The Last Story

Plattform: (Wii)
Release: 24. Februar 2012

User-Wertung:

Test: The Last Story

Mit einer Heldentruppe zum liebhaben, einem pfiffigen Kampfsystem und einem Spielgefühl, das sich nicht recht in eine Schublade stecken lassen will, verpasst „The Last Story“, nach „Xenoblade Chronicles“ dem J-RPG-Genre eine weitere Frischzellenkur. Wii-Spieler zählen schon mal ihre Gils zusammen.

Lange Zeit hat sie bei diesem Thema Stillschweigen bewahrt und nun, zum Ende ihrer Lebenszeit, dürfen wir ausgerechnet auf der Wii zwei japanische Rollenspiele erleben, welche die versammelte Next-Gen-Konkurrenz beinahe altbacken und sperrig aussehen lassen. Ein Anachronismus aus jeder Richtung. Vielleicht liegt es an den geringeren Produktionskosten für ein Wii-Spiel, dass die Entwickler sich trauten neue Wege einzuschlagen und sich nicht zu stolz waren, auch mal westliche Standards miteinzubeziehen. Mistwalkers "The Last Story" jedenfalls ist wie belebender Tau auf dem leicht eingetrockneten Boden fernöstlicher Rollenspielkost und zweifellos das bislang beste Werk des noch jungen Studios von "Final Fantasy"-Papa Hironobu Sakaguchi. Man kann nur hoffen, dass der inhaltlich ähnliche Titel nicht darauf hindeutet, dass die Entwickler hierin womöglich ihr letztes Werk sehen, wie seinerzeit Squaresoft mit "Final Fantasy", dessen über zwanzigjährige Erfolgsgeschichte wohl keiner weiteren Erläuterung bedarf. Angesichts des Erfolges von "The Last Story" im Land der aufgehenden Sonne, können wir diese Befürchtungen aber getrost über Bord werfen und dem Spiel nur noch einen ähnlichen Siegeszug in hiesigen Gefilden wünschen.
Die letzte Geschichte erzählt von einer jungen Söldnertruppe, die im Land Lazulis Aufträge des ansässigen Grafen Arganan erledigt, um sich sein Essen oder, im Falle von Partymaus Syrenne eher seine Weinflaschen zu verdienen. Da Söldner in dieser Welt am Rande der Gesellschaft leben und außer beim Gastwirt unter der Bevölkerung eher wenig Ansehen genießen, ist es das erklärte Ziel des ehrgeizigen Anführers Dagran sie alle in den Stand echter Ritter zu bringen. Euer Alter Ego Zael teilt diesen Wunsch, obwohl er sich da selbst wohl noch nicht so ganz sicher ist. In der sechsköpfigen Truppe versteckt "The Last Story" schon den ersten Goldschatz. Die ungleiche Bande von Glücksrittern spielt vom Start weg so viel Persönlichkeit aus, dass Ihr gar nicht anders können werdet, als sie unmittelbar ins Herz zu schließen. Neben dem besonnenen Anführer Dagran und der trinkfesten, raufsüchtigen (sowie schwindelerregend heißen) Syrenne, hätten wir da noch den zwanghaft flirtenden Frauenhelden Lowell, das (heiße) Mauerblümchen Miriana, die eine ausgesprochene Begeisterung für Speisen jeglicher Art und ein dementsprechend bodenloses Verdauungsorgan besitzt und den dauerernsten, sozial etwas inkompetenten Yurik. Später kommt noch die geheimnisvolle (und heiße) Calista hinzu, die eine große Rolle in Zaels Leben und damit auch in der Handlung einnehmen wird.
Test: The Last StoryZwar erreichen die Figuren allesamt kaum den Originalitätsgrad eines Captain Jack Sparrow, doch sind sie enorm lebendig gezeichnet und bilden durch die unterschiedlichen Charaktere ein vergnügliches Spannungsgefüge, das immer wieder für witzige Situationen sorgt. Dabei wird jedem von ihnen genug Platz eingeräumt, um seine Entwicklung glaubwürdig rüberzubringen. So könnt Ihr auch nach Stunden noch interessante neue Seiten an den Helden entdecken. Sehr stark das Band zwischen Spieler und Party hier ist. Allein Hauptfigur Zael fehlt es ein wenig an Biss. Da er aber von den anderen wie ein Nesthäkchen behandelt wird, passt das dann wieder. Die einnehmende Gruppe von Glücksrittern verschmilzt gleichsam mit der zweiten großen Stärke von "The Last Story", der Handlung. Auch hier werdet Ihr mancherlei Versatzstücke aus anderen Fantasy-Geschichten finden, wie die vor unzähligen Jahren zurückgeschlagene, verfeindete Kultur, die unerwartet und neu erstarkt über die vermeintliche Idylle hereinbricht, die Prinzessin, Gefangene ihres eigenen Standes, der es nach Freiheit und Erfahrung dürstet oder die allen Widrigkeiten trotzende Liebesgeschichte. Doch mit einem intriganten Herrscher, einer mystischen Bestie, der uralten Sage über eine göttliche Macht, einer unerklärlichen Seuche, welche das Land zerstört, der geheimnisvollen Kraft, die Zael in den Katakomben Lazulis zuteil wird und dem seltsamen Gefühl, dass das alles irgendwie in Zusammenhang steht, sowie einigen spannenden Nebenhandlungen, da - Wow! - habt Ihr wirklich einiges aufzudecken, was Euch bis zum Finale fesseln wird. Mitunter wird die zentrale Romanze zwar von Emo-Schwulst nahe der Schmerzgrenze gesäumt. Der schlichte Wunsch unserer Helden nach Anerkennung bietet jedoch das nachvollziehbarste Motiv seit langem.
Ebenso gut wie die Geschichte ist ihre Erzählweise, was vor allem daran liegt, dass Eure Begleiter praktisch dauerhaft das Geschehen kommentieren. Nervig unsinniges Geschnatter im Sekundentakt braucht Ihr aber nicht zu befürchten. Vielmehr wird den Ereignissen so ein schlüssiger Zusammenhang gegeben und es entfallen lange Kampfausflüge mit schweigenden Kompagnons, wie sie oft in anderen Rollenspielen zu finden sind, bei denen man dann den Eindruck bekommt sie würden außerhalb der Handlung stehen. Gespräche mit NPCs geben derweil weitere Details zur Welt oder kleine, persönliche Episoden preis, während häufige Cutscenes die größeren Story-Momente präsentieren, ohne jedoch den Spielfluss zu stören. "The Last Story" setzt durchweg auf hohes Tempo. Dieses Prinzip schlägt sich auch im Gameplay nieder, was nicht für jeden im positiven Sinne zu verstehen ist. Rollenspieler, die ihr Abenteuer lieber offen und ausladend mögen, werden bei Mistwalkers Wii-Epos kaum zufriedengestellt. Das Söldner-Märchen ist ähnlich linear aufgebaut wie moderne Actionspiele. Zwar dürft Ihr stets per praktischer Schnellreisefunktion in bereits besuchte Gebiete zurück und Euch dort frei bewegen. Allerdings sind die Level grundsätzlich sehr schlauchartig aufgebaut und abgesehen von (zugegeben nicht wenigen) Schatztruhen am Wegesrand, gibt es für strebsame Höhlenforscher wenig zu entdecken. Auch die übliche Oberweltreise typischer J-RPGs werdet Ihr nicht antreten. Die Handlung setzt Euch immer direkt im nächsten Szenario ab. Lediglich Lazulis-Stadt dient als eine Art Hauptquartier. In die recht große Metropole kehrt Ihr mit Eurer Truppe regelmäßig zurück. Hier dürft Ihr Euren Erkundungsdrang ausleben, mit Leuten reden, versteckte Items finden, Waren kaufen und verkaufen, in der Arena kämpfen, sowie Quests erledigen.
Was, nur eine Ortschaft zum Erkunden? Ja. Doch Lazulis-Stadt hat es wirklich in sich und liefert mit jedem neuen Besuch weitere Überraschungen und Nebenmissionen. Verschiedene Auftraggeber schicken Euch natürlich auch auf Botengänge, wobei es stört, dass es kein Questlog gibt und Händler und dergleichen zwar auf der Karte markiert, aber nicht beschriftet sind. Zumal die verwinkelten Gassen selbst nach Stunden noch zum Verlaufen einladen. Eine gute Gelegenheit, um Eurer Gedächtnis und Euren Orientierungssinn zu trainieren.
Test: The Last StoryAnsonsten erwarten Euch dort aber vielfältige Aufgaben, Geheimnisse und Gags. So gilt es eine Kinderbande auf den Dächern ausfindig machen, als Aushilfe bei einem Händler Kunden anzulocken, schreckhafte Frösche zu fangen, in einer windigen Gasse herumfliegende Items einzusacken, einem eitlen Mädchen Komplimente zu machen (oder auch nicht), einen kleinen, flinken Dieb durch die Straßen zu jagen, Kürbisse zu züchten oder mit Lisa vor den Stadtwachen zu fliehen und ihnen Obstkörbe in den Weg zu werfen. Mit einer dominospielartigen Tauschaktion, hat "The Last Story" sogar eine nette Hommage an "The Legend of Zelda - Link's Awakening" im Angebot. Größere Missionen schicken Euch unter anderem in ein Banditenversteck, wo Ihr nach einer wichtigen Medizin sucht. Oder Ihr zerschlagt eine okkulte Sekte, die kleine Mädchen entführt. Und ein waschechter Herrenhausausflug sorgt für gepflegten Grusel. Einige von diesen Aufgaben sind storyrelevant, andere freiwillige, beiläufige Erledigungen und manche werdet Ihr gar nicht erst entdecken, wenn Ihr nicht fleißig Gespräche führt und dem Stadtgeschwätz lauscht. Alltägliche Erzählungen, Gerüchte und Schicksalsberichte der Einwohner zeichnen einen lebendigen Kosmos, weisen auf Nebenbeschäftigungen und Secrets hin oder entwickeln sich - oft auch erst viel später - zu großangelegten Kampfeinsätzen. Unscheinbare Personen geben Euch wertvolle Ratschläge oder schenken Euch unerwartet ein Item. Arena-Zuschauer teilen schon mal ihren Gewinn mit Euch, wenn Ihr ihnen eine gute Show geboten habt. Diese hingebungsvolle Detailversessenheit zeigt sich auch spielerisch und kann gar nicht überschätzt werden. Zum Beispiel müsst Ihr immer wieder aus der Ego-Ansicht die Umgebung absuchen. Entdeckt Ihr dann etwa eine Falle nicht rechtzeitig, kann es sein, dass ein Mitstreiter lediglich mit halber Energie ins Gefecht zieht. Oft müsst Ihr zwischen zwei Aktionen oder Antwortmöglichkeiten wählen. In einem Dialog beeinflusst das womöglich nur die emotionale Reaktion bestimmter Personen. Woanders liegt die Entscheidung beispielsweise dazwischen einen Experten anzuweisen eine gefährliche Geheimtür zu öffnen oder es selbst zu tun, dabei Schaden zu nehmen, aber auch ein wertvolles Item freizusprengen.
Auflockerungen und witzige Einlagen, etwa wenn Ihr Euch über einen Dachbalken hinter eine Wache schleicht, an einer Schiffsaußenwand entlanghangelt, auf herumliegendem Obst ausrutscht oder Euch den Kopf an einem niedrigen Schild stoßt, erscheinen wie unwichtige Kleinigkeiten, vermitteln in ihrer Gesamtheit jedoch ein extrem lebendiges Spielgefühl. Ihr merkt schon, "lebendig" ist das Wort der Stunde, wenn es um "The Last Story" geht.
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Kommentare

Fagballs
  

Wow, der Test hat mal Format, auch wenn er sich an einigen Stellen wiederholt.
Bzgl der Limited Edition: Fand den Soundtrack auch etwas enttäuschend, auf eine CD gehen schon ein paar mehr Lieder. Ich verlange ja keinen 4CD OST wie er Final Fantasy XIII-2 beilag, aber man kann doch bitte wenigstens die CD voll machen. Desweiteren war ich etwas irritiert davon, dass die Anleitung ein Buch im Format einer DVD-Hülle ist, während das Artbook nur CD-Größe besitzt. Das wäre anders herum schöner gewesen.
Das Spiel selber gefällt mir gut, ich mag auch die sehr britischen Stimmen, passt meistens zu dem doch eher mittelalterlichem statt fantasy-artigem Setting.
Geil fand ich die Stelle, wo man das erste mal Monster spawnen kann und jeder Durchgang bei einem oder mehreren Charakteren zu einem Level-Up geführt hat. In wenigen Minuten 4 Stufen pro Person, da kann ich in einem Dragon Quest IX schon mal 1-2 Stunden versenken. Muss aber auch nicht immer hardcore-grinding sein. So kann man sich mehr auf Charaktere und Story widmen, was sich hier einfach wahnsinnig lohnt und ich so von kaum einem anderen Director als Sakaguchi kenne.

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Sir Tonberry
  

Danke für den Test. Ich habe die "limited edition" des Spiels noch ungeöffnet in meiner Vitrine stehen. Im Laufe des Jahres kommt mir eine Wii ins Haus, und ich bin sehr gespannt auf das Spiel.

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REeZAD
  

Super Test, der im großen und ganzen genau das widerspiegelt was ich bereits an Erfahrungen mit dem Titel hatte.
Einerseits finde ich die Charaktere sehr charmant (wenn auch klischébehaftet), und auch das abwechslungsreiche Gameplay und die dynamischen Kämpfe sind sehr erfrischend, andererseits empfinde ich die Steuerung als fummelig und die Übersicht im Kampfgewirr geht des öfteren flöten, was irgendwo auch der geringen Auflösung, und dem Artdesign verschuldet ist, welches durch seinen realistischen Anstrich leider desöfteren dafür sorgt, dass sich die unterschiedlichen Gegnertypen im Pixelbrei schwer von einander abheben - hier wäre ein sauberer Comiclook eventuell die bessere Wahl gewesen.
Alles in allem daher ein unterhaltsames JRPG mit vielen frischen Einfällen, aber eben auch der ein oder anderen ungeschliffenen Kante.

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amigenius
  

Hi,
Ich habe Gerüchte gehört, das man einen PC auch an einen Fernseher/Beamer anschliessen kann....
Tja und dann hat man die Wii Spiele in feinster HD Grafik mit voll funktionstüchtiger Wiimote.
Fairerweise sollte man sich aber die Spiele, auch wenn man Sie über Dolphin spielt, auch kaufen!
cya

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gelöscht
  

kannst ja mit einem 20eurp adapter sämtliche wii controller anschließen, abstürze habe ich keine. naja, jeder wie er will :) fragile dreams schat super aus, danke für den hnweis

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z101
  

Gut geschriebener Test, allerdings für mich etwas zu ausführlich bzw. lang und vor allem zu wenig Absätze da überspringt das Auge gern mal einige Zeilen :)
@kingmo: Wer Wii-Spiele per Dolphin Emulator auf dem PC spielt, hat vielleicht etwas hübschere Grafik (wobei sich bei allen Spielen auf dem Dolphin Grafikfehler einschleichen und auch die Framerate nicht mal auf High-End-PCs konstant ist) aber das Spielgefühl ist einfach dahin wenn man vor dem PC sitzt und sich mit der umständlicher Bedienung und regelmässigen Abstürzen von Dolphin herumärgern muss. Dazu kommt die oftmals nur schlecht funktionierende Steuerung des Emulators. Da gebe ich lieber die 40€ für das Spiel aus und habe den vollen Spielspaß auf der Wii. Aber ich würde auch keine von der Leinwand abgefilmten Filme downloaden und gucken, sondern gehe lieber ins Kino. :)
Xenoblade Chronicles ist ohne Frage das Nonplusultra der Japan-RPG in dieser Konsolengeneration (und für viele sicherlich auch das beste RPG allgemein). The Last Story ist ebenfalls ein hervorragendes Rollenspiel, reicht aber an die Klasse von Xenoblade nicht ganz heran.
Ein weiteres sehr empfehlenswertes JRPG ist übrigens Fragile Dreams, ebenfalls für die Wii, allerdings waren sich die Kritiker da etwas uneins im Gegensatz zu Xenoblade und The Last Story.

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gelöscht
  

nee dolphin emulator..kannst ja dann deine wunschauflösung einstellen

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johnboy
  

@konsolenrocker: Word!

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Claudandus
  

in Full HD? also für Wii U dann :)

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gelöscht
  

nach xenoblade das nächste game für dolphin :D sieht eh viel geiler aus in full hd auflösung.

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