Transformers 2: Revenge of the Fallen

Ja, das Kino-Sequel "Revenge of the Fallen" ist viel zu albern und die Story könnte tatsächlich von einem Kind stammen, das freestyle mit seinen Spielzeugrobotern seinen Sandkasten umgegraben hat. Aber der Film rockt trotzdem, denn er hat 'ne Überdosis Materialschlachten zu bieten, an der sich selbst Explosionsfetischisten verschlucken könnten. Und Megan Fox. Dass dieses Konzept ohne Megan nur noch halb so viel wert ist, beweist das offizielle Lizenzspiel zum Blockbuster.


Far away from Michael Bay

Erinnert ihr euch noch an die vielen Szenen des Films, in denen die Autobots/Decepticons sich um 'nen runden Holotisch versammelt und über die jüngsten Ereignisse geplaudert haben? Wenn ja, muss irgendetwas mit eurem Torrent-Rip nicht in Ordnung gewesen sein. Kurzum: Viel gequatscht wird in Michael Bays Actionstreifen nicht. Und so wundert es etwas, dass die ohnehin nur rudimentär vorhandene Handlung von Revenge of the Fallen im Lizenzspiel fast komplett in starren Missionsbriefings abgefertigt wird. Auch im aktiven Geschehen selber hält sich ein wahrer roter Faden weitesgehend aus euren Schaltkreisen raus. In den beiden Kampagnen spielt ihr in grundlegend fester Reihenfolge insgesamt 23 Missionen voller Dauerballerei, die außer ihren Locations nur sehr wenig inhaltlichen Bezug zur Leinwandvorlage herstellen können. Hauptaufgabe ist es stets, alle in Wellen stupide auf euch zu rasenden Feinde abzuwracken. Dabei scheint die Kanonenfutter-"K.I." ihr Verhalten nach dem Zufallsprinzip zu entscheiden... ohne auch nur einmal etwas Glück dabei zu haben und tatsächlich mal sinnvoll zu agieren. Damit einen aber nicht allzu aufdringlich das Gefühl beschleicht, man kämpfe gegen auf HTML-Basis programmierte Roboter-Versuche eines angehenden Informatikschülers, halten eure Standardfeinde gleich so wenig aus, dass sie letztendlich mehr Explosionsbrennwert als Lebenszeit vorzuweisen haben. So gut wie jeder Auftrag hat zudem einen komplett aus dem Filmkontext gerissenen Bosskampf zu bieten, der euch nacheinander mit den Stars der jeweiligen Gegenfraktion konfrontiert. Das ist dann einfach nur nervig, weil genau so stupide wie die normalen Fights, bloß viel mehr in die Länge gezogen. Die ständigen Rückzugsaktionen der kleineren und die Zähigkeit der größeren Endgegner sorgen letztendlich nur dafür, dass ihr eurem eigentlich größten Opponenten im Spiel viel zu oft unterlegen seid: Der Zeit. Je nach Schnelligkeit beim Abschließen eines Levels gibt's Auszeichnungen sowie Erfahrungspunkte, was im arcadigen Gesamtkonzept eigentlich 'ne motivierende Sache wäre. Wenn die zuweilen zickige Steuerung eurer Transformers und andere Nickeligkeiten euch nicht ständig das Gefühl geben würden, dass es für Platin und Gold oft mehr auf Glück denn auf Skill ankommt. Als Randaktivität dürft ihr ab und zu auch mal eine kaum erkennbare Menschenfigur aus dem Film durch die Gegend tragen oder Satellitenschüsseln reparieren/sabotieren. Was aber beides kaum erwähnenswert ist, denn auch dabei regiert der Grundsatz: Alle Feindeswellen abballern! Das ändert sich auch beim Wechsel der Kampagnenfraktion nicht. Im Grunde spielt man auf Seiten der Decepticons die gleichen Stages wie bei den Autobots. Nur eben oberflächlich in einen böseren Look transformiert. Was praktisch der Wiederholung eines sich wiederholenden Spielprinzips gleich kommt.
Transformers 2: Revenge of the Fallen

Topmodels in Tristesse

Wenn man das Lizenzspiel zu Revenge of the Fallen in einem Punkt ausdrücklich loben muss, dann ist das die höchst detailgetreue Umsetzung seiner Hauptdarsteller. Keiner der Transformers lässt den Detailgrad seines jeweiligen Filmpendants vermissen und selbst die komplizierteren Verwandlungsanimationen schauen klasse aus. Jeder der Roboter hat seine eigenen Primär-/Sekundärwaffen und eine Spezialfähigkeit (Heilung, Lähmung,...) sowie eine individuelle Transformationsform. Letztere stellt allerdings die größte Enttäuschung des ganzen Spiels dar, auch abgesehen von den simplen Fahrzeugmodellen, die in der virtuellen Welt irgendwie immer wie unterproportionierte Fremdkörper wirken. Möchte man nämlich als Jet, Auto oder Heli die Schrauben rotieren lassen, muss man dabei den rechten Trigger (den man im Schussmodus per linkem Trigger zum Feuern benutzt, was im Transformationsmodus durch einen Button geregelt wird und... das Kontrollschema ist komplexer als man es erwartet) gedrückt halten, ist sofort im Fahrmodus und kann nicht mehr anhalten. Etwas Abbremsen, Wenden, Boost einsetzen,... alles kein Thema. Nur zum Full-Stop kommt es nie und ganz allgemein entwickelt man nie ein echtes Gefühl für die Vehikel. Ständig fährt/fliegt man unaufhörlich irgendwo gegen und muss sich deswegen zurückverwandeln oder verpasst das Zeitlimit zur besseren Medaille. Gerade die Flugmodi haben mich steuerungstechnisch und vom physikalischen Verhalten her stark an ein gewisses "Independence Day"-Game erinnert, das nicht nur ich in jungen Jahren (verlockt durch die Filmlizenz) gespielt habe. Damit gemein hat Revenge of the Fallen auch die statischen Levelbegrenzungen durch Energiebarrieren und die höchst tristen Kulissen, die mit viel zu glatten Hauswänden, schwachen Texturen sowie einer langweilig beliebigen Gestaltung nicht im Entferntesten an ihre realen bzw. filmischen Vorbilder erinnern. Bezüglich dessen muss man auch negativ anmerken, dass außer ein paar herumfahrenden Autos, kleineren Objekten und verdächtig oft an den Straßenecken geparkten Tanklastern nicht wirklich etwas zu Bruch geht, egal wie heftig man mit seinen Stahlarmen draufschlägt. Wir haben es immer wieder ausprobiert, manchmal mehrere Minuten lang an ein und der gleichen Hausecke. Nur für euch und trotzdem hat sich nichts getan. Sehr traurig. Wer also wahre Häuservernichtung im Format von "Transformers 2: Revenge of the Fallen" (dem Film) sehen möchte, greife doch lieber zu Red Faction: Guerrilla. Da gibt's zwar keine Pyramiden, dafür aber wenigstens Mechs mit Waffen und Flugfähigkeit.
Transformers 2: Revenge of the Fallen

Einer wird fallen... aber nicht alleine!

Wenn die beste Taktik der K.I. nicht mehr als der Versuch ist, auf Dächer zu klettern und sich so einen - gegen zielgesteuerte Raketen irrelevanten - Höhenvorteil zu verschaffen, ist es für menschliche Spieler natürlich leicht, dagegen zu glänzen. Und so spielt sich der Onlinepart von Transformers 2: Revenge of the Fallen auch tatsächlich deutlich spaßiger als die schnell langweilig werdende Solo-Kampagne. Sich mitten im Gefecht in einen Düsenjet, Helikopter, Riesentruck oder Sportwagen zu verwandeln ist einfach zu erfrischend anders als dass es nicht wenigstens für ein paar Stunden extra unterhalten könnte. Nette Idee: In einem der Modi gilt es jeweils Megatron/Optimus Prime zu beschützen/zerstören und die verschiedenen Transformers stellen von Natur aus unterschiedliche Klassen vom Sniper bis zum Raketenschützen dar. Sehr ausgewogen und taktisch ist das Durcheinander selbstverständlich trotzdem nicht und die erwähnten Steuerungs-Schnitzer sowie nicht besonders aktuelle Umgebungsgrafik sind auch hier sehr präsent. Doch wenn man sich das Spiel ohnehin schon entgegen unserer Empfehlung zum Vollpreis gekauft hat, sollte man die momentan noch etwas mehr gefüllteren Server besser schnell ausnutzen, bevor die Transformers-Welle endgültig am Ufer gebrochen ist und nicht mehr als den blanken, tristen Sand zurückgelassen hat.
Transformers 2: Revenge of the Fallen

The Fallen fail again

Highlights zum Freispielen: Folgen der Animationsserie

Die freispielbaren Goodies in Transformers 2: Revenge of the Fallen entpuppen sich schon früh überraschend als wahres Highlight des Spiels. Speziell deswegen, da man hier mehrere Folgen der klassischen Fernsehserie freischalten kann. Mitunter handelt es sich dabei auch um legendäre Ausgaben wie jene mit den Dinobots. Alle Episoden (wir sind uns leider selber nicht sicher, wie viele genau es sind) erklingen in englischer Sprachausgabe und erstrahlen in relativ guter SD-Qualität, die man auch auf großen HD-Fernsehern ohne besondere Abstriche genießen kann. Da es bei YouTube aber auch so alle Folgen der Serie umsonst anzuschauen gibt und Fans sich wohl eh längst die DVD-Boxen besorgt haben dürften, sind die netten Extras irgendwie trotzdem kein wahrer Zusatz-Kaufgrund für das sehr durchschnittliche Videospiel hier. Nice to have eben.
Transformers 2: Revenge of the Fallen

Kommentare

Stalkingwolf
  

Passendes Spiel zum Film.
Ich war am WE im Film und war drauf und dran mitten drin das Kino zu verlassen.
Also der erste Teil war noch ok, aber Teil 2 war grausam schlecht. Zwar viel Action, aber die war total deplatziert und absolut zusammenhangslos.

Einzig John Turturro (Agent Simmons) war (mal wieder) sehenswert.

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Daniel Pook
  

@Johnson
Daf?r muss man einfach daran denken, wie Sommer-Blockbuster bei den Majors entstehen. Die wollen gar kein "Qualit?tskino" abliefern, sondern Filme machen die von wirklich jedem verstanden werden k?nnen und ein m?glichst breites Publikum ansprechen. Klar: Je h?her man pers?nlich die Anspr?che an Filme ansetzt, um so weniger werden einem diese Massenprodukte gefallen. Aber daf?r kann auch der letzte 5-J?hrige den Film gucken und verstehen. ;) Musik, Effekte, Popularit?t der Schauspieler und vor allem aufwendige PR-Kampagnen haben bei dieser Art von Produktion bewusst Priorit?t. So ist das Konzept und das wird ganz bewusst so gemacht. Man gibt sich nicht mit "wenig" zufrieden. Man geht sicher, dass man die Massen nicht verschreckt. Dass man auch mit etwas "mehr" viel erreichen kann, hat The Dark Knight gezeigt. Aber das war eher 'ne Ausnahme, deren Konzept sich auf keinen Fall generell mehrmals wiederholen l?sst. Filme wie Watchmen haben z.B. gezeigt, wie man mit zu viel Anspruch und Schiss auf Dinge wie Alterseinstufung den Erfolgserwartungen an einen "Effektfilm" hinterherhinken kann.

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Johnson
  

Aber irgendwie st?rts mich schon manchmal - diese offensichtliche Diskrepanz im Talent und Qualit?t: W?hrend z.b. Komponisten und Digital Artists regelm??ig wahre Meisterwerke abliefern, wird deren Arbeit kaum gew?rdigt, w?hrend die Autoren den gr?bsten Unfug zusammentippen k?nnen, und daf?r nicht kritisiert sondern entschuldigt werden, ? la "Ist eben ein Action-Knaller/Sommer-Blockbuster etc.) - Warum gibt man sich mit so wenig zufrieden? Zumal ich mal ganz frech behaupten m?chte, dass Visuelle Effekte und Soundtracks mehr Arbeit machen, als ein mittelm??iges Drehbuch an den Haaren herbeizuziehen. /rant

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cpt.gonzo
  

Jap...werd es mir auch h?chstens ausleihen oder wie den ersten Teil f?r nen 10er holen....waren easy 1000GS ;)

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samurai
  

@staatsfeind1234: Das was du sagst bezieht sich aber nur auf das Jahr 2009, es gibt Filme mit weitaus mehr "Fehlern" wie Matrix oder Spider-Man.

Ich halte es aber auch f?r Erbenz?hlerei, solange es keine Dinge sind, die dem Bildfluss schaden, ist mir eigentlich ziemlich egal. Ich fande den Film Transformers 2 sehr unterhaltsam, viel Action, viel fliegt in die Luft und dazu gibts noch gleich zwei h?bsche Ladies im Film zu sehen. Wer mehr erwartet ist hier eindeutig falsch. Wer mal The Rock, Bad Boys II oder Transformers I gesehen hat, sollte doch ganz klar wissen auf was Michael Bay Filme abzielen, oder? Viel Kawumm und ein paar gute Lacher :)

Schade dass aus dem Spiel wieder nichts geworden ist. Mal sehen, vielleicht krall ichs mir mal als Budget f?r 20? oder so ;)

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CallMeCayhan
  

DS kaufe ich mir nur f?r Pokemon

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Daniel Pook
  

Ich bin allgemein f?r viel Continuity in Filmen, aber es ist kein Muss. Es gibt z.B. verdammt ber?hmte, gute, preisgekr?nte Kameraleute die sagen, dass sie das Licht bei jedem Shot anders setzen und nie versuchen reales Licht nachzumachen oder an die Lichtverh?ltnisse der Szene davor anzukn?pfen. Ihr Ansatz ist, dass die Bilder eine Geschichte miterz?hlen sollen und das Licht in jedem Shot aufs neue erz?hlerischen Charakter haben soll. Und sie haben Recht. Es gibt unterschiedliche Ans?tze und ich finde je nach Film jeden mal sinnvoller und mal weniger sinnvoll, aber so was ist nie ein Fehler. Es ist ein k?nstlerischer Ansatz. Genau so ist es beim Schneiden. So Sachen wie Markierungen im Bild etc. ist vielleicht noch am ehesten als "Fehler" zu bezeichnen, aber gerade bei komplexeren Shots ist es meist doch eher notwendiges, von den Fimemachern hingenommenes ?bel. Was z?hlt ist das Gesamtbild und die erz?hlerische Wirkung. Nicht so Kleinkram f?r Erbsenz?hler. Blo? darf der Film halt nicht so schlecht sein, dass die Leute anfangen sich ?ber so was Gedanken zu machen. :D

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Johnson
  

Manche Szenenw aren aber wirklich merkw?rdig geschnitten, z.b. wo Sam von Megatron in dieser Fabrikhalle seziert werden soll. Da springen die Schauspieler teilweise ?ber Stockwerke hin und her! Vielleicht ist die dt. Version auch komisch geschnitten da.

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Johnson
  

Nur 48 Filmfehler? Son Quark, echte Nerds finden in aktuellen Hollywoodfilmen doch wohl mehr!

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Daniel Pook
  

Also zu diesen angeblichen "Fehlern" muss man einfach sagen, dass da ein paar Neunmalkluge mitz?hlen. Beim Filmemachen ist man sich dessen bewusst, das so was immer wieder vorkommt und teils kann man es gar nicht verhindern. Es geht nur darum, dass der normale Zuschauer beim Gucken nicht gleich offensichtlich draufschaut. Wenn man Shots hat die gut sind aber einen "Fehler" enthalten (z.B. weil eine Bodenmarkierung extrem wichtig war um den Shot so zu drehen, sie aber halt im Bild zu sehen ist), dann nimmt man die und zieht sie jedem fehlerlosen Shot im Schneideraum vor. Was z?hlt ist, wie die Szene sp?ter r?berkommt und nicht ob irgendein Freak beim Bildabsuchen kleine Ungereimtheiten findet.

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