Wanted: Weapons of Fate

Kennt ihr auch diese Leute, die neben einem im Kino sitzen und bei jeder Aktion, die sich auch nur ansatzweise filmischer Freiheit bedient „unrealistisch!“ schreien? Diese Unterart des gemeinen Nörglers hat bei dem im letzten September in deutschen Kinos gelaufenen „Wanted“ vermutlich Höllenqualen erlitten. Denn realistisch war hier nur das Popcorn zwischen den eigenen Beinen. Ein klassischer „Mehr Spaß ohne Hirn“-Film also, der geradezu nach einer Videospiel-Umsetzung bettelte. Mit ein wenig Verzögerung erscheint diese nun in Form von „Weapons of Fate“.


Story? Nein danke!

Wenn sich ein Film derart an - von den Massenmedien oft als abschätziger Begriff verwendeter, aber im Grunde als natürliches Stilmittel für Action-Reißer funktionierender - "Videospiel-Ästhetik" orientiert, denkt man beim Betrachten fast automatisch, wie cool es jetzt wäre, einen Controller in der Hand zu haben. Erstaunlich allerdings, dass Weapons of Fate vom sonst üblichen Schema der parallelen Veröffentlichung von Film und Spiel abweicht und zu einem Zeitpunkt in den Läden steht, an dem selbst die DVD in den Videotheken schon wieder in die hinteren Regale gewandert ist. Sei's drum, die Story ist jedenfalls genau so hanebüchen wie im Zelluloid-Werk und betrachtet Logik, Charaktermotivation und erzählerische Finesse als unnötigen Ballast. Man wechselt zusammenhanglos von einem Schauplatz zum nächsten, Personen werden beiläufig eingeführt und ebenso beiläufig mit eurem Zutun wieder entsorgt. Die Geschichte beginnt jedenfalls nach den Ereignissen des Films und dreht sich um weitere Mythen und Intrigen aus der Welt der Bruderschaft der Killer. Ich habe trotz des dünnen Plots ehrlich gesagt schnell den Faden verloren, was aber eher was mit der Einfältigkeit der Story, als mit meiner Konzentrationsfähigkeit zu tun haben dürfte. Vielleicht liegt es auch daran, dass Weapons of Fate parallel noch die verhackstückelte Geschichte von Wesley Cross' Vater erzählt, der neben dem Sohnemann als zweite spielbare Figur fungiert.
Wanted: Weapons of Fate

Action? Aber gerne!

Weapons of Fate konzentiert sich dafür auf seine Kerndisziplin - die Action - und gibt dort auch keine schlechte Figur ab. Wie in zahllosen anderen Titeln der letzten Jahre kommt rechtzeitigem In-Deckung-gehen große Bedeutung zu. Wer sich dem freien Feld und dessen Kugelhagel aussetzt, ist schnell ein gekillter Killer. Daher huscht ihr zwischen Schutz bietenden Objekten hin und her und versucht, die Gegner ihrerseits in entblößten Situation zu erwischen. Was aufgrund der mäßigen künstlichen Intelligenz auch kein großes Problem ist. Nur selten versucht einer der namenlosen Schergen euch in die Flanke zu fallen, und selbst dann ist die Angelegenheit nach einem kurzen QTE-Nahkampf erledigt. Zu Spielbeginn lernt Wesley, sich die Flankenangriffe selber zunutze zu machen, indem er blind aus der Deckung feuert, die Gegner damit in Schach hält und von hinten attackiert. Was sich im Tutorial noch nach einem wichtigen Spielelement anhört, wird im Endeffekt ein einziges Mal wirklich benötigt. Denn danach habt ihr Zugriff auf die viel effektiveren Spezialfähigkeiten, wie die Kurvenkugeln, den natürlichen Feind jedes Ballistikers. Ist durch Kills mindestens ein Adrenalin-Punkt erlangt worden, könnt ihr die bleihaltigen Bogenlampen einsetzen, um sonst nicht zu treffende Widersacher zu überraschen. Mit dem Stick lässt sich aus der Deckung heraus die Flugbahn der Kugel justieren, sobald das Ziel grau unterlegt wird, findet sie garantiert ihren Weg dorthin. Für die doppelte Adrenalindosis steht euch später noch eine Bullettime-Funktion zur Verfügung, die sich allerdings nicht jederzeit, sondern nur beim Wechsel der Deckung aktivieren lässt. Was Wanted von den meisten anderen Spielen seiner Art unterscheidet, ist der sehr temporeiche, flüssige Ablauf. Auch aufgrund des nicht sonderlich hoch angesetzten Schwierigkeitsgrads rennt und rutscht man flüssig und stilvoll durch die Level. Das macht Spaß, ist was für's Auge und verzichtet auf längere Stellungskriege.
Wanted: Weapons of Fate

Gegen die Zeit

Die Szenarien in Weapons of Fate sind, zumindest was ihre Lokalitäten anbelangt, recht abwechslungsreich ausgefallen. Das Highlight ist sicherlich der Abschnitt ein einem Jumbo-Jet hoch über den Wolken, inklusive Druckabfall und einer Sequenz, in der sich die Maschine bereits im senkrechten Sinkflug befindet. Diese Szene wird euch allerdings, wie ein paar weitere auch, in der Manier eines Railshooters präsentiert. Die Helden handeln hier automatisch, ihr müsst lediglich die Gegner und deren Kugeln in Zeitlupe rechtzeitig aufs Korn nehmen. Während die handelnden Orte also durchaus noch punkten können, wirkt das eigentlich Leveldesign hingegen sehr uninspiriert. Ein eh schon spielerisch abwechslungsarmes Spiel wird eben nicht dadurch besser, dass man auch noch Architektur und Skripts nach Schema F abspult. Kaum eine Deckungsmöglichkeit, die man dort nicht erwartet hätte, jede Gegnerwelle lässt sich mit der Präzision der Braunschweiger Atomuhr vorhersagen. Natürlich steckt Weapons of Fate von vornherein in einem engen Gameplay-Korsett, dennoch ließe sich mit ein wenig mehr Muße und Feinschliff etwas mehr Originalität erzeugen. Im Gegenzug ist das Spiel aber auch nach etwa fünf bis sechs Stunden schon wieder vorbei. Ich bin zwar ein Verfechter der Maxime, dass man Spiele nicht künstlich aufblähen sollte, da dies neben Flatulenzen auch zur Folge hat, dass frühzeitig die Luft rausgeht, doch sechs Stunden sind sogar bei den Kurzarbeitern im Action-Genre klar unter dem Durchschnitt. Immerhin gibt es freischaltbare Charaktere und die üblichen Extras wie Artworks, mit deren Betrachtung man sich bestenfalls noch eine Viertelstunde länger beschäftigen kann. Doch z.B. ein Multiplayer-Modus, der noch für längere Motivation hätte sorgen können, fehlt komplett. Ich bin nicht der Meinung, dass jedes Spiel unbedingt Mehrspieler-Features benötigt, aber Wanted gehört eindeutig zu den Titeln, in denen es Sinn gemacht hätte.Was Grafik und Sound angeht, kann man Weapons of Fate hingegen nicht groß kritisieren. Das optische Erscheinungsbild pusht sicherlich keine Limits, ist aber im guten Sinne solide, auch wenn mir die Kamera-Perspektive einen Tick zu niedrig angesetzt ist. Audiophile erfreuen sich an der Original-Musik und der Vertonung durch einige der Darsteller aus dem Film. Angelina Jolie ist zwar nicht dabei, da sie zum Zeitpunkt der Aufnahmen vermutlich mit Adoptionen beschäftigt war, dafür leiht aber z.B. unser Dessauer Thomas Kretschmann seinem Digi-Abbild die Stimme.
Während Wanted im europäischen Umland bereits seit Anfang April zu haben ist, erscheint die verstümmelte deutsche Fassung des Killer-Spiels erst jetzt. In der ungeschnittenen Version geht es nicht gerade zimperlich zur Sache: Auf die virtuelle Linse spritzendes Blut gehört ebenso zur Tagesordnung wie effektvolle Kopfschüsse und das Wegrationalisieren menschlicher Halsschlagadern im Nahkampf. Auf all diese "Features" müssen heimische Zocker verzichten. Das Gameplay wird dadurch aber nicht beeinträchtigt.
Wanted: Weapons of Fate

Das spielerische Gegenstück zu einem Cheeseburger

Kommentare

Saibot
  

Guter Test.
4 Std. ist schon hart...richtig unrealistisch^^

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Mortician
  

hatte es mir ausgeliehen.hatte es in knapp 4 std durch...und ich muss sagen,es hat spass gemacht.genau das richtige f?r zwischendurch

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blub.me
  

Unrealistisch!!! ;)

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inSIDE
  

habe dsa spiel heute zum 5 mal durchgezockt im kopfschussmodus und dsa game macht echt verdammt laune. ok es ist verdammnochmal vieeel zu kurz. habe es auf dem schwersten schwierigkeitsgrad in knapp ? 2 std reine spielzeit durchgehbat, aber daf?r amcht es richtig laune dsa ding nochmal durhzuzocke

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Steffen261279
  

Sch?ner Test, verdiente Wertung! Fand es auch viel zu leicht und zu kurz.

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