X-Men Origins: Wolverine

Wolverine ist der Beste, in dem was er tut. Auch wenn er das im aktuellen Kino-Blockbuster leider nur ansatzweise zur Schau stellt. Erst das gelungene „X-Men Origins“-Lizenzspiel zeigt uns, zu was die lebende Waffe wirklich fähig ist. Und das ist – zu unserer Freude – alles andere als nett.


„Do I look like a man who exaggerates?“

Zumindest aus Sicht seiner Gegner, die nach Bekanntschaft mit Wolverines Adamantiumkrallen stets innerhalb kürzester Zeit hin und weg sind. Und zwar die Arme "da hin", der Kopf "da weg". Kaum ein Feind geht an einem Stück aus der Begegnung mit euch hervor und dafür sorgt unter anderem auch die Leichtigkeit, mit der euch die Steuerung des Spiels nahezu automatisch blutfördernde Finishing-Moves sowie um sich wütende Combos vollführen lässt. Selbst auf normaler Schwierigkeitsstufe fühlt man sich von der ersten bis zur letzten Spielminute absolut übermächtig. Ständige Experience-Level-Aufstiege Logans nehmt ihr entsprechend gelassen auf, einem schier Unbesiegbaren kann man mit noch größerer Macht schließlich kaum eine Freude machen. Fast schon überflüssig wirkende Rage-Spezialangriffe lassen euch in den wenigen Momenten der Einkesselung aus den Griffen ganzer Schergenhorden befreien. Mutagene stellen zu noch größerem Überfluss sicher, dass ihr Extra-Erfahrungspunkte sammelt oder andere wichtige Attribute verbessert. Als sei all dies nicht genug, lernt Wolverine einzelne Gegnertypen mit jedem Kill besser kennen, was ihn mit zunehmender Spieldauer von Natur aus auch so schon, ohne euer Zutun im Fähigkeitenmenü, effizienter werden lässt. Müssen wir an dieser Stelle überhaupt noch die ausgeprägten Regenerationsfähigkeiten der "Weapon-X" erwähnen? Nicht wirklich. Wolverine ist gleicher Natur wie Crank, Kratos, der Hulk,... verdammt wütend und einfach nicht tot zu kriegen. Gerade deswegen ist es jedoch etwas verwunderlich, dass Raven Software ihn immer wieder zu aufgesetzt wirkenden Hüpf- und "Sachen verschieb"-Einlagen nötigen. Zum einen bremsen sie das ansonsten fixe Gameplay arg aus, zum anderen ist Logan steuerungstechnisch nerviger Weise nicht unbedingt ein Filigrantechniker was präzise Hüpfaktionen angeht. Etwas mehr Schwung hätten übrigens auch die kleinen wie großen Endgegnerfights vertragen können. Die verkommen nämlich entweder zu planlosem Buttonmashen oder viel zu lang andauerndem Abarbeiten lästiger Kampfschemata, die vor allem nur eines erfordern: Geduld. Also nicht unbedingt ein Attribut, welches sich mit der gerade eben noch erwähnten Beschreibung "verdammt Wütend" deckt. An manchen Stellen kann es auch an den Nerven zerren, dass sich die Kamera auf einen bestimmten Ort bzw. Feind konzentriert, während man selber in die entgegengesetzte Richtung läuft. Ist kein Dauerzustand, hätte aber auch vereinzelt nicht unbedingt sein müssen.
X-Men Origins: Wolverine

„I'm coming for blood. No code of conduct, no law.“

Das simple Kampfsystem von "X-Men Origins: Wolverine" alleine weiß gewiss nicht besonders lange an den Bildschirm zu fesseln, dessen Präsentation dafür um so mehr. Elegant hechtet der Titelheld aus allen Höhen- und Seitenlagen in Richtung per Zielaufschaltung markierter Gegner, rammt ihnen auf jeweils passende Weise die Krallen in den Torso und stellt noch ganz andere Schweinereien mit ihnen an, wegen derer sich das Lizenzgame in Deutschland erst gar nicht auf den Markt getraut hat (wir spielten die importierte UK-Version). Das fachgerechte Zersäbeln euer Widersacher kommt nicht nur vom Brutalitätsgrad her gesehen einem Ninja Gaiden II nahe. Es ist die ganze stylische Inszenierung, mit artistisch choreographierten Exekutionsmoves in Zeitlupe und für Fatalities nutzbaren Objekten in der Kulisse, die das Spiel für alle Fans spektakulär präsentierter Blutorgien zum reinen Fest macht. Wolverine selbst glänzt ebenso mit einem sehenswerten "Schadensmodell", dass riesige Fleisch- und Brandwunden bis aufs Adamantiumskelett darstellt und sogar deren fließend voranschreitende Regeneration nicht vergisst. Fast schon ins Absurde wird Logans Tobsucht in den vielen gescripteten Momenten gezogen, welche euch fließend aus dem Spielgeschehen heraus die Kontrolle entreißen und sich dann nur noch vereinzelt durch Quicktime-Events beeinflussen lassen. Dabei springt Wolverine beispielsweise auf fliegende Helikopter und zermixert den Kopf derer Piloten am großen Rotor oder vollführt ähnlich unappetitliche Sondereinlagen mit "WTF?!"-Potenzial. Dass derlei Showeinlagen mitsamt des restlichen Spiels gerade für ein Filmlizenzspiel ziemlich gut aussehen, ist der sehr sauber eingesetzten Unreal Engine 3 zu verdanken. Die wird dabei zwar selten wirklich zu Höchstleistungen getrieben und zuweilen kommt es auch mal zu ganz leichten Einbrüchen der Framerate sowie in der Luft hängengebliebenen Gegnern, wirklich grobe technische Fehler gibt es über die komplette Spielzeit gerechnet aber nicht allzu häufig zu sehen. Neben den fantastischen Gore-Effekten und rasanten Kampfmoves können schön ausgeleuchtete Kulissen sowie detaillierte Charaktere ebenfalls überzeugen. Die hier und da eingestreuten Render-Cutscenes sind gar von solch begeisternder Qualität, dass sie den Originalfilm fast schon blasser aussehen lassen, als er für sich alleine schon ist. Hier stimmt von virtuoser, richtig physischer Action bis hin zur Gesamtästhetik wahrlich alles, was man sich als Wolverine-Fan von einer Adaption des Comichelden nur wünschen kann und im Kino wahrscheinlich auch erhofft hatte.
X-Men Origins: Wolverine

„I wanna know why.“ [Spoiler]

Zu wünschen übrig lässt dagegen die Story des Games, auch wenn sie noch viel weitreichender als die der Filmvorlage ist. In Raven Softwares Version der Handlung dürft ihr so unter anderem der Geburt der aus den Comics bekannten "Sentinel"-Riesenroboter beiwohnen, deren Aufgabe es ist Mutanten zu finden und zu zerstören. Überdimensionierter Boss-Battle inklusive. Auf seiner Rache-Tour trifft Wolverine zudem auf eine ganze Palette im Film nicht zu sehender Gegner, von teleportierenden Urwaldmutanten bis hin zu großen Steinmonstern, sowie eine überraschend auftauchende Mystique. Profitiert der erweiterte Plot jedoch vom Kontext her in irgendeiner Weise von den Extra-Einschüben? Rein gar nicht. Viel mehr wirken diese Teile wie konzeptlos drangezimmert, um die Spielzeit des Games zu strecken. Mit dem Fehler, dass die Art der Erzählung für nicht-Kinogänger viel zu lückenlos bleibt, um alle nötigen Zusammenhänge zu ziehen, gleichzeitig aber selbst Filmkundige mit einer drastisch veränderten Abfolge der Ereignisse verwirrt. Die Vorgeschichte um einen gemeinsamen Einsatz Wolverines mit einigen anderen Mutanten und seinem Bruder Victor Creed wird hier in weitaus längerer Form präsentiert, dafür jedoch in Häppchen auf den Rest des Scripts verteilt. Abläufe wie der vermeintliche Tod von Wolverines Freundin Kayla finden zu ganz anderen Zeitpunkten statt, was nicht immer Sinn zu ergeben scheint. In diesem Falle trägt Wolverine beispielsweise schon vorher den Barkampf gegen seinen plötzlich in den kanadischen Bergen aufgetauchten Bruder aus, obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch gar keinen Grund haben dürfte, sich ohne große Worte brutal auf ihn zu stürzen. Somit schafft X-Men Origins: Wolverine es weder, die simple Handlung des Films zufriedenstellend nachzuerzählen, noch erfolgreich eine eigene Story aufzuziehen. Dies wiegt leider um so schwerer, da das Game so außer seines Schnetzelspektakels nicht wirklich etwas zu bieten hat, das für Langzeitmotivation sorgen könnte. Die einzelnen Kapitel fühlen sich sogar allesamt deutlich zu lang an, weil man innerhalb eines Settings stets den Eindruck hat, durch zwei bis drei sich ständig wiederholende, gleich aussehende Grundareale zu laufen. Da hilft es auch nicht viel, dass die Kulissen optisch wie gesagt an sich recht ansprechend gestaltet wurden.
X-Men Origins: Wolverine

Butcherine

Kommentare

Saibot
  

Guter Test!
Kann nur zustimmen. Probiert es wenigstens mal aus Leute ;-)

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Timeo
  

also der film war recht "nett"....aber eigentlich m?ll....da waren die vorg?ngerfilme bei weitem besser!

hab das spiel mittlerweile durch.....als alter God of War veteran hab ich mich bei der steuerung gleich heimisch gef?hlt.....aber an die klasse von GoW kommt es bei weitem nicht ran....der test sagt da schon viel aus....ich pers?nlich h?tte dem spiel eine 6,5 gegeben

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Nucka
  

Die Demo hat mir eigentlich sehr gut gefallen.

Aber nachdem ich den Test hier gelesen habe, werde ich mir das Spiel nur mal ausleihen und versuchen die Story durchzuspielen.

PS: Sch?ner Test ;)

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DerJens^^
  

WOha! Das spiel ist aber wirklich verdammt gewaltt?tig. Mich wunderts, dass Marvel das zul?sst. Immerhin handelt es sich hier um eine Comicadaption und nicht um irgend einen Horrorshooter.

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Leoneo
  

Mich interessiert weder Film noch Spiel... somit viel Spa? allen Fans!

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DerJens^^
  

Das schlimmste an der eigenen Meinung ist, dass jeder eine haben darf! Auch du Cabal2k ;)

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Rush
  

http://www.pvponline.com/2009/05/04/weapon-echs/

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Dr4g0nfir3
  

Auch Wolverine rockt wie H?lle: Ein bisschen objektiv sollte man schon sein, deshalb finde ich die 7/10 v?llig in Ordung. Wolverine ist eben doch kein Spartaner ;)

Bis God of War 3 kommt kann man sich aufjedenfall wunderbar die Zeit mit dem Vielfra? vergn?gen

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Daniel Pook
  

Ist wie immer subjektiv, ich bin ziemlich entt?uscht. Aber wem der Film gefallen hat, um so besser. :)

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LookMyBullet
  

Lese ich da 1-2 Seitenhiebe auf den Film?

Wieso denn das?Der is doch superklasse geworden.

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