erfahrungspunkte-Items, die hier ohnehin selten sehr gut versteckt sind, nimmt Spider-Man selbstredend auch gleich mit.
Spider-Man: Dimensions

Was hätte er sich besser von Batman abschauen sollen?

Ob man nun im Jahre 1933 oder 2099 herumspinnt, die intuitive Steuerung und die übersichtliche Kameraführung von Batman: Arkham Asylum hätte Spider-Man: Dimensions auch mal gut zu Maskengesichte gestanden. Während man das anfangs fummelige Netzschwingen nach einer gewissen Eingewöhnungsphase ganz gut beherrscht, sind auf Reaktionsschnelligkeit ausgelegte Manöver in den Kämpfen mit Spidey kaum gekonnt durchführbar. Eine oft wirre Kameraführung sorgt in den Fights ohnehin meist dafür, dass man den Überblick verliert und sich auf seine zwei bis drei bewährten, blind durchführbaren Standard-Kombomuster verlässt, anstatt wirklich all die vielen Offensiv/Defensivfähigkeiten von Dimensions richtig auszuschöpfen. Am schimmsten hat es allerdings das Wandkrabbeln getroffen. Der Wechsel von der Decke über eine Kante an eine andere Seite oder umgekehrt ist dank konfuser Kameraführung und - dadurch bedingt - ständig wechselnder Krabbelrichtung der Spielfigur praktisch unspielbar. Ein Glück, dass man beim Absolvieren der Kampagne im Prinzip fast gänzlich auf dieses Feature verzichten kann.
Spider-Man: Dimensions

Spinn ich?

Kommentare

Human Torch
  

Auf die Wertungen kann man einen furz geben ;) wenn was f?r eine bestimmte Gruppe interessant ist dann auch wenns keine Top Wertung hat. Gibt genug Spiele die gerade hier bei areagames etwas unter wert gehandelt worden sind und dennoch einen gro?en Kreis der Spieler begeistern konnte.

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chrizzio
  

http://www.youtube.com/watch?v=HFUtf-DLqCA&feature=
related hachja, das hat Spa? gemacht. :)

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chrizzio
  

bzw. Bei euch hats ja nur 5/10 bekommen.

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chrizzio
  

Bestes Spider-man Spiel aller Zeiten und dann nur 7/10, w?hrend der Vorg?nger Web of Shadows 8/10 bekommen hat?

Also dass man keine offene Welt hat is schon kacke, das war immer das Beste an den Vorg?ngern! Wie abwechslungsreich ist Dimensions? WoS war ja ziemlich abwechslungsreich, sowohl von der Story als auch vom Gameplay.

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Human Torch
  

Man muss einfach mal ehrlich sein, Activision wollte keine Gurken Spidey Games mehr abliefern und sie sind wirklich auf dem richtigen weg, sie gehen weg vom Open World und setzen auf nen richtigen Comic (cel shading) look.

Das man nun keinen 10er Titel erwarten konnte war dennoch klar. Der Weg war richtig und vielleicht sollten sie sich mal 2 jahre zeit lassen und nicht jedes Jahr eins abliefern, das kann man mit sportspielen und shootern machen. Da steht das Ger?st ja schon vom Vorg?nger.

Nichts desto trotz, das Spiel hat ohne Fan Bonus eine 8/10 verdient und als Marvel Geek oder Spidey Fan sogar eine 9/10.

Man kann das mit Batman Begins vergleichen (es gab davor kein gescheites batman spiel) nun gibt es ein sehr ordentliches Spidey Game und vielleicht erwartet uns irgendwann mal so ein richtig fetter Top Spidey Titel wie das dann bei Batman Arkham Asylum der fall war. (der vergleich bezieht sich nicht aufs Gameplay, sondern das es irgendwann mal aufw?rts gehen muss, EA hat es mit Batman Begins auch in die richtige Richtung gelenkt)

Kann auch sein das Spidey mal in andere H?nde geh?rt, und Activision mal ein Jahr pausiert.

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Belästigungs-Panda
  

ich hab die anderen teile auch gemocht obwohl sie jetzt keine br?ller spiele waren. wenn du meinst der teil ist der beste von allen dann muss ich den doch mal antesten.

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Human Torch
  

@ Matt 1980

Hmm, dann hast du wohl zuviel Knete... gerade Spiele wie Alan Wake sind das beste Beispiel, sehr toll gemacht und nach 1-2 mal spielen liegt es in der Ecke, vergleicht man das dann z.B. mit Red Dead Redemption was bei mir das 4-5 fache an Spielzeit hat dann w?sstest du wie ich das mit dem ums geld weinen meine...

@ agaso

Dann scheinst du entweder nur PES zu spielen oder hast die Entwicklung die man bei FIFA beobachten und erleben kann scheinbar mal voll verschlafen. EA arbeitet seit FIFA 09 konsequent weiter und das sp?rst du (sofern man es spielt) auch jedes mal. Und gemessen an der Spielzeit ist es das Geld alle mal Wert. Und wo kann man demn?chst 11 VS 11 online zocken, oder den Torwart in einem Spiel, oder eigene Stadion Musik und Sprechch?re einspielen lassn + nen fetten Editor ?ber die EA website. Und das Gameplay wollen wir mal gar nicht vergessen, spielt sich noch besser als FIFA 10. Aber was solls jedem das sein.

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Und nun nochmal zu Spidey, nachdem ich das nun mal bei einem Freund sehen und spielen konnte find ich die 7/10 doch ein wenig untertrieben. Vergleicht man das mal mit allen Spidey Games, dann ist das wohl das beste. Und ich kann mich nicht entsinnen das ein anderes unter der 7/10 in der Wertung liegt.

Solche Spiele kann man wohl nur wirklich m?gen wenn man auch den Main Char mag, aber ist ja bei mir nicht anders, ich mag Halo auch nicht und finde auch den master chief nicht so toll wie der rest der Ego Shooter Welt.

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MetalMelon
  

Hab das in meinem Laden mal angezockt, gef?llt mir, allerdings bin ich ein wenig entt?uscht, das sich die Universen nicht so stark von dem Gameplay ver?ndern, wie einst angepriesen.

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DerJens^^
  

und wir PC-Spideys schauen wieder mal in die R?hre -.- :(

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Icevodka
  

ich werds mir trozdem holen, da ich spiderman liebe, und die Idee ansich soviele verschiedene welten in ein spiel zu packen, find ich auch gro?artig. brauch mal abwechslung von starcraft 2 :)

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