Twisted Metal

Plattform: (Wii U)
Release: 15. Februar 2012

User-Wertung:

Test: Twisted Metal

Die PlayStation exklusive Reihe steht seit jeher für unkomplizierten Spaß, gepaart mit einer unbeschreiblichen Zerstörungsorgie. Fahrzeuge, die von der Stoßstange bis zum Heck mit allen erdenklichen Waffen aufgestattet sind, liefern sich eine explosive Schlacht auf vier Rädern. Ob es dem neuesten Teil gelingt, an alte Tugenden anzuknüpfen, erfahrt ihr in unserem Test.

Das Spielprinzip von Twisted Metal lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Völlig verrückte Charaktere treten mit ihren abgedrehten Fahrzeugen mit verdammt vielen Waffen bei einem tödlichen Turnier an, das nur einer überleben wird. Damit ist eigentlich schon fast alles zu Twisted Metal gesagt. Die Zutaten für einen spaßigen Multiplayer-Titel klingen in der Theorie vielversprechend, zumal die Reihe seit über zehn Jahren ihr Unwesen treibt. Während meiner jungen Jahre verbrachte ich viele Nachmittage mit Freunden im Mehrspieler-Modus von Twisted Metal und erinnere mich mit Freude an einstürzende Eiffeltürme zurück. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf ein Twisted Metal in HD. Als ich das Testmuster auf meinem Tisch vorfand, rieb ich mir freudig die Hände … und wurde leider enttäuscht.
Da meine letzten Twisted Metal Erfahrungen in weiter Ferne liegen, startete ich zunächst das Tutorial. Meistens beschränken sich Tutorials auf die Erläuterung der Steuerung und sind entsprechend schnell abgefrühstückt. Nicht so bei Twisted Metal. Der PlayStation Controller wird komplett ausgereizt. Da sind nicht nur sämtliche Buttons belegt, sondern auch die Richtungstasten des digitalen Steuerkreuzes sowie die Druckpunkte der Analog Sticks. Doch damit nicht genug, auch Doppelbelegungen sind vorhanden. Somit bekomme ich den Eindruck, einen komplexen Flugsimulator vor mir zu haben. Dabei lenke ich doch nur ein paar simple Fahrzeuge und will etwas ballern, oder habe ich womöglich etwas falsch verstanden? Die Steuerung ist deshalb so derbe überladen, weil die Fahrzeuge in alle möglichen Richtungen schießen können und fast jede Waffe über einen alternativen Feuer-Modus verfügt. Die Steuerung als komplex und hoffnungslos überfrachtet zu beschreiben, ist noch untertrieben. In der Hoffnung, dass die meisten Möglichkeiten nur eine untergeordnete Rollen spielen könnten, stürze ich mich in den Story-Modus.
Test: Twisted MetalCalypso, dessen Name mich stets an ein Wassereis erinnert, ist der Veranstalter des ominösen Twisted Metal Events. Der Gewinner erfreut sich nicht an Geld und Ruhm, sondern hat einen Wunsch frei. An einer Wunderlampe zu reiben, wäre zwar einfacher, aber längst nicht so spektakulär. In dem Story-Modus erfahren wir nacheinander die Schicksale von drei Psychopathen und die Hintergründe ihrer fragwürdigen Motivation. Den Anfang macht Sweet Tooth, ein verrückter Clown, mit dem nicht zu spaßen ist. In dem morbiden Intro-Video muss ich mitansehen, wie er in ein Haus eindringt und die komplette Familie auslöscht. Ein kleines Mädel setzt sich zur Wehr, rammt ihm eine Schere ins Gesicht und gelingt als einziger Person die Flucht. Da bisher noch niemand Sweet Tooths Amok-Läufe überlebt hat, ist er fortan von dem Gedanken besessen, das kleine Mädchen ausfindig zu machen. Ein Sieg bei Calypsos Turnier würde ihm diesen Wunsch endlich erfüllen. Ich habe kein Problem mit heftigen Stories, aber das geht mir eindeutig zu weit. Ich möchte mich nicht mit einem Mörder identifizieren, dem ich dabei behilflich sein soll, einem entflohenen Opfer den Rest zu geben. Ich verdränge den Gedanken an die unsympathische Story, drehe den Zündschlüssel um und trete aufs Gaspedal.
In dem Story-Modus warten unterschiedlichen Events auf einen. Bis auf wenige Ausnahmen wird man hauptsächlich in Death-Match Arenen geschmissen. Als erstes sticht einem die durchschnittliche Grafik ins Auge. Verwaschene Texturen, wenige Details und billige Explosionen sind einer PlayStation 3 mehr als unwürdig. Wenigstens rockt der Soundtrack die Hütte und Künstler wie Rob Zombie schmeicheln dem Gehörgang. Doch bereits im ersten Match macht sich ein grober Schnitzer im Gameplay bemerkbar. Eigentlich sollten sich bei einem Death-Match alle Teilnehmer untereinander bekriegen, stattdessen haben es alle auf mich abgesehen. Wurde das eigene Fahrzeug erst in eine Ecke gedrängt, gibt es kaum noch ein Entkommen aus der misslichen Lage. Ist der eigene Schaden zu groß, lohnt sich ein Abstecher in die Werkstatt. Dort lässt sich das kaputte Gefährt gegen ein intaktes austauschen. Aus diesem Grund muss man sich vor Beginn eines Matches für drei Karossen entscheiden. Sind sämtliche Feinde ins Jenseits befördert, geht es zur nächsten Runde und das eintönige Spiel beginnt von vorne. Waffen suchen, Gegner zerstören, fertig. Nach einer handvoll Events wird die geschmacklose Geschichte mit einer Zwischensequenz weitergesponnen. Der Schwierigkeitsgrad zieht dabei relativ schnell an und driftet sogar ins Unfaire ab. In einer Partie zum Beispiel fährt der extrem gut gepanzerte Juggernaut Truck durch die Gegend und lässt regelmäßig neue Feinde spawnen. Also gilt es, ihm möglichst schnell den Garaus zu machen. Allerdings ist er nicht nur schwer gepanzert und bewaffnet, sondern für die anderen Teilnehmer scheinbar unsichtbar, da man während des schwierigen Unterfangens zusätzlich von allen Feinden unter Beschuss genommen wird. Spielspaß sieht für mich anders aus. Am Ende eines Abschnitts wartet natürlich ein gemeiner Boss-Kampf darauf, einem das Leben zur Hölle zu machen. Diese Kämpfe haben es wirklich in sich und benötigen grundsätzlich mehrere Anläufe, bis sich die richtige Taktik heraus kristallisiert hat.
Der bockschwere Single-Player Modus trieb mich direkt in den Online-Modus von Twisted Metal. Aufgrund der Chancengleichheit rechnete ich mir etwas mehr Spielspaß aus. Die Spielmodi unterscheiden sich in "jeder-für-sich-Spiele", "Teamspiele" und den Nuke-Modus. Nuke ist eine abgedrehte Version von Capture the Flag. Fangt den Anführer des anderen Teams und entführt ihn zurück zum Raketenwerfer der eigenen Basis. Durch das Opfern des Anführers im Raketenwerfer wird eine Rakete direkt in die Statue des Feindes abgefeuert. Der Feind kann die Rakete jedoch in der Luft abschießen. Ist die Statue des Feindes zerstört, hat das Team gewonnen. Das ist wieder etwas, was auf dem Papier besser klingt als es tatsächlich ist. Der Netzcode von Twisted Metal ist gelinde gesagt eine Katastrophe. Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, überhaupt passende Mitspieler zu finden. Jeder Spielmodus verlangt nach einer gewissen Anzahl an Teilnehmern, die sich allerdings fast nie finden lassen. Teilweise war ich eine Stunde lang unterwegs, um ein passendes Match zu finden. Gerade für einen Titel, der den Schwerpunkt auf Multiplayer-Action legt, ist das ein ziemlich großer Kritikpunkt. Schade!
Test: Twisted MetalGenerell verspielt Twisted Metal an allen Ecken und Enden Potenzial. Die zahlreichen unterschiedlichen Fahrzeuge mit Namen wie Darkside, Reaper oder Shadow sind durch die Bank weg gut designt. Auch unter den acht Levels findet sich die eine oder andere Perle, wie zum Beispiel das Black Rock Stadium. Die Arena ist mit jeder Menge tödlicher Fallen gespickt, die dem Twisted Metal Event einen B-Movie Charme verleiht. Quasi eine Hardcore Variante des Death Races. Den meisten Locations fehlt es aber an Wiedererkennungswert oder gar Sehenswürdigkeiten, wie es bei früheren Teilen der Reihe der Fall war. Klassische Wettrennen gibt es übrigens auch, allerdings sind diese aufgrund des exessiven Waffengebrauchs arg vom Zufall abhängig. Das ist leider eines der großen Mankos von Twisted Metal. Der Zufall und das Chaos regieren die Welt, beziehungsweise entscheiden sie über Sieg oder Niederlage. Kombiniert mit dem teilweise fast schon unfairen Schwierigkeitsgrad, bleibt unterm Strich leider nicht mehr viel vom Spielspaß übrig.
Ich bin maßlos enttäuscht. Was hat David Jaffe nur aus Twisted Metal gemacht? Es ist schon eine Weile her, dass mich ein Titel beim Testen so wütend und aufbrausend gemacht hat. Mehr als einmal schlug ich vor Frust über den Schwierigkeitsgrad mit dem Controller auf die unschuldige Couch ein. Die Story, mit den psychopathischen Charakteren, hat mich direkt abgeschreckt. Ich möchte mich partout nicht mit einem verrückten Mörder identifizieren und ihm bei seinem kranken Unterfangen behilflich sein. Selbst wenn man darüber hinweg sieht, bleibt nur das chaotische Gameplay, wo man sich gegen die gesamte Konkurrenz behaupten muss. Einer gegen alle, na schönen Dank! Dazu eine überfrachtete Steuerung, die direkt aus der Hölle kommt. Umso länger ich mich mit dem Spiel auseinander gesetzt habe, desto schwerer fiel es mir, meinen Spaß mit Twisted Metal zu haben. Der schlechte Netzcode verdirbt sogar den Multiplayer-Modus, wovon das Spiel wirklich profitiert hätte. Als Download-Titel und für den Bruchteil des Preises hätte Twisted Metal vielleicht eine Daseinsberechtigung gehabt, so bleibt leider nur ein durchschnittlicher Titel mit zu vielen Macken und Schwächen. Um darüber hinwegzusehen, muss man schon ein knallharter Fan sein, wirklich bedauerlich.

Kommentare

yates
  

hört sich cool an.. besser als der xte HALO "ich rette die Welt-retten Müll..." .. naja - eine 5 von 10 ist definitiv nicht.. evt. hat ja Sony bei TM weniger Werbung bezahlt als sonst ;)

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Der Ralle
  

Ich als Familienvater bin da nur bei allen Redakteuren. Wie dumm und krank kann ein Mensch sein der eine solche (mit Verlaub) Scheiße in ein Spiel einbaut. Kranker Serienmörder hin oder her, solch ein Inhalt hat in keinem Medium was zu suchen. Hier geht es um ein Mädchen dass sich dem Mörder ihrer Familie erwehrt hat, welche dann als "Racheziel" Deines Spielcharakters am Ende getötet werden soll?
Haaaaaaaallllooo ?!?!?!?!?!?!!!!
Wer so etwas, egal in welchem Medium, genießen oder auch nur dulden kann, sollte meiner Meinung nach dringend mal seine Werte - und Weltanschauung samt moralischem Kompass untersuchen lassen.
Für diesen Inhalt ist der Mensch David Jaffe als ausführender Produzent voll verantwortlich und sollte somit nie wieder auch nur in die Nähe eines Spielentwicklerbüros gelassen werden. Am besten darf er gar keine medialen Inhalte mehr erstellen.

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KING_BAZONG
  

Die berühmte Ansichtssache....ich habe mittlerweile eine Wii (wegen Xenoblade und Last story), eine 360 immer noch nicht, mangels Kaufgründen ;)

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Tom Turbo
  

Und wenn nach grandiosen Uncharted, Infamous, Motorstorm, Killzone, LBP und was weiß ich was noch alles mal ein Titel nicht das hält, was versprochen wurde, ist das halb so wild.
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Von deinen aufgezählten Franchises haben auch andere nicht alles gehalten was, versprochen wurde. Die Fortsetzungen wirkten oft uninspiriert und sind für mich als 360-Only kein Kaufgrund. Die PS3 ist mittlerweile sehr günstig zu haben und ich sehe mich bei dem Exklusivangebot weiterhin nicht genötigt, zuzuschlagen. Könnte man natürlich je nach Geschmack und präferierten Spielereihen auch über die 360 sagen. Aber wer die eine Konsole hat, braucht die andere nicht wirklich. Mittlerweile sind auf beiden Konsolen die Exklusivspiele nicht mehr der Burner. Franchises wie Halo, Gears, God of War oder Killzone sind diese Gen sehr altersmüde geworden. Da freu ich mich mehr auf The Witcher 2, Bioshock Infinite und Co.
Das einzige interessante Exklusivspiel 2012 ist für mich Halo 4. Und das auch nur, weil es nicht mehr von Bungie entwickelt wird. Für die PS3 erscheint nur noch Shovelware. Twisted Metal bildet da keine Ausnahme.

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KING_BAZONG
  

Schade für die Fans der Reihe (ich bin und war nie einer).
Und wenn nach grandiosen Uncharted, Infamous, Motorstorm, Killzone, LBP und was weiß ich was noch alles mal ein Titel nicht das hält, was versprochen wurde, ist das halb so wild.
Tales of Graces, Tales of Xillia (?), Ni no kuni, Last Guardian, God of war 4 und The last of us erwarten uns PS3'ler auch noch.

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Micherl
  

Das spiel ist doch eh schon seit einem monat draußen, oder? wayneee

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Wander
  

Hm... nach dem ich die Demo gespielt habe kann ich das nur so unterschreiben. Sicherlich wäre es mir gelungen mich mit einem geisteskranken Massenmörder zu identifizieren, schließlich hab ich vor paar Minuten noch God of War 3 gespielt, aber leider fand ich TM dermaßen langweilig, dass ich mich gar nicht über die schicke Mucke oder das fordernde Chaos freuen konnte. Ich glaube zwar, dass es mit paar Kumpels (natürlich reichlich abgefüllt) vor dem Fernseher durchaus Bock machen würde, aber Geld will ich Jaffe dann doch nicht in seinen unsympathischen Aufschneiderarsch schieben, Zwar schade um Twisted Metal, aber wohl verdient für Social Games Jaffe.

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Nils Lendeckel
  

Jupp, die Demo vermittelt bereits einen guten Eindruck davon, was einen in Twisted Metal erwartet.

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BGKfromEden
  

Ich habe den 2ten Teil sehr gerne gespielt, und mich auf den neuen Ableger gefreut, bis dann die Demo kam. Naja, Geld gespart! :)

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FETTE_KARTOFFEL
  

Bei Gamerankings hat es im Schnitt 78%, ich glaube sooo schlimm ist das Spiel nicht. Für ein Schnäppchen aus England wird es reichen.

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