Vanquish

Plattform: (PS3, XBox 360)
Release: 15. Oktober 2010

User-Wertung:

Vanquish

Man kann den japanischen Entwicklern von Platinum Games zumindest nicht vorwerfen, dass sie trödeln: Knapp 10 Monate nach Bayonetta kommt ihr neuer Titel Vanquish ins Haus. Diesmal mit coolem Typ statt heißer Hexe und jeder Menge 3rd Person Action, gegen die selbst ein Gears of War wie ein Rundenstrategiespiel aussieht. Aber bietet das Spiel auch genug Substanz, oder ist sein Nonstop-Feuerwerk reines Blendwerk?


Worum gehts?

Eigentlich mögen wir ja Mikrowellen. Vor allem, wenn sie unser Mittagessen warm machen. Weniger schön sind Mikrowellen, wenn sie unsere Stadt zerbröseln und wir dabei zusehen müssen, wie alle Einwohner erst vor Wut und dann vor Hitze kochen. Genau das macht aber in naher Zukunft eine finstere russische Militärregierung namens "Order of the Russian Star", die von einem Bösewicht geführt wird, der rein optisch wohl das uneheliche Kind von Vladimir Putin und Nosferatu ist. Nachdem die Russen San Francisco mit ihrer "Mikrowellen-Aus-Dem-All" Kanone zerstört haben, reagiert die US-Regierung, angeführt von einem angegrauten Hillary Clinton Double, natürlich sofort: Sie schickt eine Einheit ihrer besten Männer in den Weltraum, um auf einer Station, die a) entweder von Mass Effects "Citadell", b) von Halos Ringwelt oder c) aus 10283 anderen SciFi Romanen geklaut wurde, nach dem rechten zu sehen, und die ganzen russischen Roboter, die sich dort tummeln, wieder zu Altmetall zu verwandeln. Meine Beschreibung bleibt hier etwas vage, weil sich auch Vanquish keine übertriebene Mühe gibt, das Geschehen großartig zu erklären. Wichtig ist nur, das man selbst in die Haut von Sam Gideon schlüpft, der mit seiner neuartigen Prototyp-Kampfrüstung natürlich ganz vorne mit dabei ist, wenn es darum geht, Blechbüchsen in den Hintern zu treten. Und oh mein Gott, das macht er wirklich.
Vanquish

Haben die eine Nano-Suit bei Crysis geklaut?

Während das zahlreiche Kanonenfutter, das Sam auf seinem Kampf begleitet, nur in einer Standard-Militär-Panzerung steckt, über die auch das Noble-Team hinter dem geschlossenen Visier nur leise kichern würde, steckt Mister Gideon (also Sam, für die Leser, die den ersten Absatz schon wieder vergessen haben) in einem neuartigen Kampfanzug der den schicken Namen "Augmented Reaction Suit" trägt. Nun sind solche Körperpanzerungen für Videospieler vermutlich so originell wie ein Hartz IV Witz von Cindy aus Marzahn, die meisten Elemente kommen einem aus Crysis, Halo, und der Space-Marine Panzerung aus StarCraft natürlich sehr vertraut vor. Trotzdem sind es die Fähigkeiten des Anzugs, die Vanquish zu ungeahnten Spielspaßhöhen treiben. Denn natürlich lässt sich unser Held in der 3rd Person Perspektive genauso steuern, wie wir es von Gears of War gewohnt sind. Laufen, ballern und in Deckung gehen. Doch der von einem Mini-Reaktor angetriebene Anzug bietet noch weitere Möglichkeiten: Zum einen bieten kleine Schubdüsen in den Knien einen tollen Power-Slide, mit dem man sich wahnsinnig schnell und unheimlich stylisch von einem Punkt zum anderen schliddern kann. Befindet sich am Endpunkt der Rutschpartie praktischer weise noch ein Gegner, kann hier schnell eine der eindrucksvollen Nahkampfattacken ausprobiert werden.
Zum anderen bietet der Anzug die Möglichkeit, bei einem Ausweichmanöver in Zeitlupe zu schalten, um so besonders effektiv gegnerische Ziele ins Visier zu nehmen. Ja, die gute alte Bullet-Time ist also wieder am Start. Besonders hilfreich: Steckt Sam zuviel Schaden ein, aktiviert sich die Zeitlupe automatisch, so dass der Spieler noch die Chance hat, sich in letzter Sekunde in Sicherheit zu bringen oder den Grund seiner Nahtoderfahrung die Bolzen aus dem Metallschädel zu ballern. Meistens klappt auch beides. Und das sieht dann verdammt gut aus.
Vanquish

Spielt es sich so gut, wie es aussieht?

Ooooh ja! Sogar besser. Wer bereits die Demo ausprobiert hat, oder einige Videos von Vanquish gesehen hat, wird schon einen Eindruck bekommen haben, wie gut das Spiel aussieht. Zum einen sind Umgebung, Held und Gegner detailliert modelliert und dabei schick ausgeleuchtet. Zum anderen fliegen andauernd Hunderte von Geschossen durch die Gegend. Wird man gerade wieder von tausenden Mini-Raketen ins Visier genommen, bekommt man schnell den Eindruck, HD-Fernseher wurden nur erfunden, damit Spiele wie Vanquish entsprechend dargestellt werden können. Die ganzen Partikeleffekte kommen natürlich auch in der Zeitlupe bestens zur Geltung, in der man die Flugbahn jedes Projektils einzeln verfolgen kann. Dicke Raketen kann man sogar noch in der Luft abschießen. Doch es gäbe sicherlich genug Entwickler, die tolle Grafik mit missratenem Gameplay versauen könnten.
Nicht so Platinum Games: Mit der Erfahrung von Mad World und vor allem Bayonetta in der Hinterhand sind sie natürlich sehr vertraut mit dem 3rd Person Action Genre. Trotzdem schaffen sie eine leichtgängige Steuerung, die trotz voller Joypad-Belegung schnell von der Hand geht und den Spieler damit in die Lage versetzt, ein wahres Ballet des Todes aufzuführen. Ähnlich wie bei Ninja Gaiden geht es darum, schnell, elegant und effektiv die Gegner auszuschalten, nur das man bei Vanquish dafür keine nervigen Kombos auswendig lernen muss. Stattdessen greift man auf konventionelle Waffensysteme wie Sturm- und Scharfschützengewehre zurück, garniert durch etwas exotischere Knarren wie den Scheibenwerfer. Aber weder Ballermänner noch Handgranaten sind es, die das Spiel so besonders machen. Es ist ihr spektakulärer Einsatz, der immer zwischen turboschnellen Rutschmanövern und präzisen Bullet-Time Einsätzen schwankt, und dafür sorgt, dass der Spieler andauernd Manöver ausführt, die andere Action-Spiele höchstens in Zwischensequenzen zeigen.
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Können Roboter bluten?

Auf den ersten Blick mag es sich beinahe öde anhören, dass die Russen nur Blechbüchsen in Kampf schicken. Schließlich sind wir es aus Gears of War gewohnt, uns gerne auch mal durch die Gedärme unserer Gegner zu schneiden und auf einer lustigen Blutrutsche nach außen zu gelangen ("Wie den Wurm. Von innen!"). Doch das ausgesprochen einfallsreiche Gegnerdesign macht solche Gedanken schnell vergessen. Schließlich gewährleisten auch nur Roboter, dass fast alles mit großen Knall explodiert, was ihr auf eurem Weg um die Ecke bringt. Doch während die normalen Gegner schon einfallsreiche kleine Killermaschinen sind (besonders originell: Laufende Tonnen, die sich in portable Schutzmauern verwandeln), schießen die Endbosse den Vogel ab: Hier zeigt Platinum Games kreative Meisterwerke, die man so in westlichen Spielen nicht findet: Riese Roboter, die sich mehrmals verwandeln, gigantische Kampfschiffe, die ihr in mehreren Schritten kaputt machen müsst, all dies lässt euch beim ersten Mal den Mund offen stehen lassen und vermutlich auch sofort sterben. Denn die riesigen End- und Zwischengegner wollen mit der richtigen Taktik bezwungen werden. Wer Bayonetta gespielt hat, kann sich ungefähr vorstellen, zu welch adrenalinsteigernden Bosskämpfen Platinum Games in der Lage ist.
Schade nur, dass der Spieler zwar selten alleine unterwegs ist, die mitkämpfenden Teamkollegen wohl aber nur für die auf cool getrimmten Zwischensequenzen gebraucht werden. Denn obwohl sie im Kampf immer fleissig um sich ballern, hat man schnell den Eindruck, die Jungs würden nur Übungsmunition benutzen. Im Grunde muss sich der Spieler um jeden Feind persönlich kümmern. Das wissen wohl auch die Endgegner, die sich vor allem auf Sam einschießen. Aber das ist ja nur fair, schließlich rennt ja nur der Spieler in dieser ultra-schicken Kampfrüstung herum.
Vanquish

Muss die PS3-Version wieder abgewertet werden?

Nein. War bei der PS3-Version von Bayonetta noch einiges im Argen, hat Platinum Games bei Vanquish eindeutig seine Hausaufgaben gemacht. Ursache dürfte wohl auch gewesen sein, dass bei der Entwicklung die PS3 als Leitplattform gedient hat. Getreu dem Motto "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen", macht es einfach mehr Sinn, erst ein Spiel auf der komplexen PS3 zu programmieren und dann zur etwas programmierfreundlicheren Xbox 360 zu portieren. In der Konsequenz bedeutet das, dass Vanquish auf beiden Plattformen nahezu identisch gut aussieht, auf beiden Konsolen flüssig läuft, die Ladezeiten auch auf der PS3 dank optionaler Installation angenehm kurz sind, und die Sony Blackbox sogar mit aktivierten V-Sync noch einen kleinen Vorteil gegenüber der 360 besitzt.

Ich finde im Menu kein Multiplayer. Was mache ich falsch?

Nichts. Vanquish ist ein reines Single-Player Spiel. Und ja, das bringt uns zur Frage der Spielzeit. Eins vorweg: Vanquish Schwierigkeitsgrad ist nicht von schlechten Eltern. Wer nicht gerade auf "Einfach" spielt, wird zahlreich Gelegenheiten bekommen, ins virtuelle Gras zu beißen. Das liegt zum einen an der recht guten und agressiven KI der feindlichen Roboter, die gerne auch mal über die Flanken oder von hinten angreifen. Zum anderen liegt das an den sehr harten und oft mehrstufigen Bosskämpfen, die einiges an Geschick und Timing benötigen, dafür aber auch immer ein unbeschreiblich befriedigendes Gefühl beim Abschluss liefern. Ein erster Durchgang dürfte geübte Spieler zwischen 8 und 10 Stunden beschäftigen, am besten verteilt auf einzelne Dosen à 1-2 Stunden. Schließlich guckt sich auch niemand ein 10-Stunden Feuerwerk an, oder? Wie aus der guten alten Zeit mutet das Abschluss Briefing nach jeder Mission der insgesamt 5 Kapitel des Spiels an: Hier werden Punkte für erledigte Feinde, eingesammelte Items und Spielertode vergeben. Genau wie bei Max Payne werden Spieler jedoch auch nach Abschluss des Spiels Lust auf einen zweiten Durchlauf haben, einfach um einige Szenen mit anderen coolen Manövern zu meistern oder ihr erworbenes Wissen an einem höheren Schwierigkeitsgrad unter Beweis zu stellen.
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Vanquish: Deutscher Story-Trailer


Die Definition des Wortes Actionfeuerwerk

Kommentare

Gaylord_M_Focker
  

Das Spiel ist ein Traum =)

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farrellybrother
  

Mich interessieren die Waffen aus dem Vorbesteller-DLC! Kann man die Waffen auch im Game erspielen?

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farrellybrother
  

@salasar

Vom Design und der Action her ist das Game tats?chlich absolute Spitzenklasse. Es ist wie bei MODERN WARFARE 1; beide sehen genial aus, aber Textur- und Schattendarstellugen sind im Detail eher verwaschen und gewollt "dreckig".


Games wie RESIDENT EVIL, HALO REACH oder UNCHARTED haben eine viel bessere Weitsicht, Lichtdarstellung und eben bessere Texturen.

Aber wie schon gesagt, VANQUISH ist ein erfrischend "anderer" Shooter mit schier atemberaubenden Szenen.

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miguel2009
  

Jap grafisch ist das echt hammer. Und endlich hab ich das mit der Zigarette rausgefunden, wie geil.

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salasar
  

@farrellybrother

?!? Haben wir das gleiche Spiel gespielt?! Ich find das optisch (Grafisch) eine absolute augenweide!! Oo

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Neilz
  

kleines update: challengemode gibts erstmal nur, wenn man mindestens auf normal durchzockt. auf "einfach" wirds nicht freigeschaltet!

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DerPate007
  

habe das fragezeichen vergessen^^

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DerPate007
  

Das Spiel ist ein (in Sachen Action und nicht Story^^) ein einziger H?hepunkt.

mal ne grunds?tzliche Frage.
Gab es zu den meisten Spielen nicht immer ein Testvideo (hier auf Areagames nat?rlich^^)

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Saibot
  

Wow! Ich war nach der Demo etwas entt?uscht, fand die Steuerung etwas hakelig und bei mir sah das alles nie cool aus :D Aber ich habe mich auch nur kurz damit besch?ftigt.
H?tte nie mit einer 9 gerechnet. Aber cool, ich werde mindestens die Demo nochmal ausprobieren m?ssen oder sogar das Spiel die n?chsten Tage mal ausleihen.

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iwin86
  

@ Alexander Laschewski-Voigt

Als einen der wenigen Minuspunkte hast du "Gegner nur aus Metall" aufgelistet.

Ich wei? zwar nicht wie die Schnitte in der deutschen Fassung sind, aber sp?ter tauchen auch noch menschliche Gegner auf.

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