Split Second

Mann kennt das aus dem Kino: Der Trailer zum neusten Sommerblockbuster haut einem gigantische Explosionen um die Ohren, im Sekundentakt fliegen die Highlights des Film an der Netzhaut vorbei. Guckt man sich den Film dann an, hat man das ungute Gefühl, die besten Szenen bereits alle schon zu kennen. Auch das neueste Werk von PURE-Entwickler Black Rock kann mit bombastischen Videos locken. Doch wie viel Substanz steckt wirklich in Split / Second?


Worum geht’s eigentlich?

Auch wenn man sofort kichern möchte, wenn jemand nach der Story eines Action-Rennspiels fragt, im Falle von Split / Second istdas ganze Renngeschehen in einer Art TV-Show eingebettet. Sonderlich neu ist die Idee natürlich nicht gerade, wenn man an Filme wie Death Race oder selbst Uralt-Spiele wie Megarace denkt. Allerdings arbeitet Black Rock den TV-Show Aspekt auch nicht weiter aus. Wer also einen Moderator befürchtet, kann beruhigt weiterspielen. Bis auf kurze Einspieler vor einer neuen Rennwoche, die hier als TV-Serien gerecht "Folge" genant wird, gibt es im Spiel wenig Momente, bei denen der Show-Aspekt in Erinnerung gerufen wird. Im Grunde dient der TV-Hintergrund nur der Erklärung, warum man eigentlich auf den Kursen so viel in die Luft jagen kann und wieso die Ingame-Menus so stylisch aussehen (man kann sie sogar mit dem rechten Stick leicht drehen, sehr schick). Ansonsten klemmt sich der Spieler hinter das Lenkrad von Fantasie-Autos mit Fantasie-Namen, die irgendwie immer an bekannte Modelle erinnern. Wer sich mit jemand anderem über die Autos des Spiels unterhält, wird immer auf Gesprächsfetzen wie "dieser Lamborghini-Verschnitt?", "nein, die Aston Martin-Kopie" stoßen. Allerdings ist der Verzicht auf lizenzierte Serienkarossen auch nicht weiter verwunderlich, können die Fahrzeuge doch wie bei Burnout immer in eindrucksvollen Explosionen zerfetzt werden.
Ihr merkt es schon, auf den Pisten von Split Second geht es rau zu. Schuld an allem ist die Powerplay-Spielmechanik. Für gekonntes Driften, Sprünge oder das Fahren im Windschatten bekommt ihr Powerplay-Energie, die in drei Stufen gesammelt wird. Habt ihr davon etwas gesammelt, könnt ihr Explosionen oder andere Ärgernisse auf der Strecke auslösen, um damit Gegner auszuschalten. So könnt ihr zum Beispiel in einer engen Gasse ein Müllfahrzeug aktivieren, das via Rückwärtsfahrt die halbe Strecke blockiert (nett), oder (weitaus spektakulärerer) ein ganzes Hochhaus mittels Sprengung zum Einsturz bringen, das die vor euch fahrenden Autos unter sich begräbt. Allerdings solltet ihr bei all diesen explosiven Hindernissen auch darauf achten, selbst diesen Asphalt-Katastrophen zu entweichen. Natürlich nutzen auch die Gegner diese Power-Play Funktionen, wenn auch nicht so oft wie der Spieler. Da man die meisten dieser Explosiv-Hindernisse allerdings nur einmal auslösen kann, lohnt sich eine taktische Überlegung, wann es besser ist, die Powerplay-Energie zu sparen. Wer alle drei Felder voll mit Energie hat, kann sogar eine Streckenverformung auslösen. Hier bricht dann gerne mal ein Teilstück der Strecke in sich zusammen und bildet aus den Trümmern einen neuen Pfad. Unangenehm für die Fahrer, die sich gerade auf diesem Teilstück befinden und deren Autos nun Star in jedem Limbo-Wettbewerb wären. Sicherlich hätten sich auch diese Fahrer einen Turbo-Boost gewünscht, den es in Split / Second erstaunlicherweise allerdings nicht gibt.
Split Second

Erster werden ist nicht schwer, erster bleiben dagegen sehr

Der Singleplayer-Modus besteht aus 12 Folgen der, nun sagen wir aufgesetzten, TV-Show, die jeweils aus knapp 6-7 Rennen bestehen. Neben normalen Rennen gegen acht KI-Fahrer, gibt es noch einige andere Rennveranstaltungen, wie den Eliminator-Modus, bei dem in bestimmten Zeitintervallen der letzte Fahrer des Feldes ausscheiden muss. Besonders witzig sind die Rennen gegen die Uhr, die hier Detonator-Rennen heißen. Denn hier seid ihr alleine auf der Strecke und alle Powerplays und Streckenveränderungen werden automatisch ausgelöst. Das actiongeladene "Auf der Flucht vor dicken Explosionen" Gefühl wird hier am eindrucksvollsten vermittelt, da man sich ganz auf das Fahren konzentrieren kann. Konzentration ist ohnehin angesagt in Split/Second, denn die Gegner hängen dank ausgeprägten Gummibandeffekt immer an der Stoßstange. Einmal falsch gedriftet und schon haben euch vier Gegner überholt. Einen Vorsprung herauszufahren ist nahezu unmöglich. Obwohl ihr den Powerplays der Gegner meist noch ausweichen könnt, stellt sich beim Spielen schnell eine einfache, aber notwendig Gewinntaktik heraus: In den ersten zwei Runden eines Rennen möglichst im Mittelfeld bleiben, die Powerplay-Energie sparen und erst in der letzten Runde unter Einsatz möglichst starker Zerstörungskraft auf Platz 1 schnellen. Wer zu früh in Führung geht, hat bei Split/Second leider meist das Nachsehen und wird mit Powerplays von allen Seiten zugeballert.
Split SecondAufgelockert werden die Events durch hektische Action-Rennen, bei denen man entweder den Raketen eines Hubschraubers ausweichen muss, oder brennende und hochexplosive Fässer, die aus einem fahrenden LKW geschmissen werden, vermeiden sollte. Beide Spielmodi bieten soviel Originalität und Langzeitspaß wie das Zerkloppen von Mittelklasse-Fahrzeugen zwischen den Kämpfen in Street Fighter. Meinetwegen hätten diese beiden Modi auch draußen bleiben können. Stattdessen hätte Black Rock noch etwas am Multiplayer arbeiten können: Hier sind nur rudimentäre Grundfunktionen enthalten. Nach dem Matchmaking findet man sich in einer Lobby mit anderen Spielern wieder, bei dem der Host lediglich die Strecke auswählen kann. Andere Optionen fehlen, was besonders ärgerlich ist: Eine Klassenbeschränkung fehlt. Die Autos von Split / Second unterscheiden sich deutlich in Leistung und Handling. Autos, die man im späteren Spielverlauf freischaltet sind schneller und driften besser. Wer also noch nicht so viele Fahrzeuge freigeschaltet hat, wird in Multiplayer-Rennen oft gegen andere Spieler antreten, die schon in den Topkarren sitzen und damit natürlich einen leichten Vorteil besitzen. Wer seinen Gegner lieber auf der Couch neben sich zu sitzen hat, wählt den Splitscreen-Modus, den es in horizontaler und vertikaler Variante gibt, der aber in beiden Versionen deutlich zum Ruckeln neigt.
Split Second

Action-Feuerwerk mit kleinen Schwächen

Kommentare

gelöscht
  

Das einzige was ich bei diesem Spiel vermisse -> Nitro, ansonsten TOP GAME, kanns nur weiterempfehlen.

Episode 6, Folge 5 war verdammt hart! Ich brauchte mindestens 30 anl?ufe damit ich Gold hole.

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HCrider
  

Wie wohl Blur im Vergleich zu Split Second wird?

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Alexander Voigt
  

Ja, aber wir haben kein Muster bekommen. Also hab ich mir das Teil am Montag gekauft, da ich ?ber unendliche Geldreserven verf?ge.

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Saibot
  

"Und ich hab den ganzen Test ?ber nicht einmal Michael Bay erw?hnt. Prima." Haha :D

Guter Test. Wertung war zu erwarten. Ich denk Ausleihen, oder Grabbeltisch werden reichen.

PS: Sollte nicht eigentlich Johannes Split/Second testen?

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xXDonReneXx
  

Das Spiel macht definitiv Spa?, das mit dem Gummiband stimmt zwar, wie Cabal aber schon meinte kommt man damit mit etwas Streckenkenntnis doch gut zurecht. Nur diese Rennen gegen die Trucks mit den explosiven F?ssern h?tten sie sich sparen k?nnen. Das ist das einzige was mir an dem Game gar nich gef?llt.

So ich muss dann mal weitermachen. Letztes Bonus- und Eliterace m?ssen noch auf Platz 1 beendet werden. F?r die "normalen" Strecken ist dann erstmal keine Zeit. RDR ich komme :D

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Alexander Voigt
  

Johannes hat schon die Erkl?rung geliefert, viel besser kann ich es auch nicht sagen. Allerdings ist das etwas, wo ich ganz klar noch Verbesserungspotential bei mir sehe. Werde also demn?chst mal drauf achten, dass auch die positiven Elemente st?rker in den Vordergrund gestellt werden. Ist bei einem Spiel wie Split Second auch fast garnicht so leicht. Man sieht ja auf jedem Video des Spiels, was alles so geil ist: ADRENALIN - ACTION - BOMBASTISCHE EXPLOSIONEN etc...Das rockt alles die H?tte. Aber trotzdem ist man schneller dabei, die ganzen Sachen aufzuz?hlen, die man noch nicht so toll findet.

@ Cabal2K: Obwohl mir deine Art meistens auf die N?sse geht, ist deine Split Second Meinung sehr gut ausformuliert und nachvollziehbar. Warum sollte diese Meinung daher nicht auch Hilfe f?r andere Leute sein, die sich ?berlegen ob das Spiel etwas f?r sie ist. In deinem Lemming-Universum ist so etwas leider verp?hnt.

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Obiwan-Kemario
  

@ Demon Cleaner: Das Fahrerfeld wird k?nstlich zusammengehalten und man kann sich durch spielerisches Geschick keinen Vorsprung erfahren also ja :)

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Demon Cleaner
  

Was versteht ihr unter "Gummiband-KI"? Etwa das Problem dass wenn man einmal nur kurz crasht, sofort wieder jeder einen ?berholt?

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metropolisstreetracer
  

Lasst euch nicht verunsichern Leute, das Spiel ist der Hammer!
Die Gummiband-K.I. ist nicht so wahnsinnig schlimm: mit dem richtigen Auto und dem taktischen Einsatz der Powerplays lassen sich die Rennen frustfrei gewinnen. Ebenfalls f?r erw?hnenswert halte ich die bombastische Grafik! Die Engine bietet enorme Weitsicht, l?uft butterweich und hat wunderbare Sonnenblendeffekte. Die Powerplay-Explosionen lassen einen nicht nur einmal die Kinnlade runterklappen und wenn ?ber einen ein Hochhaus zusammenf?llt oder ein Flugzeug abst?rzt, glaubt man sich in einem Hollywoodfilm zu befinden. Alles in allem ein tolles Racinggame das eine Menge Fun macht, der Punkteabzug f?r den rudiment?ren Multiplayer ist gerechtfertigt und so w?rde ich dem Spiel auch gute 8/10 geben.

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Johannes Krohn
  

Ach, ich schreib' einfach zu langsam. Mein Kommentar bezog sich nat?rlich auf den von jurista. Ich empfehle mich.

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