WET

Hört man den Namen Bethesda, freut man sich sogleich auf episch veranlagte Rollenspiele mit komplett begehbaren Riesenwelten und der Freiheit, sich ruhig auch mal Hunderte von Stunden mit Erforschung, Charakterbildung sowie der Ausgestaltung des eigenen Heims auszutoben. Doch nicht erst seit der Verbrüderung mit id Software hat dieses wohlverdiente Klischee gnadenlos ausgedient. Schon vor Längerem überraschten die „Elder Scrolls“-Schöpfer mit der Übernahme von Artificial Mind and Movements WET, dem wir uns nun im Test widmen. Ob wir bzw. unsere Hände feucht vor Begeisterung geworden sind? Ach das sind sie auf AreaGames doch sowieso schon immer...


Rubi, Rubi, Rubi, Rubi – Aha, Ahahaaaaa...

Entschuldigt, falls unsere schriftliche Gesangseinlage hier etwas schräg geklungen hat, es sollte jedenfalls ungefähr wie der leicht anders geschriebene Smash-Hit der Kaiser Chiefs rüberkommen, den wir zumindest in Guitar Hero III ziemlich perfekt drauf haben. Leicht anders geschrieben, weil die heiße Hauptdarstellerin von WET den Namen Rubi Malone trägt, der an sich wie frisch aus dem Kopf eines "Police Academy"-Drehbuchautoren entsprungen klingt. Vom Aussehen her scheint sie dagegen eher aus den rolligen Hirnwindungen eines typischen "Dead or Alive"-Frauendesigners zu stammen. Wer genau sie ist, welche Art von Selfmadetraining sie zur knallharten Killermaschine gemacht hat und was mit Männern passiert, die sie betrügen... findet ihr alles im Laufe der sehr lässig dargebotenen Story von WET heraus. Die steckt voller skurriler Gangstercharaktere, schön "old-schooliger" Sprüche und kompromissloser Exekutionen. Teils schon sehr abgedrehte Auftragsziele wie der Diebstahl eines Schwarzmarkt-Organs menschlicher Natur, sollten für euch der letzte Stein des Anstoßes sein, welche Art von Actionkino euch WET in Spieleform aufbereiten möchte: Rubis Abenteuer ist inszenierungstechnisch eine einzige Hommage an die gute alte Zeit von Grindhouse- und Exploitationstreifen der späten 60er bis 70er Jahre. Der Look rissiger Filmstreifen, die durch einen alten Projektor gezogen werden (Filter optional ausschaltbar, hier aber wirklich ausnahmsweise mal nicht zu empfehlen) sowie immer wieder zwischendurch eingeblendete Werbefilmchen für lecker Gurken an der Kinokasse oder die Wichtigkeit des regelmäßigen Kirchengangs erzeugen einen derartig authentischen Amüsierfaktor, dass man WET wohl zweifellos als Grindhouse-Game mit dem bisher gelungensten Feeling beschreiben darf. Stilechte Kamera-Arbeit bei Aktionen wie der Lebenskraftauffüllung via Alkoholpulle, bei der Rubi die Flasche nach einem kräftigen Schluck hochwirft und im Flug zerschießt, ist mit all dem zuvor schon genannten aber keinesfalls Hauptgrund dafür, dass die Style-Adaption so liebevoll rüberkommt. Es ist der kongeniale Soundtrack zum Spiel, der in bester Tarantino-Tradition sofort das Gefühl vermittelt, dass man da gerade einen (vergessenen) Kulthit nach dem anderen in die Ohren gewurmt bekommt. Selbst wenn man dabei viel zu oft entsetzt feststellt, dass die meisten Tracks vormals bloß in alten Trashstreifen ihr unbekanntes Dasein fristeten...
WET

Verstecken is’ nich’

Heutzutage fast schon ungewöhnlicher Weise bietet WET keinerlei spezielles Coversystem, obwohl es ein Third-Person-Shooter ist. Gut, man spielt zwar als virtuelle Pussy, aber das heißt ja nicht gleich, dass man auch eine ist. Entsprechend heißt es eher, das Heil im Frontalangriff zu suchen. Dafür steht dann auch ein unendlicher Pistolenmunitionsvorrat zur Verfügung. Im Nahkampf verlasst ihr euch nicht auf eure langen Fingernägel, sondern packt gleich das säuberlich polierte Samuraischwert aus. Allerdings kann der mächtige Schnitter ausnahmsweise mal in Sachen Coolness überboten werden, denn eine interessante Mischung aus Auto- sowie Manuell-Zielverfahren lässt euch bei den Schusswaffen mühelos zum Doppelkiller werden. Setzt man zum stylischen Sprungangriff an, wird die Zeit in bester "Payne/Stranglehold"-Manier verlangsamt, Rubi schaltet mit einer ihrer Wummen automatisch den nächstbesten Gegner auf und der Spieler kann mit der zweiten Knarre frei nach Belieben herumballern. Wäre das Übermachts-Feature überhaupt, allerdings konfrontiert WET euch selten mal mit weniger als fünf bis sechs Widersachern. Perfekt durchgeführte "Slow-Mo-Moves" mit optimaler Ausbeute sind schon von Nöten, ehe man in einem Standardraum des Spiels endlich mal der einzige verbliebene Sauerstoffverbraucher ist. Lässt man Rubis alltägliche Massenmorde so akrobatisch wie möglich aussehen, was Tequilla-like-Treppengeländer-Rutsch-Schießing genau so umfasst wie kopfüber ballernd eine Leiter runter zu rutschen, sahnt man dafür entsprechend Bonus-gepowerte Punkte im Dauertakt ein. Was uns dann doch wieder zu einem "Markenzeichen" des RPG-geprägten Publishers führt, denn anders als in The Club wird hier nicht bloß stumpf für Highscores getötet. Im Tausch gegen die erspielten Punkte darf Rubi neue Killermoves erlernen, ihre Widerstandskraft erhöhen oder ihre Tötungswerkzeuge aufpimpen... um noch spektakulärer töten und damit selbstverständlich noch viel mehr Punkte sammeln zu können. Die Tatsache, dass man keinerlei Begrenzung der Bullet-Time vorgesetzt bekommt und sie durch bloßes Performen von Wallruns, "Mission Impossible II"-Sprüngen und sonstigen Stunts ausgelöst wird, lässt euch von Level zu Level immer mehr wie ein haarloser, bildhübscher Tasmanischer Teufel durch die Gangsterhorden wüten.
WET

Wut & Blut verträgt sich gut (nur nicht in Deutschland...)

Wer Kill Bill gesehen hat wird wissen, dass die Tötungslust wütender Bräute keine Grenzen kennt. Der Rage-Modus von WET dokumentiert diese Tatsache eindrucksvoll weiter. In regelmäßigen Abständen zeigt eine kleine Cutscene, von der man sich ja normalerweise ein wenig Ausruhzeit vom Abzug-Dauerdrücken erhoffen würde, wie ein Exekutionsmove aus der Nähe einen Schwall aus Blut und Hirn direkt ins hübsche Gesicht unserer Pretty Woman spritzt. Da ist die Dame von einem Moment auf den anderen so richtig angepisst. Der vollmundig eisenhaltige Geschmack in ihrem virtuellen Sahnemäulchen veranlasst sie dazu, unsere Sicht auf dem Bildschirm komplett rot einzufärben und jeden Kill zu einem Dahinfetzen sondergleichen zu machen, das wohl jeden Jugendschützer noch nächtelang mit Angstschweiß auf der Stirn aufwachen und "Nicht in Deutschland,... niemals!" stammeln lassen würde. Womit er dann sogar Recht hätte, denn die für unseren Markt angepasste Fassung belässt es selbst im Ragemodus bei seltsamen Staubwölkchen und sich in Luft auflösenden Gegnern. Der Menschensaft-Facial aus oben beschriebenen Cutscenes fällt jeweils sogar komplett weg. In der volljährigen Lesern darum aus Stilgründen deutlich inniger ans Herz gelegten Uncutversion werden Rubis Widersacher dagegen in die Luft getreten, mit einer Saltosprung-Schusseinlage, noch vor dem Fall nach unten, Einzelteil für Einzelteil quer im Raum verteilt und der Nebenmann kriegt gleich darauf noch einen Schwertstreichler durchs Gesicht gewedelt. Bei der virtuosen Rage-Darstellung der regentonnenweise durch die Gegend schwallenden Körpersäfte meiner UK-Version, in komplett weißer statt roter Farbe (was uns hierzulande wie gesagt nicht vor einer Kürzung bewahrt hat), wird natürlich erneut der künstlerische Vergleich zu Kill Bill fällig. Während der Kugelmetzelspaß also stilistisch verzückt, sorgt er punktemäßig naturgemäß für besonders viele Sondermultiplikatoren. Genau wie der folgend beschriebene Abschnitt aus der Anfangsphase des Games. Auf einer Schnellstaße hüpft Rubi darin von einem fahrenden Auto zum anderen, sorgt währenddessen mit Schwertschlägen für auf den Asphalt titschende Gliedmaßen und knallt im Zeitlupenflug den ein oder anderen Verkehrsrowdy aus der Bahn. Scriptsequenzen wie spektakuläre Auffahrunfälle samt Explosionen geben dem ohnehin schon rasanten Schienenfahrlevel die gewisse (fraglich weibliche) Zusatzduftnote. Solche etwas an Ninja Blade erinnernden QTE-Einlagen nehmen nie Überhand und fügen sich homogen ins restliche Spielgeschehen ein, womit sie die ab und zu auch mal dringend nötige Abwechslung vom Dauerballern darstellen.
WET

Zu viel Retro für Rubi

Wenn man einfach nur in Worte fasst, was man in WET so treibt, mit welchem sexy Beast man es da treibt und wie feucht es in dem Spiel gleich mit ganzen Männerhorden getrieben wird, ja dann hört sich das automatisch nach 'ner ganz geilen Schweinerei an. So wie auch schon der komplette Testbericht bis hierhin. Dummer Weise hat Rubi sich allerdings auch in zwei Bereichen im Retrogewandt gekleidet, die WET leider nicht zu dem tollen Actionspielerlebnis werden lassen, zu dem es eigentlich sehr großes Potenzial gehabt hätte. Am augenscheinlichsten sei dabei die sehr veraltete Grafik zu erwähnen, die selbst auf viele heutzutage standardmäßige "Next-Gen"-Effekte verzichtet und so den Großteil der Spieldauer über am ehesten an ein starkes "Xbox 1"-Game erinnert. Rubi sieht selbstverständlich auch in angestaubten Kleidern verflucht sexy aus. Und doch fällt es bei einem solchen Ballerspiel, das seine Stärken vor allem in spektakulärer Inszenierung und filmreifen Momenten sucht, beim Gesamterlebnis äußerst negativ ins Gewicht. Dazu kommt eine große Portion fehlender Dynamik im Kampfgeschehen. Die verschwenderisch zerstörbaren Umgebungen von Stranglehold? DIE hat man sich ausnahmsweise nicht vom ähnlichsten Genrevorbild abgeguckt und das ist sehr schade. Das intuitive Spielgefühl eines Max Payne? Die Bewegungsästhetik eines Ryu Hayabusa? Nein, all das fehlt unserer Grindhousedame in WET fast gänzlich. Die nicht daramatisch, aber schon leicht störrische Steuerung lässt sie in entscheidenden Momenten ungewollte Wallruns ausführen, den falschen Sprungmove machen und ähnliches Verbocken, was schon auf mittlerer Schwierigkeitsstufe fatal enden kann (das Checkpointsystem lässt einen dann gleich ganze Massenkämpfe von Vorne anfangen). Ähnliches lässt sich auch über das Leveldesign sagen. Von Areal zu Areal macht man nichts anderes als alle Gegner zu besiegen, damit sich die nächste Tür öffnen lässt, nach der wieder bloß viele Gegner auf einen warten. Quicktime-Event-Szenen sind wie gesagt noch die einzigen erfrischenden Abwechslungsmomente zwischendrin. Einige Kletterpassagen dagegen wirken wiederum wie vor ein paar Jahren designt und seitdem unverbessert vor sich hin gegammelt. Rubi hechtet und kraxelt dabei wie ein gedopter Nathan Drake mit Superkräften, steuert sich aber viel ungeschmeidiger und lässt einen dadurch gerne mal ungewollt in den Tod fallen. Wobei es nie so ist, dass man an einer Stelle lange festhängt. Dazu ist man trotz allem noch zu übermächtig, besonders nach diversen Upgrades aus dem Shop. Man fühlt sich jedoch immer so als wäre das eigentliche Spiel in WET nicht halb so cool und stylisch, wie die fantastische Aufmachung in Form von Cutscenes und grundlegendem Art-Design von Menüs bis Kriselfilter es versprechen.
WET

Hoffentlich vögelt sie so gut wie sie schießt!

Kommentare

Daniel Pook
  

Genau meine Meinung!

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das Spiel ist auf jeden, gekauft ! schei? auf tests die demo is geil ------>. <---Punkt

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Eben die Demo gespielt und ... WOW o0
Ich hab die Kinnlade die ganze Zeit ?ber auf'm Boden h?ngen gehabt ^^

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Maze
  

Anscheinend ein perfekter Grabbel-Tisch-Titel.

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ps3hero
  

die demo fand ich extrem armselig. dieser m?chtegern tarantino-mist lockt doch keinen mehr hinterm ofen hervor. ganz nett aussehen tut es ja aber die spielmechanik ist auf unterstem niveau.

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Bramahummel
  

Freunde Freunde Freunde! WET ist wirklich anders geil! F?r mich das stylischste Game das ich je gezockt hab! Schei? auf die Grafik (die so schlecht nicht ist), was z?hlt ist Spielspass! Und da bietet WET einfach mehr als genug davon! Super Steuerung und verdammt viel STYLE!! Ich bin grad dabei das Spiel ein zweites mal durchzuspielen und es macht einfach enorm Spa?! Ich hab in meinem Leben schon so viele Spiele gezockt, aber das Spiel hat mir soviel komplett neue Momente aufgezeigt die ich so noch nie gesehen hab. Whiskey zum heilen, die coole Folterszene in der Badewanne mit diesem kleinen Knirps, der Flugzeugabsturz, die Werbebl?cke, die lustigen Spr?che ("ich hoffe Du bumst nicht so wie Du schie?t")..... einfach nur herrlich das Spiel! Mir machts verdammt viel Spass und das ist das was z?hlt!!!!

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Rabowke
  

Also mit der 'miesen' Grafik k?nnte ich leben, wenn das Spiel wenigstens butterweich ?ber den LCD flimmern w?rde. Allerdings hab ich das ( subjektive? ) Gef?hl, dass die Performance jetzt nicht soooo grandios ist, vorallem nicht bei der gebotenen Leistung.

Das h?tte man vllt. noch im Test erw?hnen k?nnen ... vllt. stehts drin, aber ich hab immer nur WET gelesen. :-P

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GuitarRick
  

Wenn doch nur die Grafik noch ein bisschen besser w?re...
*seufz*

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Timbosteron
  

Ich finde Wet richtig genial. Klar, es hat ein paar Macken, aber es macht richtig Laune. :)
Ich h?nge nur gerade an einer doofen Stelle: Bei einer Autoverfolgung mit Geh?pfe von Karre zu Karre kommen Motorr?der. Und gerade in dem Moment war eine Zwischenspeicherung. Leider habe ich nur noch Pistolenammo, so dass ich die ganzen Kradfahrer mit der kleinen Flitsche umhusten soll, was nicht mal ann?hernd gelingt. Wei? einer ob man ein vorherigen Spielstand laden kann? (Ich sollte das wohl eher im Forum posten...)

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2happy
  

Mir gef?llt WET wesentlich besser als das - in meinen Augen WIRKLICH grotten-h?ssliche - Stranglehood! Kamera, Steuerung, Leveldesign, alles besser. Abwechslungsreiche, sehr schr?ge Locations, viel Selbstironie, geile Mucke, alles Super. Schade dass man keine aktuelle Grafikengine lizensiert hatt, dann w?re das Game perfekt. Doch auch so ist es lineare kurzweilige und unkomplizierte Unterhaltung - und vor allem: Mal was Anderes :-)

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