Tales of Vesperia

Importhändler führen Tales of Vesperia schon dermaßen lange in ihren Angeboten, dass man auch als verarmter AreaGames-Redakteur nicht um den vorzeitigen Erwerb des japanischen Rollenspiels herum kam. Was natürlich den Vorteil hat, dass ich euch hier nun relativ pünktlich zum Start einen Testbericht auf Basis längeren Spielens ohne viel Druck und Hast abliefern kann. Die Basics liefert mein altbekannter Erfahrungsbericht aus der Anfangsphase des Spiels, um nicht zu viel spoilern zu müssen. Das Fazit verrät euch im Anschluss dann kurz und knackig, ob Tales of Vesperia den starken Ersteindruck auch später noch bestätigen konnte.


Malerisch geradlinig

Als das eigentliche Spiel mit einer Ingame-Dialogszene begann, war ich mir im ersten Moment noch gar nicht im Klaren darüber, bereits Spielgrafik zu sehen. Die tatsächlich wie gemalt wirkende Optik von Tales of Vesperia ist derart flüssig und weich, dass ich fast zu sagen gewollt bin, noch nie zuvor eine so überzeugende Comicgrafik in Bewegung gesehen zu haben. Klar, Titel mit einem ähnlichen Cell-Shading-Stil hat man inzwischen schon einige gesehen. Doch so kanten- und flimmerlos wie hier, mit so viel dreidimensionaler Perspektive und trotzdem Liebe zum Zeichendetail? Zugegeben, ich bin kein Mega-Experte was japanische RPGs im Allgemeinen angeht, vielleicht fehlen mir also die echten Vergleiche aus der Insiderszene (außer dem ebenfalls hübschen Eternal Sonata, dessen Umgebungen ich jedoch als etwas grober empfinde). Tales of Vesperia hat mich optisch aber auf alle Fälle von Anfang an beeindruckt und damit atmosphärisch gleich ins Spielgeschehen ziehen können. Eine kleine Enttäuschung ist dagegen, dass die vielen, zumeist sinnlosen Nebendialoge mit Statisten-NPCs (fast schon Genre-typisch) unvertont geblieben sind. Eher unmotiviert skippe ich mich durch die ersten der obligatorischen "Straßenhund macht Wuff-Wuff"- und "Hallo, liebes Mädchen! Oh, du bist nur ein Typ mit langen Haaren, ha,ha,..."-Sprechblasen, bevor ich mich entscheide, weniger investigativ, mehr zielgerichtet der Hauptstory zu folgen. Habe eh nicht das Gefühl, dies sei ein RPG, bei dem es unbedingt so viel abseits der Hauptpfade zu entdecken gibt. Und hey, ohne dieses unergiebige Nebengeplänkel kommt sowieso viel mehr "Anime zum Mitspielen"-Feeling auf.
Tales of Vesperia

You are Yuri

Das hatte ich auch auf alle Fälle in den ersten Minuten von Tales of Vesperia, in denen ich Hauptcharakter Yuri vorgestellt bekomme, der als ständig abgefuckter aber am Schwert doch ziemlich talentierter und auch so recht cleverer Jungspund im Armenviertel der imperialen Hauptstadt vor sich hin gammelt. Im Schlepptau stets sein treuer Hund (überzeugter Pfeifenraucher), mit dem er sich ab und an gar unterhält. Die Tatsache, dass sein Bezirk zu überfluten droht, schafft es Yuri wider Willen aus seiner Bude zu locken und mal wieder an die frische Luft zu bringen. Natürlich ist er in Folge dessen der Einzige weit und breit, der ein fehlendes Emblem am Stadtbrunnen als Ursache des nassen Übels ausmachen kann. Bis zum ersten Aufeinandertreffen mit dem Siegeldieb in dessen Villa wirkt Tales of Vesperia wie ein Zeichentrick-Adventure, das fast wie von alleine abläuft. Optikstil und Handlung sind zwar interessant genug, um mich auch dank einer hervorragenden englischen Synchronisierung so weit bei der Stange zu halten, meine Hände am Controller fühlen sich abgesehen vom ständigen "A"-Drücken, um die Dialoge fortzutreiben, anfangs aber doch recht unausgelastet.
Tales of Vesperia

Rundum rundenfrei

Dies ändert sich spätestens nach meinem story-bedingten Gefängnisaufenthalt im Anschluss an den kurzen Ausflug ins Reichenviertel. Einzelne Wachmänner und kleine Soldatengrüppchen (die stets sichtbar eingeblendet werden und nicht etwa zufallsbasiert aus heiterem Himmel auftauchen) bedürfen etwas Haue, wobei das Spiel jeweils in eine Japan-RPG-typische Kampfarena abseits der normalen Spielwelt wechselt. Hier wird - so ist es neuerdings offenbar Mode im Genre - in Echtzeit gekämpft, während Menüs und sonstige Aufmachung nach wie vor klassisch anmuten. Hat man sich erst mal daran gewöhnt, dass man auch beim Blocken stets Schaden einsteckt und es eher Ziel ist, gegnerische Schläge zu lindern als sie komplett zu vermeiden, machen die Geplänkel sogar ganz schön Laune. Möglichst lange Kombos sind dabei essenziell, die 360°-Umgebung bietet taktisches Stellungsspiel in Echtzeit und mit jedem zusätzlichen Charakter in der Partie (als erstes stößt eine sehr effektive Heilerin hinzu) gewinnen die Kämpfe strategisch an Tiefe. Mikromanagement müsst ihr dabei nicht befürchten, eure Kumpanen werden getreu eurer Grundvorgaben K.I.-gesteuert und stellen sich dabei sogar ziemlich geschickt an. Auch die Menüs sind so zugänglich simpel gestaltet, dass man sich voll und ganz auf die wesentlichen Echtzeit-Fights konzentrieren kann. Derer bin ich mir nach einer kürzen Eingewöhnungsphase übrigens so sicher geworden, dass inzwischen selbst drei oder mehr Gegner auf einmal kein großes Problem mehr darstellen und auch der erste kleine Bossbattle locker von der Hand geht. So darf es ruhig weitergehen, denn gerade die ständigen Standardkämpfe zum Aufleveln arten auf diese Weise im flüssig vonstatten gehenden Echtzeitsystem nicht in zähes Abarbeiten aus, wie es gerade zu Rundenzeiten noch bei mittelprächtigen Genrevertretern wie Enchanted Arms der Fall war.
Tales of Vesperia

Schöne Geschichte

Kommentare

Aylon5
  

Hast ja recht, da gibts dem Spiel auch nichts vorzuwerfen. Durch die Flut an Openworld und Sandboxspielen werden wahrscheinlich unterbewusst falsche Anforderungen erzeugt. Bin im grunde ja auch froh das es zur Abwechslung mal wieder linear und schnell voran geht.
Nach GTA4, Saints Row, inFamous, Prototype etc.. kann ichs eigentlich auch garnicht mehr sehen.
Mafia 2 k?nnte mich aber bestimmt wieder f?r das Genre begeistern.

Im moment erspiel ich mir doch einfach lieber ne nette (lineare) Geschichte mit TOV :)

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Daniel Pook
  

Gerade das finde ich ganz angehem. Auch wenn die zug?ngliche Welt gr??er wird, so ist man immer schnell von Ort zu Ort gereist und es geht einfach flott voran. :) Passt f?r mich hier irgendwie recht gut so zum Spiel.

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Aylon5
  

Ich bin jetzt bei 31 Stunden und es macht von Stunde zu Stunde mehr Spa?..gerade jetzt wo man die riesige Welt mit seinem Flugtier frei erkunden kann..das einzige was mich irgendwie st?rt ist das die sehr sch?nen St?dte leider immer sehr klein sind und es in ihnen sehr wenig zu erkunden gibt

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z101
  

Eines der besten JRPG der letzten Jahre (Star Ocean, Infinite Undiscovery und wie sie alle heissen sind Mist). und einer der wenigen Gr?nde gewesen die Xbox mal anzuschmeissen, nur mancher Bug st?rt den Spielspass.

Ich bin sehr gespannt auf das n?chste "richtige" gro?e Tales-Of Spiel (nicht nur ein Ableger wie Vesperia oder Dawn of the New World): Tales of Graces.

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mick78
  

also ?ber yuri?s trockene kommentare zu estelle und karol musste ich schon einige male schmunzeln "ah nevermind" ... :)

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Saibot
  

bin kein fan von solchen spielen und hab mir noch nicht mal die demo geholt....
....aber so ein test kann doch immer ?berzeugen ;)

bin mal gespannt :)

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Daniel Pook
  

@Pairikas
Sehe das auch so, ist wirklich ein Klasse RPG. Ist letztendlich f?r mich einfach vom Gef?hl her 'ne gute 8/10 geworden aber ich k?nnte auch jeden verstehen, der eher zur 9 tendiert. Letztendlich ist es aber wirklich egal, denn ein tolles, sehr empfehlenswertes Game ist es auf alle F?lle. :)

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mick78
  

hab auch extra auf TOV gewartet nachdem ich von IU eher entt?uscht war und SO4 auch in den Tests nur eher mittelm??ig abgeschlossen hat, bin zwar noch ganz am anfang aber es macht viel spass und ich bin ?hnlich begeistert wie von Eternal Sonata, schade dass das Game wohl irgendwie bis jetzt noch nicht den gro?en
Erfolg bekommt den es verdient

gr??e mick

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Chief89
  

englishe sprache ausgabe finde ich e am besten die deutsche ist ja sonst immer schlecht ausser in gears of war finde ich ist sie am besten

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Pairikas
  

Ich hab jetzt mittlerweile so 10 Stunden bei ToV auf dem Buckel und ich war von anfang an gefesselt. Es bietet die gewohnte Qualit?t an Story, Erz?hlung und Kampfsystem wie man sie von den anderen grossen Tales of kennt. Ich pers?nlich bin mir noch nicht schl?sslig ob ich auch eine 8/10 oder eine 9/10 geben w?rde, aber das ist pipifax. F?r mich das bisher klar beste JRPG auf der 360.
Und Fans der Tales of Reihe (wie ich) werden hier garantiert nicht entt?uscht.

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