Wolfenstein: The New Order

Plattform: (PC, PS3, PS4, XBO, XBox 360)
Release: 20. Mai 2014

User-Wertung:

Verdammt viel Spaß mit dummen Nazis: Wolfenstein – The New Order im Test

Test-Embargo zum Verkaufstart. Doom 4 Beta als Köder. Ein fünf Gigabyte großer Day One Patch. Das kann ja nichts werden. Wurde es dann aber plötzlich. Wir sind überrascht.

Es ist ein ziemlich gutes Jahr, dieses 1960. Die berühmten Liverpooler Pilzköpfe treten das erste Mal unter dem Namen The Beatles auf und legen den Grundstein für eine beispiellose Karriere, John F. Kennedy wird amerikanischer Präsident und Kroatien (damals noch Teil von Jugoslawien) mausert sich peu à peu zu einem beliebten Urlaubsziel. In der Welt des Ego-Shooters Wolfenstein: The New Order heißen die Beatles »Die Käfer«, und sie singen vom blauen U-Boot, die USA gibt's nicht mehr, und in Kroatien klopfen Gefangene Steine oder lassen sich vom Gefängnisarzt zu Tode foltern.


Ruhige Momente gibt es auch. Und gar nicht mal schlechte...

Ruhige Momente gibt es auch. Und gar nicht mal schlechte...

Das Totenkopf-Regime hat den Krieg gewonnen und sich wie ein Geschwür über den Globus gelegt. Unterdrückung, Angst und Schrecken bestimmen das Dasein. Karl & Karla singen dazu den Tophit »Tapferer kleiner Liebling«. Gott sei Dank ist die Welt von William B.J. Blazkowicz eine fiktive. Noch deutlich fiktiver übrigens als beispielsweise die berühmte Alternativweltgeschichte »Vaterland« von Robert Harris, in der Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewinnt. Denn auch wenn das Totenkopf-Regime in Wolfenstein: The New Ordernatürlich eine Nazi-Diktatur darstellen soll, so ist es doch eine recht fern von einer möglichen Realität. In Captain Blazkowicz' Geschichte verlieren die Alliierten den Krieg gegen gigantische Stampfmaschinen und Roboterhunde, die nicht von Hitler, sondern von General Totenkopf befehligt werden.



Keine Hakenkreuze

In der deutschen wie in der österreichischen Version des Spiels fehlen zudem Hakenkreuze und sonstige verfassungsfeindlichen Symbole. Warum Bethesda bei den Vorkehrungen allerdings auch Österreich in Sippenhaft genommen hat, ist uns nicht ganz klar, Hakenkreuze und SS-Runen unterliegen dort keinem Verbot.

Sei's drum, wir können versichern, dass die fehlenden Symbole keinerlei Abbruch für den Spielspaß bedeuten. Leider geht so aber auch die herausragend gute englische Tonspur flöten, vermutlich melden sich die Totenkopftypen im Original ein ums andere Mal mit Hitlergrußähnlichem. Als Trost bieten wir an dieser Stelle folgendes Wissen an: Die deutsche Tonspur ist auch herausragend gut. Vor allem dann, wenn man sie hört. Was leider nicht immer der Fall ist. In Momenten, in denen das Spiel so richtig aufdreht, wird das Gesagte von Explosionen, Flugzeugrotoren, Geballer oder Musik überlagert. Wir raten, die Untertitel zu aktivieren.



Versagen und Kapitulation

1960 also. Dabei geht die Geschichte von B.J. schon viel früher los. 14 Jahre früher während des letzten, verzweifelten Sturms der Amerikaner auf das Hauptquartier von General Totenkopf, um genau zu sein. Hach, die Logik von Videospielen ist manchmal so erfrischend simpel, dass wir uns wünschten, sie würde auch fürs echte Leben gelten: Töte den bösen Herrscher, und alles wird gut. Blazkowicz und Kameraden versagen 1946 leider kläglich, Totenkopf überlebt, nichts wird gut.


Sorgerecht unklar: Der Terminator und Lassie streiten noch vor Gericht!

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B.J. fängt sich eine Kopfverletzung ein, es verschlägt ihn in eine Nervenheilanstalt, er dümpelt die kommenden Jahre im selig ignoranten Wachkoma vor sich hin. So muss er nicht miterleben, wie die USA nach einem Atomangriff kapitulieren, London optisch in Berlin 2 verwandelt wird und Musikkombos wie Karl & Karla ... ach, besser nicht daran denken. Erst ein übler Schockmoment holt Blazkowicz zurück. Kaum wieder unter den Denkenden schnappt er sich auch schon eine Knarre, um das zu beenden, was er vor 14 Jahren angefangen hat.



Überraschung!

Wenn sich B.J. in der Nervenheilanstalt aus seinem Rollstuhl schält, haben wir das Schlimmste längst hinter uns. Die ersten circa 20 bis 30 Minuten von Wolfenstein: The New Orderfallen unter »uninspirierter Schlauch-Shooter mit stumpfen Moorhuhneinlagen«. Wenn der Held sich aber aus den Schützengräben hinein in Totenkopfs Burg gekämpft hat, startet ein großartiges, überraschendes Abenteuer, das nicht ein einziges Mal langweilt oder ermüdet. Gut platzierte Tempowechsel, die Möglichkeit zu schleichen, ein umfangreiches Waffenarsenal, anspruchsvolle Schießereien, viele versteckte Goodies und abwechslungsreiche Schauplätze halten den Spaßfaktor durchgängig unerwartet hoch.

Ja, unerwartet. Wir wussten zwar schon, dass The New Order nach einem mauen Anfang aufdrehen würde, dass es aber konstant so gut bleibt, damit hatten wir nicht gerechnet. Und damit, dass man es ohne große Anstrengung in einem Rutsch durchspielen kann, auch nicht. Dabei ist es übrigens nicht mit fünf oder sechs Stunden getan. Auf zehn bis zwölf sollte man sich schon vorbereiten, wenn man nicht allzu viel von dem verpassen will, was die Entwickler abseits der direkten Routen zum jeweiligen Ziel eingebaut haben. Kleiner Tipp in diesem Zusammenhang: Wenn B.J. das erste Mal das Hauptquartier betritt, dann sollte man ihn dringend ins Bett schicken. Aber wirklich ganz dringend!

Dieser Test ist ursprünglich bei unserem Schwestermagazin GamePro erschienen und wurde von deren Shooterexpertin Petra Schmitz verfasst.

Kommentare

gutsandhonor
  

Das Spiel ist sowas von gut bin echt überrascht! mein shooter des jahres. erinnert mich an duke3d! so hätte forever sein müssen! Ich hätte soooo gern koop für wolfenstein!game of the fucking year

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Ewoy2000
  

Mit den Symbolen kann ich leben dass dies nicht vorhanden sind.
Aber irgendwie fehlt mir etwas bei dem Game...ES ist spannend und sehr gut inszeniert und die Story ist auch Okay....
Aber die GRafik erinnert mich eher an Last-Gen hochskaliert auf New -Gen und und eher auch an ein Videogame mit Machete mit ner Wumme in der Pfote!

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Saibot
  

Es ist wirklich verdammt lange her, dass ich einen Test von Petra Schmitz gelesen habe! Allerdings gefällt mir ihr Schreibstil genauso gut wie früher (zu meinen GameStar-Zeiten). Denn obwohl ich bis vor 10 Minuten überhaupt kein Interesse an dem Spiel hatte (wozu auch Alexanders Podcast-Erfahrung beigetragen hat), bin ich jetzt ganz schön heiß auf das Game und werde es mir wohl noch vor Watch Dogs genehmigen.

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pukem0n
  

weiß jemand ob man die Xbox One auf englisch stellen muss um den day one patch für die UK version zu laden?
alles auf deutsch hat er nichts gesagt wegen eines patches beim ersten starten

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KING_BAZONG
  

DP

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KING_BAZONG
  

Och, ich hatte keinerlei Probleme, in DEAD SPACE 2 auf die Baby-Zombies oder in SILENT HILL auf mutierte Schüler/Kinder zu schießen. Sind ja nur Polygone und Texturen. Was soll der Quatsch also ?

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Claudandus
  

@Shannra: das schrieb ich schon. In TombRaider, Resident Evil und Ninja Gaiden, gelingt es ein zu 90-95% den Hunden auszuweichen. Also kann ich bedenkenlos spielen. Auch wenn ich die selben Level 20-25 mal spielen muss um mih durchzuschmuggeln^^
Gibt ja auch Spieler die nicht auf Kinder in Games schießen.
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KeksDose
  

Ich versuch in Spielen wie GTA Gewalt gegen Frauen zu vermeiden, aber wenn mir das Spiel ne mordlustige Schlampe vor die Flinte wirft, oder eben einen Köter der mir an die Gurgel will, ja dann werden die weggeputzt, ganz klar. Beides würde ich im Reallife nie übers Herz bringen, glaube ich, aber in einem Spiel? Pfft...wo ist die Shotgun? ;-)

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bikvik
  

Zitat von Claudandus

Claudandus schrieb:

@Gescha2103: Es geht ganz einfach um Prinzipien die ich mir selber gegeben habe. Ich töte weder Wölfe noch Hunde in Videospiele!
Was wäre das Leben ohne Schrullen =^.^=


zum einen kann ich dich verstehen zum anderen muss man ja auch differenzieren weil es immer noch nur ein Spiel ist und es nur Pixel sind. Ansonsten müssten wir ja den Videospiel Gegnern recht geben zwecks Killerspiele. Aber wie gesagt muss jeder für sich wissen :)

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Justin Zane
  

Den Hund selbst erkennt man ja kaum durch den ganzen Stahl drumrum. Ich hätte eher auf Rottweiler getippt die da reingesteckt wurden aber Dobermann könnte auch sein :)

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Autor: & Alexander Voigt

Datum:

20.05.2014, 16:21 Uhr

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Nazis ohne Hakenkreuze