Wii Sports Resort

Wii Sports ist ein Phänomen. Seit Tetris stand wohl kein Spiel so stellvertretend für den Durchbruch und Erfolg einer Konsole. Wii Sports machte aus Nintendos kleinem Experiment namens Wii den unangefochtenen Marktführer und spaltet uns Zocker wie kaum ein anderer Titel. Für die einen der Beweis, dass Videospiele in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, für die anderen nur die Spitze eines unsäglichen Casual-Eisbergs, der im Gegensatz zu echten Eisbergen immer größer wird. Nun läutet Nintendo zur zweiten 'Wii Sports'-Runde.


I like to move it, move it

MotionPlus ist der Kai aus der Kiste von Wii Sports Resort. Der unscheinbare Plastikwürfel wird an die Unterseite der Fernbedienung gesteckt und verspricht eine bessere Bewegungserkennung und mehr Präzision. Man kann anfangs nicht so recht glauben, dass der untergewichtige Klotz das Spielen mit der Wii auf ein neues Level hebt, aber in ein paar Stunden werde ich schlauer sein.
Bevor es losgeht, spendiert uns Nintendo noch einen Lehrfilm, der stark zur Realsatire tendiert. Eine freundliche Flugbegleiterinnenstimme erklärt uns, wie wir die MotionPlus richtig anschließen und mit der Sicherheitskordel und der Schutzhülle der Wiimote umzugehen haben. Von wegen Casual-Konsole: das Video erweckt den Anschein, man müsse mindestens diplomierter Ingenieur sein, um die Wiimote in Betrieb nehmen zu können. Dabei schafft das vermutlich auch ein halbwegs dressierter Bonobo.
Anstelle von Primaten habe ich mir eine illustre Runde zusammengeholt, um Wii Sports Resort ins Kreuzverhör zu nehmen: meine Schwester Jana, ihren Freund Marcell, sowie als Special Guest: meine Mutter. Während letztere außer Wii Sports und Wii Fit keinerlei Videospiel-Erfahrung vorweisen kann, besitzt Marcell immerhin eine PlayStation 3 und steht eigentlich mehr auf handfeste Action. Also genau das richtige, gut durchgemischte Publikum, um den gemeinsamen Nenner zu suchen.
Wii Sports Resort

Willkomen auf Wuhu Island

Das eigentliche Spiel beginnt dann mit einer netten Idee. Per Fallschirmsprung stürzen wir uns auf die idyllische Insel, die Shigeru Miyamoto so sehr ins Herz geschlossen hat, dass er sie bereits als eigenen Charakter bezeichnete. Aus der Luft haben wir nicht nur einen guten Überblick auf das Ferienparadies, sondern können auch das erste Mal das neue Wiimote-Gefühl ausprobieren. Schon nach wenigen Sekunden werden die Verbesserungen deutlich. Die Miis steuern sich spürbar genauer und feinfühliger durch die Wolken. Im Handumdrehen machen sie Pirouetten oder halten sich mit anderen Springern für ein Foto an den Händen. Am Boden angekommen, stellen wir fest, dass sich die Zahl der Sportarten im Vergleich zum Vorgänger mehr als verdoppelt hat. Zwölf Disziplinen zuzüglich verschiedener Variationen stehen bereit:
Schwertkampf:
Ich habe den Verdacht, dass Nintendo diese Sportart nicht ganz zufällig an vorderste Position gepackt hat, schließlich lassen sich hier die MotionPlus-Feinheiten direkt sehr gut demonstrieren. Natürlich kloppt man sich nicht mit richtigen Schwertern, sondern vollkommen unblutig mit Kendo-Stöcken und Körperschutz. Ziel ist es, den Gegner im 'American Gladiators'-Stil (nur, dass die dort mit riesigen Q-Tips gekämpft haben) von einer Plattform zu stoßen. Die Haltung der Waffe lässt sich präzise beeinflussen, ordentliches Decken und Zuschlagen geht sehr gut von der Hand, deren Bewegung fast 1:1 ins Spiel übertragen wird. Kein Vergleich zum Boxen aus Teil 1, bei dem man oft nur wild herumgefuchtelt hat und hoffte, dass der Opponent eher zu Boden ging. Vor allem im Duell Mensch gegen Mensch ist der Schwertkampf daher ein gelungener Auftakt des Sportpakets und lässt für Titel wie Red Steel 2 auf Einiges hoffen.
Wakeboard:
"Warum krieg ich keine Punkte?" fragt meine Schwester nach ihrer ersten Runde im Schlepptau eines Motorboots erbost. Ganz einfach: Wer nach dem Sprung über die Wellen und anschließendem Kunststückchen nicht vernünftig landet, wird dafür auch nicht belohnt. Die Erfahrung muss ich kurze Zeit später ebenfalls machen. Das Wakeboarden ist nicht so leicht, wie es zunächst scheint. Nach jeder gelungenen Aktion wird das Boot zudem immer schneller, was zwar spektakulärere Tricks erlaubt, die Landungen aber zusätzlich erschwert. Wakeboard profitiert nicht sonderlich stark von MotionPlus und gehört nach unserer übereinstimmenden Meinung zu den eher mittelprächtigen Disziplinen auf Wuhu Island.
Frisbee:
Wie Alex Kaphahn jedem erzählt, der sich nicht schnell genug in Sicherheit gebracht hat, kann er mit Frisbees nicht umgehen. Auf meine Schwester trifft das ebenso zu, sowohl in physischer als auch virtueller Form. Ihre Scheiben fliegen entweder nach hinten, oder gegen die Schnauze des kleinen Hundes, der die Frisbees eigentlich brav apportieren soll. Kein Wunder, dass der Köter bald so guckt, als wolle er Jana ins Bein beißen. Marcell macht es besser: Bei ihm fliegt die Frisbee in die dreigeteilte Zielzone. Er merkt, dass man der Wurfscheibe sogar Drall verpassen kann und eine passende Neigung gar nicht mal so unwichtig ist. Mit ein wenig Übung fliegt das Strand-UFO tatsächlich dort hin, wo es hin soll. Um es noch interessanter zu machen, darf man später zusätzlich noch Ballons zum Zerplatzen bringen, die für Bonuspunkte sorgen.
Bogenschießen:
Eine der Disziplinen, auf die ich im Vorfeld am gespanntesten war, da Bogenschießen in der Regel eine recht komplexe Sportart ist, bei der viel berücksichtigt werden muss. Der Zielkreis bei Wii Sports Resort ist allerdings so groß gewählt, dass man trotz Berücksichtigung der Windstärke und Distanz immer noch aufs Glück vertrauen muss. Nach jeder der insgesamt vier Runden schiebt sich die Scheibe ein wenig nach hinten, auf höheren Schwierigkeitsgraden ist sie zudem ständig in Bewegung. Mir persönlich hat das Bogenschießen in 'Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen' mehr Spaß gemacht, dennoch gehört es auch hier zu den besseren Beschäftigungen.
Basketball:
Was Reggie und sein Sparringspartner auf der E³ so wenig elegant vorführten, ist in der Tat gar nicht mal so leicht. Das liegt aber vor allem daran, dass die Wiimote beim 3-Punkte-Werfen zum ersten Mal leichte Schwächen zeigt und mit der Hektik des Spiels offenbar Probleme hat. Dieser Wettbewerb dient aber eh nur zur Einstimmung auf die sehr unterhaltsamen Streetball-Partien, die sogar ein rudimentäres Pass- und Dribbling-System besitzen. Gegen menschliche Kontrahenten meiner Meinung nach eines der Highlights von Wii Sports Resort.
Tischtennis:
Beim ersten Wii Sports war bekanntlich Tennis dabei, das sich fast noch simpler als Pong spielte (geht das?), aber dennoch irgendwie ganz witzig war. Vor allem, wenn man seine Gegner mit Power-Aufschlägen um den Verstand brachte (wobei ich bis heute nicht weiß, wie man die genau auslöst). Nun gibt es das Ganze also eine Nummer kleiner. Die Ballwechsel profitieren deutlich vom neuen Steuerungs-Addon. Man kann richtig Topspin oder Slice spielen, es ist nicht mehr möglich, die Wiimote einfach nach vorne zu bewegen und damit harte Schläge in die Ecken zu produzieren. Marcell und ich mussten uns allerdings erst einmal daran gewöhnen und verloren unsere ersten Partien jeweils sang- und klanglos mit 6:1. Jana gewann ihr Auftakt-Match hingegen und hielt es daraufhin für angebracht, uns beide ordentlich aufzuziehen. Frauen können so grausam sein. Später konnten wir uns zum Glück rehabilitieren.
Golf & Bowling:
Beide Disziplinen sind für 'Wii Sport'-Veteranen alte Bekannte, viel geändert hat sich vor allem beim Bowling nicht. Abgesehen davon, dass die Miis auch hier jetzt Jürgen-von-der-Lippe-kompatible Hawaii-Hemden tragen. Zudem habe ich den Eindruck, dass sich der Spin der Bälle nun besser dosieren lässt. Golf war hingegen schon beim Vorgänger die komplexeste Sportart, was sich Anno 2009 nicht geändert hat. Die MotionPlus registriert sogar die Körperhaltung beim Schlag, womit vor allem meine Schwester Probleme hat, deren Schwerpunkt sich ziemlich weit vorne befindet. Allgemein tun wir uns aber alle in den ersten Runden mit der sensibleren Steuerung schwer, die Schläge und Putts meist zu lang ausfallen lässt. Die Langzeitmotivation wird davon aber eher profitieren, Golf gehörte schon im Original zu den Sportarten, die die größte Halbwertszeit aufwiesen.
Jetboot:
Mit quer gehaltener Wiimote und Nunchuk nehme ich meine Startposition ein und freue mich auf's Rennen. Was soll einem alten 'Wave Race'-Hasen schon passieren? Eine ganze Menge, denn die Steuerung reagiert subtiler als ich das erwartet hatte, was aus der Idee, elegant durch die Tore zu rauschen, eine Zickzack-Fahrt werden lässt, die so aussieht, als würde ich mich nicht durch virtuelles Wasser, sondern über dessen gefrorenen Aggregatzustand bewegen. Der Rest unserer Spielrunde (meine Mutter ist übrigens seit Golf auch dazu gestoßen) lernt aus meinen Fehlern und macht es besser. Ich hingegen wünsche mir ein neues Wave Race.
Kanufahren:
Wer schon einmal gerudert ist, wird wissen, dass Paddeln ganz schön anstrengend sein kann. Das gilt auch für die Wuhu-Variante. Die Fernbedienung wird wie ein Paddel senkrecht gehalten und mit energischen Bewegungen ins Wasser gestoßen. Schon auf den Hundert Metern, die am Anfang zurückzulegen sind, kann man ganz schön ins Schwitzen kommen, nicht zuletzt aufgrund des ständigen Wechsels von Back- und Steuerbord. Besonders witzig wird's, wenn bis zu vier Leute gleichzeitig in einem Boot sitzen. Dann sind Gleichmäßigkeit und Zusammenarbeit gefragt.
Radfahren:
Während Armstrong, Contador und Co. durch Frankreich radeln, schwingen wir uns aufs Rad, um Wuhu Island unsicher zu machen. Wie bei Ausdauerdisziplinen üblich, muss die Kraft gut eingeteilt werden, je schneller man an Wiimote und Nunchuk rüttelt, desto schneller schwindet die Kondition. Um durchzuschnaufen, empfiehlt es sich, im Windschatten der Konkurrenz Platz zu nehmen. Mit 29 anderen Fahrrädern auf der Strecke wird es allerdings schnell unübersichtlich, auch die Fahrphysik ist nicht wirklich gut. Vielleicht bin ich aber auch nur sauer, weil ich zwar von uns Dreien (meine Mutter hat es nicht so mit der Kondition) die beste Zeit gefahren bin, am Ende aber lediglich die beste Platzierung zählt.
Luftsport:
Pilotwings lässt grüßen. An Bord eines kleinen Sportflugzeugs fliegen wir über Wuhu Island und erkennen viele Schauplätze der zuvor ausgetragenen Wettbewerbe wieder. Ziel ist es zwar eigentlich, möglichst viele Markierungen einzusammeln, interessanter ist es aber, einfach in Ruhe durch die Lüfte zu cruisen.
Wer mehr Aufregung braucht, schießt sich im Luftkampf gegenseitig vom Himmel und wagt einen weiteren Fallschirmsprung. Bildet möglichst lange Menschenketten und grinst in die Kamera, um satte Punktzahlen zu bekommen. Der Kreis schließt sich.
Wii Sports Resort

Es lebe der Sport


Bei den abwechslungsreichen und gut zusammengewürfelten Sportarten wird wohl jede Runde ihre eigenen Favoriten ausmachen. Und wer weiß, vielleicht gibt es unter den Disziplinen einige Spätzünder, die ihre Zeit brauchen, um Qualitäten zu entwickeln. Das ist eine der Stärken von Wii Sports und jetzt auch Wii Sports Resort: für wirklich jeden ist was dabei, selbst der größte Wii-Muffel wird irgendwann zähneknirschend zugeben müssen, sich ordentlich amüsiert zu haben. Zumindest, wenn er nicht alleine zockt, denn das ist hier ungefähr so spannend, wie alleine Tischkicker zu spielen. Natürlich ist jede einzelne Sportart für sich genommen nicht überragend, aber zusammen ergeben sie mehr als die Summe ihrer Teile, vor allem da viele von ihnen hinter dem Hauptspiel noch weitere Varianten bieten. Nehmen wir zum Beispiel den Schwertkampf. Neben der beschriebenen Plattform-Action könnt ihr auch eine Art Hack&Slay spielen, in dem ihr in einem Dutzend Level Gegnerwellen niedermäht. Auch dies selbstverständlich gänzlich jugendfrei.
Leider ist der neue MotionPlus-Zusatz zwingende Voraussetzung, um Wii Sports Resort zu konsumieren. Das Spiel kommt zwar im fair bepreisten Bundle, um viele Disziplinen zusammen spielen zu können, ist dennoch der Erwerb von mindestens einem weiteren MotionPlus nötig.
Noch ein paar Wörter zu Grafik: Diese hat nicht sonderlich zugelegt, auch wenn Unschärfe- und Wasser-Effekte durchaus überzeugen können. Der bereits im Vorgänger gewählte, abstrakt-putzige Stil, ist für Wii Sports Resort genau passend. Daher gab es auch keinen Grund, hier viel zu verändern.
Wii Sports Resort

Ein fast unwiderstehlicher Party-Spaß

Kommentare

Daniel Pook
  

Was hei?t denn "negative Bewertung". Den Begriff hast du erfunden, denn bei uns hei?t es "Stimme dem Kommentar zu" oder "Stimme dem Kommentar nicht zu". Man soll damit ausdr?cken, ob man die Meinung des Lesers teilt oder dem von ihm geschriebenen beipflichtet. Nicht ob der Kommentar schlecht oder gut ist. Nur ob man der gleichen Meinung ist oder nicht. Er will es sich holen, die ihm nicht zustimmenden wollen es sich nicht holen. So einfach ist das. ;)

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Leoneo
  

Warum gibt es f?r DonMasakoni eigentlich 3 Negativbewertungen f?r sein Kommentar, dass er sich das Spiel zulegen will...???

Komische Community hier...

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Zocker 3000
  

Demon Cleaner ich hab das Teil und es wirkt gut.Es ist einen kauf wert.

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Demon Cleaner
  

Bei der Wii Motion gibt's ja genau soviel Contra wie Pro, m?chte eigentlich wissen ob es wirklich einen Sinn macht, sich diese Zusatzteile zu besorgen?

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hoiji
  

Sch?ner Test, hab meins noch eingepackt hier liegen...*auspack; Wii mit Swiffer beabeiten und l?ften*...Wird wie der Vorg?nger sicher der perfekte Partyspass !

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Detta45
  

wird sich noch dieses jahr in meiner sammlung einfinden. zusammen mit einer wii - die muss langsam auch mal her ;) aber ich glaube, die sammlung wird eher langsam wachsen, denn wii sports wird mich glaub ich echt ne weile besch?ftigen. und mario galaxy 2 kommt wohl auch noch hinzu.

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Eisenfaust
  

@doogie
man kann den Winkel einstellen - was durchaus Sinn macht, weil man den Drall jetzt tats?chlich wesentlich besser nutzen kann. Von den "Platzierungsm?glichkeiten" vor dem Wurf kann man ?hnlich viel tun wie bei Pro Bowling oder wie das hie?. Frisbee Golf find ich ?brigens am besten. Echte Langzeitmotivation. Die Schwertgeschichte geh?rt halt jetzt dringend ent-cute-isiert. Aber das wird ja wohl RedSteel erledigen...

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DonMasakoni
  

gleich mal in den warenkorb legen

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juche erster, ich wollte gerne noch wissen, da du nicht n?her aufs bowling eingegangen bist, ob man jetzt selber entscheiden kann wann man die kugel in welchem winkel wirft, oder ob da immernoch das mii die kontrolle dar?ber hat? ansonsten sch?ner test

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