Wolfenstein

Bis Call of Duty: Modern Warfare 2 erscheint, ist es noch ein wenig hin und der zuletzt erschienene gute Shooter liegt mit Killzone 2 auch schon ein wenig zurück. Perfektes Timing also, das id Software (wie man es ausspricht, dürfte mittlerweile geklärt sein) an den Tag legt und hungernden Shooter-Fans, die ein klassisches Franchise in neuem Gewand sehen möchten, Wolfenstein vor die Füße wirft. In unserem Test verraten wir euch, ob es sich lohnt auf dem PC, der Xbox 360 und PlayStation 3 auf Wolfsjagd zu gehen.


Mach's noch einmal Blazkowicz

Dass id großes Vertrauen in die Jungs und Mädels von Raven Software hegt, bewiesen sie vor gar nicht mal nicht allzu langer Zeit und übergaben ihnen kurzerhand die Marke "Quake", aus der dann ein vergnüglicher, wenn auch nicht umwerfender vierter Teil entstand. Darüber hinaus war das in Madison (Wisconsin) beheimatete Studio unter anderem für die höchst erfolgreichen "Star Trek: Voyager Elite Force" und "Star Wars Jedi Knight II: Jedi Outcast" sowie zuletzt die unterhaltsame Versoftung von "X-Men Origins: Wolverine" verantwortlich. Gute Gründe also, auch das Wolfenstein-Franchise in die Obhut von Raven zu geben. Dabei greift "Wolfenstein", so der denkbar simpel gehaltene Name, die Grundmechaniken des Vorgängers auf und versetzt euch in eine alternative Realität des Zweiten Weltkrieges, in der die Nazis nicht nur auf konventionellem Wege die Weltherrschaft an sich reißen wollen, sondern auch auf mystische Artefakte und geheime Superwaffen zurückgreifen. Diese geheimen Mächte will sich auch der wiederkehrende Hauptcharakter B.J. Blazkowicz (wofür die Initialen stehen, wird auch in diesem Teil nicht geklärt) zunutze machen, der im Auftrag der amerikanischen Armee Adolf Hitler aufhalten soll. Dreh- und Angelpunkt der Story ist dabei Eisenstadt. Nein, nicht die Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Burgenland mit seinen läppischen 13.000 Einwohnern, sondern eine fiktive Metropole. Alleine durch das an sich realistische Setting, zusammengemischt mit einer gehörigen Portion Fantasie, hebt sich "Wolfenstein" erfreulich von der WW2-Masse ab.
Wolfenstein

Ein blaues Veil'chen

Wie es der Zufall so will, verfügt Blazkowicz über ein magisches Amulett, welches ihr nach eurer ersten Mission benutzen könnt und ihm die Verwendung der supernatürlichen Veil-Kräfte gestattet. Die signifikanteste Auswirkung ist wohl das Betreten einer Parallelwelt: per Knopfdruck verschwimmt seine Sicht in eine Farbmischung aus Grün, Schwarz und einer Prise Blau, manche Objekte wechseln ihren Aufenthaltsort und selbst kuriose Geisterwesen schwirren durch die Gegend. Das hat zahlreiche Vorteile, unter anderem finden sich in der alternativen Realität geheime Schätze, Munition und andere Items, obwohl an deren Stelle zuvor noch eine undurchdringliche Wand stand. Durch freigesetzte Laufwege kann man sich außerdem hinter die feindlichen Linien schleichen, um dann lautlos und ohne jegliche Beachtung der Gegner das Gewehr zu zücken. Neben dem Standardrepertoire, bestehend aus allerlei Pistolen, Flinten, Maschinengewehren und Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg, verwendet Blazkowicz auch futuristisch wirkende Utensilien. Diese kommen meist mit einem bunten Energiestrahl daher und brutzeln zum Beispiel sämtliche Widersacher bis auf ihre staubigen Überreste nieder. Bereits erwähnte Geister lassen sich ebenfalls mit Waffengewalt bearbeiten und explodieren daraufhin, am besten natürlich in Nähe einer Stellung der Nazis - manchmal kann es aber auch passieren, dass die Mistviecher auf den Spieler losgehen. Wer nicht auf die fliegenden Wesen zurückgreifen möchte, begnügt sich mit obligatorischen Explosivfässern und anderen Rambo-Manieren. Ihr merkt schon: Will man "Wolfenstein" wie einen ganz normalen Shooter spielen, ist das durchaus möglich - zu weiten Teilen zumindest. Empfehlenswert ist der traditionelle Weg aber keinesfalls, denn die Veil-Fähigkeiten geben noch weitere Superkräfte her. So darf man unter anderem die Schwerkraft beeinflussen, wodurch die feindlichen Einheiten hilflos in der Luft schweben und damit zur leichten Beute werden. Außerdem bringt das Artefakt eine Art Bullet-Time mit sich, mithilfe derer man nicht nur die Zeit zu seinem Verbündeten macht, sondern auch verwundbare Stellen wuchtigerer Gegner ausmacht. Das Benutzen der Spezialfähigkeiten, darunter auch ein kugelsicheres Schild, verbraucht, wer hätte es gedacht, Energie. Die regeneriert sich zwar mit der Zeit, dennoch empfehlen wir das Suchen und Finden von Energiebrunnen, die man am besten im alternativen Sichtmodus ausmachen kann und die den Vorrat sofort wieder auf Maximum bringen. Theoretisch wäre es möglich, von einem Brunnen zum nächsten zu hasten (in der Parallelwelt bewegt man sich viel schneller) und ständig in der alternativen Ansicht zu verweilen. Wir empfehlen das nicht, denn auf die Dauer wirkt das ewige Grün-Blau mit grün-blauen Gegnern und grün-blauen Wänden ein wenig eintönig. Faszinierend, wie farbenreich die angestaubte Engine gegen diesen Einheitsbrei wirken kann.
Wolfenstein

Psycho-Daddy

Von den größeren Brocken gibt es in "Wolfenstein" einige, dabei untermauern schwarze Masken und riesige Mini-Guns ihren Status als Supersoldat. Wer hier nicht geschickt mit den sonderbaren Kräften des Hauptcharakters umgeht, muss zumindest bis auf die Zähne bewaffnet sein, denn sonst hat man definitiv das Nachsehen. Da hätten wir z. B. eine Art Psychosoldaten, der nicht nur blitzschnell durch die Gegend rennt und Energiegeschosse absondert, sondern auch feindliche Soldaten ("die Wölfe", wie sie immer genannt werden) koordiniert und sie temporär mit Schutzschildern versieht. Schnappt auch zu aller erst also diesen übernatürlichen Genossen, sonst machen euch die normalen Fußsoldaten, die sonst eigentlich kein Problem darstellen, schnell die Hölle heiß. Ein anderer Brocken ist eine Art Big Daddy mit Plasmakanone, die ihr nach seinem Ableben einsammeln könnt, der jedoch nicht besonders klug ist. Selten verfolgt er euch, sodass ihr immer genug Zeit habt, eine passende Strategie zu überlegen. Wie die genau lautet, verraten wir jetzt nicht. Theoretisch reichen drei Schuss ... Da man im fortlaufenden Spiel durch den Abschluss von Missionen oder das Finden von geheimen Dokumenten (die neue Items freischalten) immer wieder mit flüssigen Mitteln versorgt wird, haben die Entwickler mehrere Fraktionen in die einzelnen Gebiete von Eisenstadt integriert. So können etwa neue Wummen oder zahlreiche Upgrades (Schalldämpfer, größere Magazine, Zielfernrohre, …) für eben diese auf dem Schwarzmarkt organisiert werden, während man für eine weitere Organisation, etwa den lokalen Widerstand, Aufträge erledigt. Eine Art Moralsystem mit Auswirkungen einer Handlung der jeweiligen Partei gegenüber gibt es entgegen anfänglichen Überlegungen allerdings nicht. Schade, denn so etwas hätte sich hier definitiv angeboten.
Wolfenstein

Schon wieder Psycho-Daddy

Bisher haben wir also einen klassischen Shooter mit klassischen Elementen, einer Parallelwelt, massig Gegnern, die in feinster old shool Manier als Kanonenfutter für den Frustabbau dienen und alle Nase lang Granaten werfen, die sich genauso schnell wieder zurückwerfen lassen, Obermotze und eine, für das Genre nicht wichtige Story. Was macht denn Wolfenstein dann aber im Endeffekt zu einem 7/10-Titel? Ganz klar: Die Laufwege kombiniert mit respawnenden Gegnern. Jedes Mal, wenn ihr euch in einen neuen Levelabschnitt begebt, tauchen alle Gegner an denselben Stellen wieder auf, um euch mit kleinen Scharmützeln von der eigentlichen Aufgabe abzuhalten. Und ihr werdet die Gebiete öfter wechseln, als auch lieb ist, da es einige Aufträge nun mal verlangen. Das kann dann auch mal darin ausarten, dass man nach einem Bossfight völlig entkräftet und ohne Munition (denn die lädt sich im Gegensatz zu eurer Lebensenergie nicht automatisch auf) plötzlich vor einem Platoon Wölfe steht. Da ist es auch egal, dass sie sich gerade in einem Kampf mit einer Untergrundorganisation befinden, der vorgaukeln soll, dass die Karte immer in Bewegung sei. Ich vergleich das mit Far Cry 2, dessen größtes Manko ebenfalls die unwichtigen Fights an jeder Straßenecke waren. Zumal in Wolfenstein nicht nur die "normalen" Fußsoldaten durch die Gegend streunen, sondern auch die oben beschriebenen Brocken. Wenn wir durch die einzelnen Levelabschnitte keine richtige Open World-Mechanik haben, warum baut man dann eine Open World Mechanik mit respawnenden Gegnern ein? Für mich völlig unverständlich und ein dickes Minus auf dem Zeugnis von Wolfenstein.
Wolfenstein

Dreiklassengesellschaft

Wo respawnen erwünscht ist, ist im Multiplayer-Part und der dürfte für alle Fans, die immer noch Mehrspielergefechte in Return to Castle Wolfenstein spielen, sehr interessant sein. Auf 8 unterschiedlichen Maps gilt es die Modi Team Deathmatch, Objective und Stoppuhr auszuprobieren. Ersteres dürfte selbsterklärend sein. In Objective gilt es als Team bestimmte Ziele zu erfüllen (wie wäre es mit dem Legen einer Bombe?), während der Gegner versucht, genau das zu verhindern. Stoppuhr ist eigentlich derselbe Modus, nur dass hier die Zeit bis zum Erreichen des Ziels gestoppt und mit der Gegnerischen verglichen wird. Interessant ist bei den Modi, dass man drei unterschiedliche Klassen steuern darf, die sogar eigene Veil-Kräfte besitzen. Der Soldat kann verheerenden Explosionsschaden anrichten, während der Medic eine Heilaura beschwören kann. Und der Mechaniker kann schnell rennen. Sucht euch aus, was ihr bevorzugt. Egal, für wen ihr euch entscheidet, der Multiplayer ist sicherlich der beste Part in Wolfenstein - nicht zuletzt, weil er die Spieldauer von knapp 6-8 Stunden deutlich verlängert. Schade nur, dass die ohnehin schon schwächere Grafikpracht im Onlinepart stark abfällt.
Wolfenstein
Technisch basiert der Titel auf einer ziemlich stark modifizierten "id Tech 4"-Engine, die unter anderem bereits in Quake 4 oder gar Doom 3 zur Verwendung kam. Technische Maßstäbe setzt Wolfenstein also nicht. Trotzdem flimmert das Spiel angenehm flüssig und sehr detailverliebt über die Bildschirmfläche. Nette Lichteffekte, vor allem in der Parallelwelt und hübsche Explosionen zeigen, dass die id Tech 4 zumindest auf den ersten Blick und funktionell betrachtet, gut inszenieren kann. Der Sound dagegen lässt sich durchaus als NextGen-Bezeichnung und straft der grafischen Darstellung lügen. Das Röcheln der Psychosoldaten, das panische Rufen der Gegner "Er lädt nach!" und die Abschussgeräusche der Plasmawaffe gehören sicherlich zu dem Besten aus diesem Genre. Die deutsche Synchro ist zwar nicht durchgehend gelungen, zum Glück spielen Dialoge in einem Spiel vom Kaliber eines Wolfensteins keine große Rolle.

Kommentare

weisserwalfisch
  

Den gro?en Namen tr?gt dieses Spiel nicht zu recht. Lowrange Grafik mit Fragmenten einer dekadenalten Engine ebenso wie drittklassiges Leveldesign und fragw?rdiges Gameplay. In einem Spielerlebnis des 21. Jahrhunderts darf es unsichtbare Grenzen und Backtracking einfach nicht mehr geben. Zudem ?rgerlich erscheint das weitgehend nutzloses Waffenarsenal. Ich habe auch nach etwa der H?lfte des Spiels keine Munition f?r die schlagkr?ftigen Waffen erhalten. Dies ist in einem FPS einfach absurd. Mit dem st?ndig wechselnden Schwierigkeitsgrad bin ich dann vollends bedient. Das war keine gute Arbeit Herrschaften. Es ist wohl an der Zeit den Wolf in den Ruhestand zu schicken.

Zitieren  • Melden
0
Imperator
  

die untertitel in der uncut version sind aber auch "cut" soweit ich mitbekommen hab: habs auf dem pc, und da steht statt nazis w?lfe usw...hab dann die untertitel auf englisch umgestellt :D

Zitieren  • Melden
0
gummistiefel
  

hammer game; wenn einem return to castle wolfenstein gefallen hat dann wird derjenig bei diesem game sich auf seine kosten kommen...


Uncut kaufpflicht!!!!

ist allerdings nicht in der verst?mmelten CUT version zu empfehlen....

Zitieren  • Melden
0
Destynova
  

Wolfenstein at its best.

Der Titel geht vollkommen klar. Singleplayer-Kampagne ist vllt etwas kurz, daf?r gibts nen dicken Multiplayer.
Von Anfang an kommt RtCW-Feeling auf und diesesmal darf man sich sogar selbst an ?berirdischen Kr?ften bedienen. Grafik ist sicher nicht wegweisend aber h?bsch. Und ich seh auch mal gern das ich ein Videogame spiele anstatt irgendwelche Grafik-Monster wo das eine versucht realistischer auszusehen als das andere, es aber niemand wirklich hinbekommt...

Multiplayer mit eher trister Umgebung kommt ?brigens dem Gameplay zugute. K?nnte durchaus sein, das es bewusst so gestaltet wurde. CoD 4/5 und GoW sind hier imo eher Negativbeispiele. Viel zu wenig Kontrast von Spiele und Umgebung und da man die Grafik-Settings auf Konsolen nicht beeinflussen kann, geht ne Menge an Gameplay verloren. Athmosph?re geh?rt in den Single-Player... K?nnte mal jemand ne Kolumne dr?ber schreiben :)

B.J. Blazkowicz ftw!

Zitieren  • Melden
0
BigBadAndy
  

@ vancrolock
so gesehn muss ich dir schon recht geben .
Klar bin ich auch froh wenn ein Titel nicht bis in die Unendlichkeit veschoben wird .
Ich freue mich auch wenn nach und nach Spiel verbessert wird was ja vor allem f?rs LAn-Gaming wichtig ist.
Ich fands halt nur bissl irre das der patch bei mir vor dem Spiel auf dem Rechner war
Gruss BBA

Zitieren  • Melden
0
consolefan22
  

Die Uk xbox360 Fassung ist ?brigens uncut und mit deutschen Untertiteln. ?brigens auch wenn ein Spiel beschlagnahmt wird m?sste dies nur f?r den Verkauf in Deutschland gelten diese Verbot und nicht f?r den Kauf des Spiels.

Zitieren  • Melden
0
Dave Holden
  

Also f?r mich rockt der titel schon. grafik geht in ordnung und f?llt mir im eifer des gefechts nicht negativ auf. atmo von dem game ist der hammer. und wenn man dann, wie ich grad aus INGLOURIUS BASTERDS kommt hat man gleich nochmal soviel lust weiterzuzocken

Zitieren  • Melden
0
vancrolock
  

Ich finde man muss weiter denken.
Wenn ein Spiel wie Wolfenstein schon etwas l?nger in der Mache ist und ein Termin fest steht, flie?en Werbegelder etc. Ist es bis zu einem gewissen Stadium nicht fertig oder hat kleine Mengel, m?ssen gerade diese Leute f?r jeden Tag der nach dem Offiziell angek?ndigten Datum, wo das Spiel h?tte rauskommen sollen, es aber nicht ist, Geld abdr?cken. Somit wird das Spiel gepresst, mit vielleicht ein paar sehr kleinen bugs, aber zeitgleich der Patch nachgeworfen um die Kosten nicht in die H?he zu treiben. Finde es vollkommen ok. Zeigt das man gedult rein steckt und wie schon gesagt ein Produkt supported. Es gabs auch schonmal anders, das n?mlich trotz bekannter Bugs kein patch kam bei anderen Spielen.
Also vielleicht mal anfangen das alles aus einem ganz anderen Blickwinkel zusehen!

Zitieren  • Melden
0
BigBadAndy
  

auf der einen Seite sieht es wie support aus .
auf der anderen als h?tten es die Praktikanten programmiert und wieder scheisse gebaut.
Ich finde ein Spiel sollte schon fertig sein bevor es auf den Markt kommt.
Gegen Patches habe ich nichts ,aber eben wenn die schon vor dem Spiel da sind finde ich das traurig
gruss BBA

Zitieren  • Melden
0
zaziki78
  

bigbadandy: so what?
das zeigt h?chstens, dieses spiel wird supported.
negativpunkt? O_o?

Zitieren  • Melden
0

Kommentar schreiben

B I U Link Zitat Bild Video
  

weitere Berichte

31.07.17 18:07 Uhr

PlayStation Now - Streaming-Service könnte zukünftig Teil von PS Plus werden

Einen Hinweis darauf könnten die gestiegenen Preise von PS Plus sein. 

31.07.17 18:07 Uhr

Limited Run Games - Publisher legt Switch-Support auf Eis, fühlt sich von Nintendo vernachlässigt

Nintendo hat "keine Zeit" für kleinere Studios, heißt es. 

31.07.17 17:07 Uhr

Dunkirk - Kriegsfilm ohne Krieg (Video-Special)

Kritiken und User-Bewertungen überschlagen sich beim neuen Nolan-Film, aber er ist mehr als »nur« ein weiterer Kriegsfilm. »Dunkirk« ist eine völlig neue Form...