Thief

Plattform: (PS3, PS4, XBO, XBox 360)
Release: 28. Februar 2014

User-Wertung:

Im Test: Thief

Das Remake der Kultserie kann sich nicht entscheiden, was es eigentlich sein will – warum es am Ende weder Thief-Fans noch Action-Adventure-Liebhaber so wirklich glücklich machen kann, klären wir im Test.

Es war einmal ein Remake, das machte (fast) alles richtig: Es bewahrte die Seele des Originals und gab ihm trotzdem einen modernen Spin, opferte einen Teil seiner Komplexität für eine höhere Zugänglichkeit, kitzelte bei Fans die richtigen Old-School-Nerven, ohne Neulinge im Regen stehen zu lassen. Die Rede ist von Deus Ex: Human Revolution, einem jener ganz wenigen Vertreter des modernen »Komm, wir rebooten einen Klassiker«-Trends, bei dem Anhänger des Originals eben nicht die Fackeln anzündeten und die Mistgabeln auspackten.


Ein Anblick, den man vermeiden sollte: Eine Wache hat uns entdeckt!

Ein Anblick, den man vermeiden sollte: Eine Wache hat uns entdeckt!

Insofern ist es erstaunlich, dass derselbe Entwickler - Eidos Montreal nämlich - beim nächsten Anlauf am gleichen Unterfangen zumindest teilweise scheitert: Denn das neue Thief ist nicht Thief genug, um Fans des Originals glücklich zu machen - aber zu viel Thief, um sich gegen die Action-Adventure-Konkurrenz im Mainstream zu etablieren. Unterm Strich bleibt zwar ein ordentliches, ja mitunter spannendes Spiel. Aber eben auch die schleichende Erkenntnis, dass Eidos Montreal besser daran getan hätte, konsequent in eine Richtung zu entwickeln, anstatt auf sämtliche Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen und es am Ende niemandem so wirklich Recht zu machen.



Killergören und Nazi-Irrsinn

Die Probleme beginnen schon im Prolog. Statt Garrett als Meisterdieb zu etablieren, uns also den Eindruck zu vermitteln, dass wir im Kontext der Spielwelt eine lebende Legende steuern, arbeiten sich die Autoren an einer neuen Nebenfigur ab: Erin. Die junge Frau war offenbar mal Garretts Protegé (eine Information, die uns das Spiel so lange vorenthält, dass wir annehmen, sie wurde zu Spielbeginn schlicht vergessen) und bildet gewissermaßen den Gegenentwurf zum Protagonisten: impulsiv, draufgängerisch, kaltblütig mordend.

Der Konflikt zwischen Garrett und Erin, die zusammen ins Anwesen von Baron Northcrest einsteigen sollen, um einen sogenannten Urkraftstein zu klauen, funktioniert zwar grundsätzlich prima, ist aber nicht zu Ende gedacht: Im weiteren Handlungsverlauf nimmt Erins Schicksal nämlich eine zentrale Rolle ein, uns allerdings lässt es völlig kalt, weil das Spiel sie buchstäblich von der ersten Minute an als unsympathische Killergöre zeichnet.


Der beste und sicherste Weg führt stets über die Köpfe der Wachen

Der beste und sicherste Weg führt stets über die Köpfe der Wachen

Ähnlich ergeht es auch der Stadt und ihren (wenigen) Bewohnern. Wenn nach dem Ende des Prologs plötzlich und rätselhafterweise ein ganzes Jahr vergeht, bevor Garrett wieder zu sich kommt, und sich die politische Situation in der Stadt innerhalb dieses Jahres zur faschistischen Diktatur mit angedeuteter Nazi-Symbolik entwickelt hat, dann denken wir eben nicht: Wie konnte das wohl passieren? Sondern wir denken: Ach. Denn das Spiel versäumt es völlig, diese Entwicklung in irgendeiner nachvollziehbaren Weise zu inszenieren. Wir wachen auf, und es ist Drittes Reich.

Da passt es ins Bild, dass Garrett seine einjährige Amnesie mit einem gleichgültigen Schulterzucken hinnimmt und weiterklaut, als sei nichts passiert. Das enttäuscht insbesondere im Vergleich zum intensiv erzählten ersten Thief (in Deutschland Dark Project getauft), das Garrett unversehens in einen Krieg zwischen Natur und Technik hineinschlittern ließ, der den Meisterdieb sogar sein rechtes Auge kostete und so zu einer sehr persönlichen Angelegenheit wurde. Und das, obwohl Garrett anfangs eigentlich nur eines wollte: stehlen Dieser Test zu Thief und das eingebettete Testvideo stammen ursprünglich von unseren Kollegen Jochen Gebauer und sind zu erst bei GamePro und GameStar erschienen. Alexander Voigt von AreaGames ist nur für die Bildunterschriften und die Zweitmeinung verantwortlich. Die GameStar-Wertung des Spiels beträgt 78%, was nach unserem Wertungs-Schema 3/5 Sternen entspricht.

Kommentare

Alexander Voigt
  

@2Happy: Cool, vielen Dank für deine ausführliche Spielspaßbeschreibung :-). Es freut mich ja auch, dass es dir Spaß macht, zumindest bei mir ist der Funke halt bis heute nicht übergesprungen. Kann aber auch sein, dass das Setting halt nicht so meins ist. Das mit dem Touchpad finde ich trotz deiner Erklärung immer noch konter intuitiv ;-). Der Effekt mit der Controller-Leuchte ist allerdings wirklich meistens cool.

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2happy
  

Zitat von Alexander Voigt

Alexander Voigt schrieb:

@ 2happy: Na, dann wäre ich mal gespannt, wie deine Meinung nach den ersten Spiel-Stunden ist. Und nur mal so: Ich hab DXHR auf Schwer und Pazifist durchgespielt. Muss also auch nicht immer ballern.



@Alex: Hier ist meine Meinung :-)

Mir ist klar, dass sich Spielspaß nicht mit Worten herbei zaubern lässt. MIR macht - trotz Deiner Prophezeiung - auch nach 5-6 Stunden Thief immer noch extrem viel Spaß (- Deine herablassenden Bemerkungen im Podcast allerdings weniger).
Mir gefällt die Atmo, die flüssige Steuerung, die interessanten Locations, die vielen Lösungswege und die damit verbunde spielerische Freiheit.

Bisher nerven mich nur die endlosen Sprachloops zB der Wachen :-)
Ansonsten finde ich die storyrelevanten Sprecher, und die kleinen Unterhaltungen, die man auf den Dächern durch die Fenster mithören kann, meist recht gut.

Ein paar Anmerkungen zu den im Podcast aufgeführten Kritikpunkten:

- Das Touchpad funktioniert bei mir 100% problemlos. Entweder ist Deins kaputt, oder Du hast nicht begriffen, dass bei der Auswahl von Pfeil/Wurfgegenstand sich nur das Symbol rechts unten ändert, der Gegenstand aber erst sichtbar ist, wenn man R2 drückt...

- Deine Speicher-Faulheit dem Spiel anzulasten ist doch lächerlich. Die Quicksave Funktion ist doch geradezu ideal für schwierige Situationen oder Experimente, weil man dann eben NICHT vom Beginn des Austosave-Spielstandes alles wiederholen muss. Also einfach oft speichern, dasnn musst Du nicht weinen.

- Thief war (zum Glück) schon immer ein Spiel mit Fokus auf Schleichen und nicht auf Kämpfen. Auch im ersten Teil hat dir dein Schwert nicht sehr geholfen, wenn mehr als eine Wache hinter dir her war.
Jetzt aber ist man mit dem richtigen Einsatz der Fokuskräfte im Kampf fast unbesiegbar - auch wenn man natürlich erst mal verstehen muss, wie es funktioniert.... Aber ich versuche eh meistens, alles unbemerkt zu lösen. War zB bei Dishonored zu 100% unentdeckt und zu 100% nicht tödlich ;-)

- Körper lassen sich hervorragend verstecken. Sie lassen sich hinter Kisten oder aus Fenstern werfen, man kann sie in dunkle Ecken schleifen, usw usw. Bei mir wurde noch nie einer gefunden (hier noch nicht zu 100% ohne k.o.)....

- Übrigens finde ich es erwähnenswert, dass dies das erste Game ist, bei dem die blöde Controller-Leuchte zur Immersion beiträgt :-)
Das grellweiße Aufflackern, wenn man im Licht (und damit sichtbar) ist, finde ich sehr cool und passend.

- Bugs: Ist natürlich immer Glückssache. Hatte bisher noch keine.

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Mastersheep
  

btw. das 5 Sterne maximum Wertungssystem ist scheisse, sieht man hier wieder bei der unglücklichen Umrechnung.

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3
pommesUNDwurst
  

Ich bin froh das Spiel nicht gekauft zu haben. Habs gerade bei meinem Mitbewohner angespielt, nachdem ich vor ein paar Tagen ein Playthrough davon gesehen habe.
Story ist Mist. Charaktere sind nix. Dialoge wirken wie von einem 12jährigen geschrieben. Atmosphäre ist da, das aber auch nur optisch. Was soll die ausgesplittete Welt?!
Alles was die alten Teile gegenüber dem Rest abgehoben hat, ist weg. Von der Mechanik (die auch schon damals nicht perfekt war, aber zumindest funktioniert hat) will ich mal garnicht anfangen.
Wer schleichen will, kramt das 2 Jahre alte Dishonored raus. Ich mach es auf jeden Fall. Irgendwie hab ich dem nicht die Beachtung geschenkt, die es scheinbar verdient.

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1
swagi666
  

Zitat von CoupeFX2

CoupeFX2 schrieb:


Muss man den kennen?



Hab grad nach dem gegoogelt.

Ehrlich? Nö. Muss man nicht kennen. Aber scheint irgendwie ein netter zu seun. Ich fand das Viedo hier jedenfalls lustig ;-)

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0
CoupeFX2
  

Zitat von Cendoor

Cendoor schrieb:

Ihr wisst, dass selbst David Hain hier mal gearbeitet hat?



Muss man den kennen?

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3
Claudandus
  

er einfach mal wieder Usertest zulassen :)
Und ich meine nicht diese privaten Microtests im Profiel die eh keiner liest. :)

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4
Cendoor
  

Sorry Leute, aber ich verstehe euer Problem nicht.

Ich weiß nicht, ob ich zur Minderheit gehöre, aber ich kam jedenfalls vor ca. 5 Jahren über iTunes zum Podcast, habe diesen lieb gewonnen und habe in etwa ein halbes Jahr später angefangen diese Seite hier täglich zu besuchen. Seit dem hat sich an diesem Verhalten nichts geändert, man hat die Redakteure in seinen Freundschaftslisten, kann mal miteinander was anspielen, bekommt jede Woche 2-3h die Meinung zu aktuellen Spielen, allerlei Sonstigem usw.

Die Meinung die Alex zu Thief hat, wird er höchstwahrscheinlich gerade mit dem Rest ins Mikro plappern und ich kann es mir in Ruhe anhören. Zusätzlich bekomme ich noch einen Test von einem Spieletester, um noch mehr Meinungen einzuholen ohne groß durchs Internet zu googlen. Ich würde ja verstehen, wenn man sich beschwert wenn nur ein Test auf die Seite kommt um Klicks zu generieren und nie wieder darüber geredet wird. Dem war bisher allerdings noch nie so.

Und dafür bekomme ich ganz andere nette Sachen mit, z.B. habe ich das Gefühl "Maxi" beim aufwachsen zugehört zu haben ;) Außerdem habe ich wirklich viele nette Leute kennen gelernt und nette Redakteure. Ihr wisst, dass selbst David Hain hier mal gearbeitet hat? Dürfte so in Podacst 40 - 60 oder so mal gewesen sein :D

Ich kanns nur wiederholen was ALV auch öfter mal im Podcast erwähnt: Die Leute die zufrieden sind, sind meist ruhig zufrieden. Nur die Unzufriedenen hört man oft ganz laut. Oftmals zu laut.

Keep on working (y)

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9
de Maja
  

Naja in jedem Test ist halt auch immer euer persönlicher Schreibstil dabei, dass ist auch einer der Gründe gewesen warum man so gerne auf Ag ist.
Seitdem Pook'schen weggang wurde es leider immer weniger.

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4
Alexander Voigt
  

Ja, tolle doppelte Verneinung...man sieht schon, es ist besser wenn ich keine Testberichte mehr abliefere...

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27.02.2014, 11:45 Uhr

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