Tiger Woods PGA Tour 10

Eldrick Woods ist quasi mit einem Golfschläger in der Hand auf die Welt gekommen und zählt bereits jetzt, mit gerade einmal 33, zu den erfolgreichsten Spielern aller Zeiten. Dafür, dass er ein paar Bälle über einen Platz donnert, verdient der Bursche nicht nur rund 100 Millionen US-Dollar pro Jahr, sondern darf auch die Cover seiner eigenen Golfspiel-Reihe von EA Sports zieren. Wie schlägt sich der Tiger in der neuen virtuellen Saison?

Ich werde gar nicht erst versuchen, so zu tun, als hätte ich einen der Vorgänger von PGA 10 gespielt. Erstens stehe ich dazu und zweitens kann es angesichts der Historie des Franchises sicher nicht schaden, wenn jemand mit einem frischen, unvoreingenommenen Blick ans Tee schreitet. Schließlich neigt der Konsument von EA-Sportspielen sonst oft dazu, sich nur die wenigen neuen Rosinen aus einem ansonsten sattsam bekannten Kuchen heraus zu picken. Es ist allerdings nicht so, dass ich der totale Golf-Anfänger wäre, meine Erfahrung beschränkt sich jedoch auf die "Everybodys Golf"-Reihe von Camelot und Clap Hanz, die trotz ihrer Knuddelgrafik einen nicht zu unterschätzenden Tiefgang besitzt. Nachdem das also geklärt ist, werfen wir mal einen Blick auf das vorliegende Produkt.

Wichtig ist auf dem Platz

Eigentlich wollte ich sofort mit dem Karriere-Modus loslegen, aber angesichts meines Trainingsrückstandes zog ich es dann doch vor, zunächst ein paar Übungsbälle zu schlagen. Neben einer Vielzahl von traditionsreichen Golfplätzen sind diesmal auch die US Open mit dabei, vielleicht das legendärste alle Turniere, das seit 1895 veranstaltet wird und von Tiger Woods bereits dreimal gewonnen werden konnte. Für meine Trainingsrunde stand es aber noch nicht zur Verfügung. Der Übungsmodus erlaubt es, in Ruhe jedes Loch anzugehen und dessen Feinheiten auszuloten. Jeder Schlag darf so oft wie gewünscht wiederholt werden, der Ball lässt sich sogar frei auf dem Court plazieren. Die ersten Schläge, die ich mit der analogen Schwungsteuerung verteilte, fanden noch nicht wie gewünscht ihren Weg. Leicht verzieht man den Schlag zu weit nach links oder rechts; das Gefühl, die Ausholbewegung und Schlagkraft mit dem Stick wirklich nachzuempfinden, stellte sich anfangs nicht ein. Ich bin zwar bei dieser Steuerungsart geblieben und nachher immer besser damit klargekommen, wer möchte, kann aber auch auf die traditionelle 3-Klick-Variante zurückgreifen. Je nach Position auf dem Platz ist meist ein gut geeigneter Schläger vorausgewählt. Aber nicht zwangsläufig auch der Beste. Denn jetzt kommt das in Spiel, was für mich den großen Reiz beim Golf ausmacht: das Abwägen der Begebenheiten, der eigenen Fähigkeiten und die Wahl der optimalen Schlagvariante. Spiele ich den Ball per Punch oder Pitch? Riskiere ich den Putt oder spiele ich am Grün noch einen Chip? Und wie passe ich meinen Schwung am besten an die Distanz an? All dies muss für ein gutes Handicap berücksichtigt werden. Lobenswert: Mit dem Club Tuner konfiguriert ihr eure Schläger gemäß den eigenen Vorlieben. So lässt sich beispielsweise beeinflussen, wie stark die Bälle nach dem Aufprall hüpfen oder wie viel Drall sie in der Luft bekommen. Einzig der Putter bleibt unangetastet.
Tiger Woods PGA Tour 10

Grün ist die Hoffnung

Leider ist es genau das Putten, was mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Mit einem Birdie in Aussicht ist es mir oft passiert, dass daraus am Grün nur noch ein Par oder Bogey wurde. Tiger Woods PGA 10 besitzt zwar eine neuartige "Precision Putting"-Kontrolle, aber genau diese Präzision ist es, die ich häufig vermisse. Dabei lässt sich das Grün eigentlich gut lesen; Höhenlinien und Geschwindigkeitsangaben vermitteln einen anschaulichen Eindruck von der Beschaffenheit der Zielzone. Es lässt sich sogar eine imaginäre Linie aufrufen, die aufzeigt, wie der Ball mit den gewählten Parametern rollen wird. Ich habe allerdings den Eindruck, dass man sich auf dieses Tool nicht verlassen kann, ebenso wie die Schwunganzeige beim Putten oft zu ungenau ist, da sich der Schlag nicht vernünftig dosieren lässt. Der Balken, der die optimale Kraft anzeigen soll, irrt ein ums andere Mal.
Tiger Woods PGA Tour 10

Tiger-Jagd

Bis man das Niveau des Mannes erreicht, der sich auf dem Cover in gewohnter Jubelpose präsentiert, wird es lange dauern. Sehr lange. Aber irgendwann muss ja mal der Anfang gemacht werden, weshalb ich dann doch schnell in den Karriere-Modus wechselte. Denn nur hier spielt man unter echten Wettkampfbedingungen und lernt wirklich etwas dazu. Zu Beginn muss man sich aber erst ein Alter Ego erstellen. Per Life Vision Cam oder Digitalkamera lässt sich ein Abbild des eigenen Konterfeis anfertigen und ins Spiel laden; ich entscheid mich aber für einen fiktiven Athleten, dessen Gesichtsform, Proportionen und Stimme ich anpasste. Bevor es aber richtig losgeht, möchte Hank Haney, ehemaliger Trainer von Tiger Woods, noch überprüfen, was ich für Grundfähigkeiten mitbringe. Zum Glück war ich voher noch auf dem Übungsplatz, denn sonst wäre das Resultat vermutlich noch vernichtender ausgefallen. Doch Haney ist mit meinen Ergebnissen in Kraft, Präzision, Short Play und Putting trotzdem einigermaßen zufrieden und entlässt mich auf den Tour-Kalender. Die vier Attribute werden durch das "Dynamic Attributes"-System auch in Zukunft eine große Rolle spielen. Mit jeder gespielten Runde entwickeln sich die Fertigkeiten entsprechend der gezeigten Leistung. Nach jedem Turnier bietet Hank Haney zudem ein Sondertraining an, das die Attribute nochmals auflevelt. Vom "Double Bogey"-Kandidaten wird man somit recht schnell zum versierten Golfer, da auch die einzelnen Holes bald zu guten Bekannten werden und man am besten schließlich immer noch aus Fehlern lernt.
Tiger Woods PGA Tour 10

Heute wechselhaft mit vereinzelten Schauern

Das klingt nicht nur wie die aktuelle Wettervorhersage für den Raum Berlin, sondern kann auch für die Welt von PGA 10 gelten. Durch das neue "Live Weather"-Feature ruft das Spiel aktuelle Wetterdaten von Weather.com auf und integriert diese ins Spiel. Originelle Idee, auch wenn ich noch nicht ausprobieren konnte, ob das auch für Tornados, Blizzards oder Sandstürme gilt (wohl kaum). Doch auch wenn ihr auf dieses Gimmick nicht zurückgreift, kann das Wetter sehr wechselhaft sein. Schien eben noch die Sonne, kann es am nächsten Loch bereits in Strömen regnen. Warum gibt es in dem Spiel eigentlich keinen Caddy, der mir einen Regenschirm reicht? Sonst habe ich an der Präsentation wenig auszusetzen. Die Kamera-Einstellungen und Kommentatoren vermitteln ein authentisches TV-Feeling, das Publikum feiert jeden versenkten Ball enthusiastisch oder blökt ein mitfühlendes "Ohhhh", wenn das Spielgerät mal wieder Zentimeter vor dem Loch liegen bleibt. Wenn ich einen Blick auf die direkten Vorgänger werfe, sieht es allerdings nicht so aus, als hätte sich bei der Grafik eine Menge getan. Solltet ihr wider Erwarten keinen Bock (mehr) auf die Karriere haben, findet ihr vielleicht an einem der anderen Spielmodi Gefallen. Neben zahlreichen Spielvarianten, darunter so launige wie "One Ball", sowie diversen Minispielen, lockt auch die neue Tournament Challenge. Hier werden bekannte Ereignisse aus der langen PGA-Geschichte nachgestellt. Vier verschiedene Szenarien pro Kurs warten auf ihre Bewältigung. Gelungene Schläge, Löcher oder ganze Runden können abgespeichert und via EA-Gamernet dem Rest der Welt zugänglich gemacht werden. Hier sucht ihr auch online nach Kontrahenten, um z.B. an den neuen Live Tournaments teilzunehmen, in denen es um dynamische Leaderboard-Platzierungen geht. Ansonsten hostet ihr eigene Partien und sucht euch gleichstarke Gegner für eine schnelle Runde.
Tiger Woods PGA Tour 10

Auch dieses Update schlägt sich gut

Kommentare

Eisenfaust
  

@Pater
Dem kann man sich nur anschlie?en. Das Plus an Motion kann man Nintendos Innovation jedenfalls nicht absprechen. Schlie?t fein die L?cke, die TW9 auf der Wii aufgezeigt hat. War halt im Endeffekt doch nur die "Simulation" von echter Kontrolle. Jetzt passts gut. ?brigends besonders fein bei Grand Slam Tennis...

Zitieren  • Melden
0
PaterSigmund
  

@paulfect:
Also die Wii Version ist echt gelungen, halt mit abstrichen bei der Grafik. Mit dem Wii Motion Plus Aufsatz kannste sch?ne Hooks und Slices machen, und das Putten macht echt laune (aber nur mit dem Precision Putting). Und was besonders sch?n ist, dass du wie beim echten Golf tierig auf die Ebene deines Schlages/Schwungs achten musst.
Mein Fazit: F?r den Hobby Golfer der auch im Winter spielen will, eine echte Kaufempfehlung.

Zitieren  • Melden
0
blub.me
  

Verglichen mit FIFA find ich ich die Neuerungen hier exorbitant ;) Da reicht schon das dynamische Wetter...

Zitieren  • Melden
0
Der Papa
  

"Eldrick Woods ist quasi mit einem Golfschl?ger in der Hand auf die Welt gekommen"
Die arme Mutter, das m?ssen Schmerzen gewesen sein :-D

Zitieren  • Melden
0
Tim Hopmann
  

Wenn m?glich, werde ich die Wii-Version bald noch nachholen.

Zitieren  • Melden
0
paulfect
  

Sch?ner Test, aber testet ihr auch noch die Wii-Version?

Zitieren  • Melden
0

Kommentar schreiben

B I U Link Zitat Bild Video
  

weitere Berichte

31.07.17 18:07 Uhr

PlayStation Now - Streaming-Service könnte zukünftig Teil von PS Plus werden

Einen Hinweis darauf könnten die gestiegenen Preise von PS Plus sein. 

31.07.17 18:07 Uhr

Limited Run Games - Publisher legt Switch-Support auf Eis, fühlt sich von Nintendo vernachlässigt

Nintendo hat "keine Zeit" für kleinere Studios, heißt es. 

31.07.17 17:07 Uhr

Dunkirk - Kriegsfilm ohne Krieg (Video-Special)

Kritiken und User-Bewertungen überschlagen sich beim neuen Nolan-Film, aber er ist mehr als »nur« ein weiterer Kriegsfilm. »Dunkirk« ist eine völlig neue Form...