Summer Sports Party

Der Partyspaß auf Nintendos Wii scheint kein Ende zu nehmen: Pünktlich zum Sommerstart (ihr wisst schon, der Jahreszustand außerhalb der Zockerbude, Monitorbräune gilt nicht!) bereichert UbiSoft das Portfolio der Konsole mit "Summer Sports Party", und zwar als direkte Konkurrenz zu "Wii Sports Resort". Warum man zur Alternative aus Frankreich greifen sollte? Je ne sais pas!

Zuletzt rief "Beach Fun: Summer Challenge" diese Frage bei mir hervor: Vor wenigen Tagen erschien Nintendos hauseigenes "Wii Sports Resort": sympathische Insel, sympathische Auswahl an unterschiedlichen Spielmodi und preislich ebenfalls... sympathisch: etwa 45€ bezahlt man hier für 12 Sportarten, die im Bundle mit dem neuen Wii MotionPlus Zusatz ausgeliefert werden und somit eine weitaus präzisere Kontrolle bieten. Warum, um alles in der Welt, sollte ich also zu "Beach Fun" bzw. jetzt auch noch "Summer Sports Party" greifen? Die Antwort ist: Sollte man nicht. So einfach ist das. Normalerweise könnte ich hier Schluss machen, mir ein wenig Tipparbeit ersparen und eure Augen auf die Wertung lenken. Doch das wäre nicht fair. Ganz einfach deswegen nicht, weil der UbiSoft-Titel auf den ersten Blick mit genauso vielen, aber teilweise anderen Sportarten auftrumpft. Oder untertrumpft, denn leider entpuppten sich die meisten Modi als Enttäuschung...

Der stumme Jubel über's armselige Tor

Am Anfang jeder Strandsportkarriere steht jedoch die Erstellung eines eigenen Profils, dem man nicht nur einen eigenen Namen geben darf, sondern auch entscheidet, mit welcher Hand die Wii Remote gehalten wird. Linkshänder atmen also schonmal auf. Eigene Miis kann man traurigerweise nicht verwenden, stattdessen greift man auf eine Riege aus insgesamt 12 spielbaren Charakteren mit Sonnenscheinnamen wie Sanchez, Matt, Tiana oder Hema zurück. Zwei davon müssen allerdings erst freigespielt werden. Die Motivation dazu war in meinem persönlichen Fall allerdings nicht vorhanden, um ehrlich zu sein. Nach den Voreinstellungen wird man auch direkt vor die Wahl der Sportart gestellt, welche mit maximal vier Spielern angegangen werden. Dabei kommt es oftmals zu "2 vs. 2"-Konstellationen, wie zum Beispiel im Fußball. Nach Wahl der Halbzeitlänge muss man zunächst feststellen, dass es keinen Kommentator gibt und auch die tropische Hintergrundmusik eher zaghaft eingesetzt wird. Eine klare Fehlentscheidung der Entwickler, denn im Schutze des Lärms wären andere Designfehler vielleicht nicht so krass aufgefallen: Der KI-gesteuerte Torwart wirft gefangene Bälle desöfteren direkt vor die Füße der Konkurrenz und verschuldet damit immer wieder gegnerische Treffer. Gut, dass diese Situation nicht allzu häufig auftritt. Schlecht, dass es daran liegt, dass der Hüter selbst lasche Bälle von der Mittellinie (!) gerne ins Netz gehen lässt, harte Schüsse im 5m-Raum dafür aber umso öfter pariert. Lauter wird es auf dem Spielfeld übrigens auch nach einem Tor nicht, denn die Jubelgesänge der Protagonisten bleiben stumm. Das rückt die abgehackt wirkenden Animationen nicht gerade in ein besseres Licht... Die Lust auf den Fußballpart ist somit schneller vergangen als Jürgen Klinsmanns Karriere bei Bayern München, also schnell weiter zur nächsten Sportart. Kann es denn überhaupt schlimmer werden? Klar, im Basketball fehlt nämlich jegliche Taktik, was vor allem den schwammig wirkenden Ballabnahmen und der ungenauen Steuerung via Wii Remote und Nunchuk liegt. Daher läuft ein Spiel meist nach folgendem Raster ab: Team 1 macht einen Korb, also bekommt Team 2 den Ball zugeworfen. Jetzt macht Team 2 einen Korb, also erhält Team 1 den Ball zurück, usw. Den Sieg erringt man am leichtesten, in dem man sich dem Risiko hingibt und einen Dreier versucht bzw. die immer wieder aufleuchtenden Bonusfelder verwendet. Gerade gegen den Computer will aber nie so recht Spaß aufkommen...
Summer Sports Party

Minigolf und Möchtegern-Curling im Dschungel

Selbiges trifft auch fast alle restlichen Spiele der Sammlung zu: Boccia, Ziel-Werfen, Bogenschießen, Shuffleboard klassisch, Slam-Dunk, Minigolf, Shuffleboard Arcade, Wettwurf, H-O-R-S-E und Weltreise. Dabei stellen Wettwurf, H-O-R-S-E und Weltreise nur Variationen des Basketballs dar, in denen bestimmte Zielvorgaben erfüllt werden müssen. Meist müsst ihr von einem vorgegebenen Standpunkt aus in den Korb werfen, was zumindest etwas mehr Freude bereitet. Doch selbst hier macht sich die mittelmäßige Steuerung bemerkbar. Selbst, wenn man drei Mal hintereinander exakt dieselbe Bewegung ausführt, versinkt der Ball vielleicht nur ein oder zweimal im Korb. Ein richtiges Feedback, was man falsch macht, vermittelt "Summer Sports Party" nicht. Boccia ist eine der besseren Varianten, was wohl dem simplen Spielprinzip geschuldet ist: man versucht, die eigene Kugel möglichst nahe an die Zielkugel heranzuwerfen. Hier funktioniert die Steuerung mit der Fernbedienung, im Gegensatz zum Minigolf, welches ungenauer wirkt als die Ur-Variante von "Wii Sports" - einem Launchtitel. Dafür sind die Kurse wesentlich einfallsreicher und abgedrehter und bestechen durch ein stimmiges Dschungelsetting. Mit dabei sind sogar Abkürzungen, die den kleinen Ball durch eine bewässerte Spirale aus ausgehülltem Bambusholz führen. Auch in den restlichen Minispielen stimmt die Umgebungsgrafik, auch, wenn sie nicht an die Konkurrenz heran reicht. Wer schnelle Erfolgserlebnisse verbuchen möchte, sollte übrigens als erstes das Zielwerfen ausprobieren, denn hier werden die Zielscheiben fast automatisch anvisiert, womit man dem Spiel lediglich eine nachgeahmte Wurfbewegung schuldet. Beim Shuffleboard handelt es sich um eine Curling in wesentlich wärmerer Umgebung. Nach einer Minute habe ich die Lust daran verloren, nach fünf meine Konsole ausgeschaltet. Wenn's hilft: im Angesicht meiner Tätigkeit als Spieletester hatte ich dabei ein schlechtes Gewissen. Ehrlich.
Summer Sports Party

Es gibt bessere Partys im Sommer!

Kommentare

z101
  

"F?r alle anderen gilt: UbiSoft braucht Kohle f?r Produktionen wie ?Splinter Cell: Conviction? oder ?Assassins Creed 2, also tut ihnen vielleicht eines Tages den Gefallen und legt euch die virtuelle Sommerparty zu?

Und Kohle f?r Red Steel 2 und Rabbids Go Home. :)

Aber mal ehrlich? Glaubt jemand Ubisoft w?rde weiterhin dran denken o.g. Spiele zu produzieren wenn sich mit einer preiswert produzierten Sommerparty viel mehr Geld scheffeln l?sst?

Davon mal abgesehen, Assassins Creed Teil 1 w?rde ich in die Sparte "Casual Game mit aufwendiger Grafik" einstufen. Das Spiel ist nach sp?testens einer halben Stunde, nachdem man sich an der h?bschen Grafik sattgesehen hat, so repetitiv und ?de das man genauso gut Sommerparty spielen k?nnte. Mal sehen ob der zweite Teil besser wird, also der von Assassins Creed, nicht der von Sommerparty.

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Robert Buch
  

Irgendwas m?ssen wir ja zu tun haben, sonst schmeisst man uns doch raus! :D ;)

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Ben Man
  

warum verschwendet ihr eigentlich eure Zeit mit solchen Tests ?
Ok, Sommerloch...aber das diese casual-Gurken Schrott sind, bedarf doch keiner weiteren Tests mehr :-)

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