Watch Dogs

Plattform: (PC, PS3, PS4, Wii U, XBO, XBox 360)
Release: 27. Mai 2014

User-Wertung:

Watch Dogs ausführlich angespielt: Zuviel gewollt?

Watch Dogs ausführlich angespielt: Zuviel gewollt?

Unsere Münchner Kollegen haben stundenlang mit einer fertigen Version von Watch Dogs verbracht. Dabei schwankt das Spiel ständig zwischen genial und okay, ohne das alle Teile so richtig zusammen passen wollen.

Oktober 2013: Als Ubisoft den Veröffentlichungstermin von Watch Dogs nur wenige Wochen vor dem geplanten Release ins Frühjahr 2014 schiebt, hebt eine ganze Branche verblüfft die Augenbrauen. Schließlich läuft die Marketing-Maschine bereits auf Hochtouren, Anzeigen wurden geschaltet, Vorbestellungen entgegengenommen, das lukrative Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür und zwei neue Konsolen in den Startlöchern. Verschiebungen sind in der Spiele-Industrie zwar keine Seltenheit, so kurz vor Release - und unter diesen Bedingungen - pfeifen Hersteller ihre Titel aber normalerweise nicht zurück. In der Luftfahrt würde man vom »Point of no Return« sprechen, jener Entscheidungsgeschwindigkeit, bei deren Überschreiten das Flugzeug auch dann abheben muss, wenn ein Triebwerk ausgefallen ist.

Ubisoft spielt die Verzögerung zwar herunter, man wolle lediglich noch am Feintuning arbeiten, heißt es in einem Statement, aber wie später durchsickern wird, steht Watch Dogs vor einem fundamentalen Problem: Die Entwickler haben zwar ein fertiges Spiel, aber seine Einzelteile fügen sich nicht zu einem komplexen, harmonischen Ganzen zusammen. Manche Missionen sind zu schwierig, andere zu einfach. Manche Spielelemente werden nur schlecht erklärt, andere überhaupt nicht - und wieder andere funktionieren in Kombination miteinander nicht.

Also zieht Ubisoft um fünf nach zwölf die Notbremse und gibt seinem Studio noch sechs Monate. Das spricht nicht zuletzt für die hohen Erwartungen, die der Publisher in die neue Marke setzt. 6,2 Millionen Exemplare hat Ubisoft seit 2007 vom ersten Assassin's Creed verkauft. Watch Dogs soll das übertreffen. Und im Gegensatz zu Assassin's Creed, das sein Potenzial erst mit dem zweiten Teil entfaltete, soll der erste Schuss diesmal auch spielerisch sitzen.



Feature-Bombardement

Frühjahr 2014: Wir spielen mehrere Stunden lang eine fast fertige Version von Watch Dogs und sind erneut verblüfft. Zum einen, weil das Spiel seinen bislang noch blassen Helden ebenso schnell wie effektiv etabliert, eine greifbare Motivation für sein Handeln liefert und schon die erste Tutorial-Mission (bei der wir unter anderem den Strom in einem ausverkauften Baseball-Stadion ausknipsen) großartig inszeniert. Zum anderen, weil uns Watch Dogs nach dieser ersten Mission auf den Straßen von Chicago absetzt und genüsslich mit Features flächenbombardiert.


Vielleicht war "123" doch kein gutes Passwort...

Vielleicht war "123" doch kein gutes Passwort...

Neue Watch_Dogs-Screenshots zeigen Aidens Kleiderauswahl Neue Watch_Dogs-Screenshots zeigen Aidens Kleiderauswahl Gestern wurden wir zugebombt mit frischem Ingame-Material zu Watch_Dogs und heute gibt's Bilder von Aidens Klamottenauswahl - super! In den ersten 45 Spielminuten haben wir unter anderem: einen Imbiss ausgeraubt; einem guten Dutzend Passanten die Konten leergeräumt; etliche Dämonen über den Haufen gefahren; mehrere spektakuläre Verkehrsunfälle provoziert; drei von insgesamt 52 Hauptfähigkeiten freigeschaltet; zwei Verbrechen verhindert; mit einer mechanischen Riesenspinne rumgeballert; erstaunt festgestellt, dass manche Minispiele eigene Fähigkeitsbäume besitzen; ein Boot geklaut; noch erstaunter festgestellt, dass auch der Abschluss von Nebenaufträgen und -tätigkeiten neue Fähigkeiten freischaltet; uns überhaupt nicht mehr gewundert, dass Ubisoft massive Probleme hatte, diese »Featuritis« unter einen spielerischen Hut zu bekommen. Was wir nebenbei übrigens auch hatten: ziemlich viel Spaß damit. Aber bleiben wir zunächst beim eingangs erwähnten Helden.



Der besessene Hacker

Bis zu diesem Anspieltermin nämlich machte Protagonist Aiden Pearce keine sonderlich spannende, weil austauschbare Figur, seine Motive ließen die Entwickler lange im nebulösen Halbdunkel. Dabei hätte es die Geheimniskrämerei gar nicht gebraucht, denn schon das Intro und die ersten beiden Story-Missionen zeichnen einen vielleicht nicht originellen, aber allemal interessanten Charakter mit nachvollziehbaren Beweggründen.

Nachdem ein digitaler Raubzug in einem Nobelhotel gründlich in die Hose gegangen ist, setzen mysteriöse Auftraggeber einen Attentäter auf Aiden an. Der allerdings tötet nicht Aiden, sondern - versehentlich? - Aidens kleine Nichte. Von Schuldgefühlen zerfressen überwacht Aiden anschließend seine Schwester und seinen zehnjährigen Neffen mit pathologischer Besessenheit und versucht gleichzeitig, den Urheber des Attentats ausfindig zu machen.

Wer sich an dieser Stelle gespoilert fühlt, sei beruhigt: Mit all diesen Informationen fällt Watch Dogs bereits in den ersten Minuten ins Haus, sie bilden den Hintergrund einer Handlung, die wir selbstverständlich nicht verraten. Bloß so viel sei gesagt: Die Story nimmt erfreulich schnell Tempo auf, und dank der ausgezeichneten Dialoge gewinnen die Charaktere ein greifbares Profil. Mit wenigen Pinselstrichen entwerfen die Autoren eine glaubwürdige Familiendynamik und hauchen selbst den Nebenfiguren eine gewisse Tiefe ein. Freilich können wir noch nicht beurteilen, ob Watch Dogs das erzählerische Niveau über die komplette Spieldauer hält, der Auftakt allerdings ist überzeugend. Auch weil das Spiel sehr früh einen latent psychotischen Sidekick etabliert, dem wir aufrichtig gerne lauschen.



Der transparente Bürger

Der gute Eindruck setzt sich zunächst nahtlos im eigentlichen Spiel fort. Nach dem ersten Einsatz im Baseball-Stadion dürfen wir Chicago völlig frei erkunden, nahezu sämtliche Nebenbeschäftigungen und Minispiele stehen sofort zur Verfügung, vom langsamen Heranführen an einzelne Mechaniken hält Watch Dogs ausgesprochen wenig. Das empfinden wir beim akut grassierenden Tutorial-Wahn als sehr angenehm, im Gegensatz zu gewissen anderen Open-World-Titeln operiert Watch Dogs offenbar nicht unter der Prämisse, dass Spieler allenthalben ausgemachte Trottel sind. Bevor wir uns aber den ganzen Nebenkriegsschauplätzen widmen und erklären, wo Dämonen und mechanische Riesenspinnen eigentlich herkommen, müssen wir ein paar Worte über Aidens Smartphone verlieren.


Nicht jedes Problem lässt sich mit Software knacken...

Nicht jedes Problem lässt sich mit Software knacken...

Per Tastendruck schalten wir das nützliche Teil nämlich in den sogenannten Profiler-Modus, dann werden uns nicht nur nahegelegene Interaktionsobjekte wie Ampeln, Überwachungskameras oder Verkehrspoller angezeigt, die sich anschließend hacken lassen, sondern wir dürfen auch ausnahmslos jeden Passanten scannen und erhalten dabei Informationen über seinen Beruf, sein Einkommen sowie ein paar intime Details (etwa eine gewisse Vorliebe für gesellschaftlich vielleicht nicht unbedingt salonfähige Sexualpraktiken). Bei einem Teil der Passanten wird uns außerdem eine Hacking-Option angeboten: Mal ist das ihr Bankkonto, mal ein MP3-Song, mal ein neues Fahrzeug - und mal auch »nur« ein Telefongespräch oder eine SMS-Unterhaltung ohne spielerischen Nutzwert, aber mit teils sehr witzigen Dialogen.

Rund eine Stunde lang entfaltet Watch Dogs auf diese Weise ein wunderbar voyeuristisches Allmachtsgefühl. Alleine: Der Effekt nutzt sich rasend schnell wieder ab, irgendwann ertappen wir uns dabei, einfach unbesehen auf die Q-Taste zu hämmern und die ganzen vermeintlich interessanten Informationen kurzerhand zu ignorieren. Passant XY guckt also leidenschaftlich gerne japanische Animes? Uns doch wumpe, wenn die doofe Gans kein Bankkonto zum Plündern hat - oder wenigstens einen neuen Song für die Playlist.

Diese Vorschau stammt von unserem Müncher Kollegen Jochen Gebauer und ist ursprünglich bei GamePro.de erschienen.

Kommentare

Der Ralle
  

Meine goldene Regel - Niemals mehr als zwei Spiele gleichzeitig. Einen Titel für den MP, einen für das SP Erlebnis. So klappt das ganz annehmbar mit dem "Durchspielen". Wenn man dann aber so ein Umfangmonster wie aktuell "Dark Souls 2" hat, dann leidet ein "Titanfall" schon mächtig :(

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CoupeFX2
  

Sodala , das klingt doch schon mal gut.
Nun werden wir mal schauen wer von euch Buben die meinten sie kaufen es auf jeden Fall nicht doch schwach wird.
Ich hab euch im Auge.....

Zitat von Claudandus

Claudandus schrieb:

komm auch nicht ansatzweise hinterher mit dem Zocken. Vermutlich zocken die anderen Spiele immer auf Easy durch, überspringen Texte und verkaufen das game sofort danach wieder....kein schimmer.



Also wenn ich der Trophie Liste nach gehe zockst Du aber viele Games einfach nur an.
Ich würde aus dem Grund einfach mal ein bisschen weniger holen und die Games dafür durchzocken.

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Jace
  

Zitat von Alexander Voigt

Alexander Voigt schrieb:

AreaGames, OnlineWelten, GameStar und GamePro sind alle Magazine des IDG-Verlagshauses. Daher können wir hier wild gegenseitig die Inhalte nutzen. SYNERGIE, die Herren.



Haha, Synergie... was nehmen denn die anderen von euch ;)
Okay, war gemein. Zum Ausgleich: Podcast kann nur AG :)

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Mastersheep
  

Zitat von Claudandus

Claudandus schrieb:

komm auch nicht ansatzweise hinterher mit dem Zocken. Vermutlich zocken die anderen Spiele immer auf Easy durch, überspringen Texte und verkaufen das game sofort danach wieder....kein schimmer.



vielleicht bist du im Zocken einfach nur schlechter als alle anderen?! D: :P ;)

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Dr4g0nfir3
  

Hab jetzt nur das Fazit gelesen, aber es klingt irgendwie nach "Typisch Ubisoft"-Open World. Eine tolle lineare Story und eine offene Welt gefüllt mit lauter kleinen, unbedeutenden Nebenaufgaben, die sich ständig wiederholen und weder spielerisch noch erzählerisch großen Wert haben.

Da ich das Ding damals in der Amazon 3für2-Aktion bestellt habe, werd ichs wohl kaufen, auch wenn der Hype momentan nicht wirklich vorhanden ist.

Und solang es nackte Brüste zu sehen gibt :P

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Obi-Wan Nikobi
  

Die Kritiker müssen ja auch immer alles madig reden. Gibt kein ganzes usw... man was für ein Käse, ich finds geil!!!!

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Red Fellow
  

Yay, mal wieder ein Gamepro Text, hatte die schon vermisst :) Freu mich schon, den entsprechenden kopierten Test hier zu lesen.

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Claudandus
  

komm auch nicht ansatzweise hinterher mit dem Zocken. Vermutlich zocken die anderen Spiele immer auf Easy durch, überspringen Texte und verkaufen das game sofort danach wieder....kein schimmer.

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gelöscht
  

wo eine spieleflaute sein soll außer auf der wiiu weiss ich nicht

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Jace
  

Wie schon mehrfach gesagt, jedes Game was noch vor Herbst erscheint profitiert von der Spieleflaute. Insofern stellt sich die Frage nach dem Kauf gar nicht. Alles was Umfang hat muss her ;)

Edit: Der letzte Satz des Preview-Fazits wirft bei mir aber die Frage auf: Warum ein Fazit wenn man nichts zu sagen hat außer "ick wees et net." ^^

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Autor:

Datum:

24.04.2014, 11:45 Uhr

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