Let’s Tap

Wie, ihr könnt einfach nicht genug von partytauglichen Minispielsammlungen bekommen? Sega erhört euer Flehen nach mehr und liefert mit Let’s Tap ein fast originelles Bedienkonzept, arcadiges Gameplay und durchgestylte Techno-Optik. Lohnt es sich dafür den Freundeskreis zusammenzutrommeln?


Habt ihr schon mal ein Spiel gezockt bei dem der Controller langsam auseinander fällt? Nein? Na dann herzlich willkommen bei Let's Tap, dass euch mit diesem Umstand tatsächlich die, auf der Verpackung versprochene, neue Party-Erfahrung bietet. Aber eins nach dem anderen.

Controller zum selber basteln


Worum geht's also? In Let's Tap habt ihr die Wahl zwischen fünf, aber praktisch nur vier grundverschiedenen, recht simplen und damit einfach erlernten Spielen, klassischer Bauart. Die ideale Vorraussetzung für einen ausgelassen Abend mit drei videospielunerfahrenen, aber natürlich Wii-vernarrten Frau ... äh Freunden. Denn auch die Steuerung hat selbst der größte Bewegungslegasteniker in zwei Minuten begriffen. Es dreht sich alles ums Trommeln, Tippeln, Hämmern, Klopfen, wie auch immer ihr es nennen wollt. Dazu legt ihr die Wiimote einfach mit der Button-Seite nach unten auf eine geeignete Pappschachtel (von denen in der Special-Edition schon zwei mitgeliefert werden), wie etwa einen Schuhkarton. Wenn ihr jetzt auf den Karton schlagt, erkennt das Spiel die Erschütterung der Wiimote in drei unterschiedlichen Stärkegraden. Die Empfindlichkeit dafür könnt ihr im Optionsmenü verändern. Das funktioniert tatsächlich. Nur nicht immer und auch nicht immer nachvollziehbar. Hin und wieder gibt es Aussetzer und wo in dem einen Spiel schon ein dezente Krafterhöhung einen starken Einschlag zur Folge hat, ist im nächsten schon ein deutliches Aufschlagen nötig, sodass ihr öfter umkonfigurieren müsst. Das ist leider keine ideale Vorraussetzung für ein spannendes und vor allem faires Multiplayer-Erlebnis und sorgt stattdessen eher für Frust. Der verbrauchten "Mein Controller ist kaputt!"-Ausrede gibt Let's Tap dabei sogar im wörtlichen Sinne seine Berechtigung. Gerade in den schnelleren Minigames (und das sind fast alle) wird die Fernbedienung, durch das ewige Rumklopfen, mit der Zeit auf der Schachtel verrutschen, bis sie wieder richtig hingelegt wird - wofür man nun gar keine Zeit hat - oder sich eben in Schwerkraftrichtung verabschiedet.
Let?s Tap

Die fünf lustigen vier

Auf diese Weise steuert ihr das komplette Spiel und sogar die Menüführung. Für letztere könnt ihr die Wiimote aber auch in die Hand nehmen und mit dem Pointer eure Auswahl treffen. Eine nervenschonende Alternative, die ich euch dringend ans Herz legen möchte. Wie erwähnt steht euch die ziemlich spärliche Anzahl von fünf Spielen zur Verfügung. Ein Witz im Vergleich zu den Vorzeige-Party-Titel, wie Rayman Raving Rabbids oder Wario Ware Smooth Moves. Doch die Modi sind dafür abwechslungsreich und motivierend. In Tap Runner schickt ihr ein kleines Männchen über einen von links nach rechts scrollenden Hindernisparcour. Mit jeder weiteren Strecke kommen neue, originelle Fallen hinzu. Habt ihr allerdings erst mal alle Kurse gesehen, ist bald die Luft raus. Rythm Tap ist, wie der Name beinahe vermuten lässt, ein Rhythmus-Spiel im Stil von Donkey Konga bzw. dessen Vorbildern. Die musikalische Kür profitiert von den irrwitzigen Japano-Electro-Pop-Liedern, die mir persönlich sehr gefallen haben, aber sicherlich nicht mit jedem Geschmack kompatibel sind. Im Gegenzug leidet das Spiel am meisten unter dem Reisedrang der Wiimote und gehört aufgrund des hohen Tempos zu den schwersten Titeln der Sammlung. Dritter im Bunde ist das Türmchen-Abbau-Spiel Silent Blocks, in dem es darum geht die einzelnen Steine eines Turms herauszuklopfen, ohne diesen zum Einsturz zu bringen. Das wenig präzise Spielgefühl lässt im normalen Modus leider kaum Freude aufkommen und kann den altbewährten Jenga-Turm, der vermutlich noch bei jedem zu hause rumsteht, nicht ersetzen. Dafür verursacht die Variation Alchemist, bei der es darum geht die Steine so zu entfernen, dass mindestens drei gleich farbige Klötzchen übereinanderliegen, welche sich dann auflösen, durchaus ein beachtliches Suchtgefühl, wie in einem guten Puzzelspiel. In Bubble Voyager, einer Art Shoot'em up, steuert ihr den sogenannten Sphäriker horizontal durch den Raum, weicht Bomben, Asteroiden, Gegnern usw. aus, sammelt Items ein und holt Feinde vom Himmel. Ballern steht hier weniger im Vordergrund, als geschicktes Navigieren. Das Spiel ist gelungen und reizt durch die Endlosstruktur zur Jagd nach immer höheren Highscores, wird dadurch aber auch bald sehr anstrengend, da ihr durchweg Trommeln müsst, um den Sphäriker in der Luft zu halten. Im Multiplayer treten hier vier Spieler in einer abgeschlossenen Arena gegeneinander an. Wer am Ende übrig bleibt, gewinnt.
Let?s Tap
Wie schon bei den Minispielen, setzt Let's Tap auch optisch auf Minimalismus. Das muss man allerdings nicht schlecht finden, denn der Titel präsentiert sich in einem coolen, leicht nostalgischen Cyberspace-Look, der stark an Tron und vor allem an das Kultspiel Rez erinnert. Unterschiedliche Szenerien, wie die Tintenzeichnungen und der Teich bringen zudem etwas stilistische Abwechslung, wenngleich innerhalb der einzelnen Spiele das Setting kaum variiert. Insgesamt gibt es nichts zum staunen, aber die visuelle Aufmachung hebt sich wohltuend vom kindgerechten, kakelbunten Party-Game-Einheitsbrei ab. Musikalisch bekommt ihr, wie schon erwähnt, mal mitreißende, mal sphärische Elektro-Beats und Ambientstücke geboten, die perfekt zur Optik passen, womit das Spiel immerhin den Sinnen schmeichelt.

That’s Crap

Kommentare

  

weil das bestimmt nicht innovativ genug w?re...

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jiro
  

Verstehe den Sinn nicht ganz. Im Prinzip besteht der Controller doch aus einem einzigen Knopf. Wieso kann man daf?r nicht einfach die Wiimote benutzen?

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Dr4g0nfir3
  

"Ich kann auch mit den H?nden rhythmisch auf der Tischkante rumklopfen, ohne Geld f?r diesen Humbug auszugeben, casualiger gehts es ja kaum noch..."
w?r das Spiel von Nintendo, w?re der Schuhkarton f?r das Spiel im edlen wei? und w?rde 30 Euro extra kosten ;)

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Lt. Kroker
  

sega..., where have you gone?

Was bedeutet

+ Trommelsteuerung funktioniert.... - ... h?ufig nicht richtig. ?

Wenn es "h?ufig" nicht richtig funktioniert, hats doch nicht ansatzweise was positives?!

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CThruHerEyez
  

Oh Gott, was f?r ein Schrott!!!

Und wenn ich so ?Nintendo-Familien? sehe, bin ich immer froh, Scheidungskind zu sein... :D

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Ich kann auch mit den H?nden rhythmisch auf der Tischkante rumklopfen, ohne Geld f?r diesen Humbug auszugeben, casualiger gehts es ja kaum noch...

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dr.gun
  

"Schwerkraftrichtung", die kenn ich. Meistens unten. :D
Neenee, "That's Crap" trifft es schon ganz gut!

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