Yakuza 4

Plattform: (Wii U)
Release: 15. März 2011

User-Wertung:

Yakuza 4

Es passiert wieder was in Japan. Wie, das wusstet ihr schon? Nein, wir meinen ausnahmsweise mal nicht die jüngsten unglücklichen Ereignisse um das Reaktorunglück in Fukushima, sondern das alt(un)ehrwürdige, umtriebige Mafia-Business, dass seit jeher zum Kulturbild im Land der aufgehenden Sonne gehört. Zumindest wenn es nach der „Yakuza“-Serie geht, die inzwischen genauso eingefahren scheint, wie die Regeln und Moralvorstellungen des organisierten Verbrechens, welches sie porträtiert.


„4“ steht für „Vier“

Leser, die bereits länger meine Berichte bei AreaGames verfolgen wissen vielleicht das ich gerne mal ein älteres (oder sagen wir auch ehrlicherweise altes) Spiel einlege, dass ich der ostasiatischen Kultur sehr zugetan bin, seien es die Geschichte, die Traditionen, die Filme oder - ich traue mich kaum es zuzugeben - Videospiele und das ich immer noch die Selbstherausforderung in mir trage, den kürzesten Test aller Zeiten zu schreiben. Der letzte Aspekt gestaltet sich inzwischen etwas schwierig. Schließlich müssen wir euch irgendwie zum mehrseitigem Blättern zwingen, um reichlich Klicks abzugreifen, obwohl wir wissen das ihr Pfeifen immer nur das Fazit lest. Dennoch bedient "Yakuza 4" die drei genannten Punkte geradezu vorbildlich, was in zwei Fällen nicht als Kompliment zu verstehen ist. An dieser Stelle könnte ich nämlich genauso gut auf den Test des Vorgängers verlinken und den wiederum auf seinen PS2-Ahnen. Selten habe ich eine dermaßen aufwendige Videospielreihe gesehen, die sich so hartnäckig den Entwicklungen im Genre widersetzt. Mit Teil 4 verspielt "Yakuza" auch den konsolenübergreifenden "Bigger is better"-Bonus der dritten Episode und ist damit endgültig in der Vergangenheit angekommen. Eine gravierende Neuerung gibt es allerdings schon. Kiryu Kazuma, leidgeplagter, aber ultra-tough gebliebener Held der vorangegangenen Trilogie ist nicht mehr der einzige spielbare Charakter. Tatsächlich schlüpft ihr erst nach weit fortgeschrittener Spieldauer in seine tätowierte Haut. Das Spiel schickt euch außerdem als Kredithai, korrupten Cop und entflohenen Sträfling in das übliche Netz aus Clan-Kriegen, Verrat, Melodrama und Martial-Ass-Kicking. In der weit gesponnenen und personenreichen Geschichte nicht den Überblick zu verlieren, wird hiesigen Spielern mal wieder dadurch erschwert, dass die Texte wie gehabt englisch bleiben. Da die hochwertige Vertonung komplett in Japanisch ist, seid ihr in den Zwischensequenzen zu schnellem Lesen angehalten. Bei der Vielzahl an meterlangen Namen eine echte Prüfung. Fans der Reihe sind aber wohl auch so schon zufrieden, dass der, im Westen nicht ganz einfach zu vermittelnde Titel es überhaupt zu uns geschafft hat. Hier steckt jedoch das Dilemma, denn mit einer entsprechenden Lokalisierung hätte man das Publikum sicher ausweiten können. Allerdings kann die Geschichte dem "Yakuza"-Milieu auch keine neuen Facetten mehr abgewinnen, nachdem sämtliche Klischees bereits in den Vorgängern abgefeiert wurden. Es gibt dennoch mitreißende Momente und vor allem die Hintergründe der vier Schläger halten auf erzählerischer Ebene bei der Stange.
Yakuza 4

„8“ steht für „Acht Fäuste für ein sauberes Kamurocho“

Mit dem Rächer-Quartett arbeitet ihr euch durch die unverrückbare Dreifaltigkeit des "Yakuza"-Gameplays, bestehend aus ganz viele Cutscenes gucken, ganz viel sinnlosen, aber spaßigen Unfug treiben und ganz viele Schnauzen polieren (noch viel spaßiger). Ihr rennt also (mal wieder) hauptsächlich durch Kamurocho, den berühmt-berüchtigten Stadtteil Tokios, der schon omnipräsenter Schauplatz der letzten Teile war, hört euch hier und da Zufallgespräche an, die manchmal ob ihrer geradezu kindlichen Direktheit zum Schmunzeln anregen und andere Male zu Side-Quests führen, die sich in "Yakuza 4" wieder zuhauf finden lassen. So könnt ihr zum Beispiel als Kredithai euren Hostessen beibringen ihren Kunden noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen oder mit dem Flüchtling Schüler eines befreundeten Kampfsportlehrers trainieren. Auf den Straßen kommt es immer und immer und immer wieder zu Zufallsbegegnungen mit allerhand Kroppzeug, die grundsätzlich zu Vollkontaktgewalt führen, auch in "Yakuza 4" das spielerische Kernelement. Wie gehabt verteilt ihr Schläge und Tritte, legt eure Gegner aufs Kreuz oder schnappt euch einen der nicht dafür gedachten Gegenstände aus der unmittelbaren Umgebung, um sie ihnen über selbiges zu ziehen bzw. greift zu verschiedenen ausrüstbaren Waffen (Vom Baseballschläger, über das Katana bis zur Schrotflinte ist alles vertreten, womit man sich Gehör verschaffen kann.), wodurch sich eure "Heat"-Leiste füllt, was euch in die Lage versetzt heftige Spezialmanöver und Finisher anzusetzen, die wohl immer noch der alleinige Grund dafür sind das "Yakuza" bei uns keine Jugendfreigabe erhält. Zu recht, denn die ultraharten Moves, bei denen ihr schon mal mit den Visagen eurer Opfer die nächste Wand streicht sind nach wie vor ein ebenso markerschütternder wie befriedigender Anblick, wenn sich die niederen Instinkte wieder mal einschalten. Und in einem Spiel das von geldgierigen Gangstern handelt, kann man erwarten, dass sie dies andauernd tun. Natürlich regiert auch innerhalb der eigentlichen Erzählung das Faustrecht und so prügelt ihr die Heerscharen ebenfalls durch Bars, Restaurants, Bars, Mafia-Anwesen, Bars und wo sich die Verbrecherwelt sonst noch so rumtreibt, inklusive anspruchsvollerer Bossfights. Das hat früher schon Spaß gemacht und so ist es auch heute noch. Mittlerweile fällt es jedoch immer schwerer über Komfortmängel, die Steifheit, fehlende Fortentwicklung des Kampfsystems und die auftretende Eintönigkeit, durch Zufallskampfüberdruss, welche alle schon Teil 1 geplagt haben, hinwegzusehen. Die vier Recken bringen durch ihren jeweils individuellen Kampfstil etwas Frische ins Spielkonzept und das Erlernen immer neuer Moves motiviert zum ausdauernden malträtieren. Doch erstens unterscheiden sich die Helden dann leider doch nicht so extrem voneinander, dass man dem Gott der Vielfalt gleich ein Opfer bringen möchte. Zweitens ist das dauernde Neuaufleveln vom Nullpunkt nicht gerade die schönste Belohnung für stundenlanges Gangster-Klatschen.
Yakuza 4

Kommentare

PaVo87
  

ist schon als import bestellt :) bis es hier ist kann ich teil 3 endlich mal zuende bringen. kann die kritik nachvollziehen, aber irgendwie ist die yakuza reihe in ihrer einzigartigkeit genial.

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HabeHandy
  

Japanische Games sind halt sehr speziell und passen nicht zu den in Europa/USA ?blichen Spielen.

Manchmal habe ich das Gef?hl das japanische Gamer mindestens 10 Finger an jeder Hand besitzen, denn die Button-Kombinationen sind teilweise sehr anspruchsvoll.

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Johannes Krohn
  

@ pb2007: "Assassin's Creed Brotherhood" hat bei uns eine 10/10 bekommen, woanders gerade mal eine 8. Kann es also gar nicht so gut sein, wie wir behaupten? Mit eher westlichem Gem?t solltest du japanische Wertungen generell mit Vorsicht genie?en. Dort herrscht eine komplett andere Mentalit?t, auch was Videospiele angeht und die "Yakuza"-Serie trifft in Japan nunmal den richtigen Nerv. Die "Gothic"- oder "Anno"-Spiele geh?ren bei uns zu den beliebtesten und zumeist auch enorm gut bewerteten Spielen. In den USA sind die Wertungen und Verkaufszahlen hingegen deutlich niedriger ausgefallen. Hat also mitunter auch was mit nationalen Eigenheiten zu tun.

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IceOnly2
  

Der Japanstyle ist echt Geschmackssache. Naja meiner isses nicht. Der Test von Gameone bringts auf den Punkt.

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moink moink
  

so dritter <3 yakuza *____*

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Fagballs
  

und Nintendogs hat damals 40/40 bekommen

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pb2007
  

Soviel ich weiss hat das Spiel in Japan 39/40 Punkten bekommen, kann also nicht so schlecht sein wie es in diesem Test hier dargestellt wird...

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Fagballs
  

Ich fand die Settings aus dem Yakuza-Umfeld in Filmen und Serien (gezeichnet und real) immer sehr cool, habe aber schon nach der Demo von Yakuza 3 die Lust an der Spiele-Reihe verloren... Wenn der vierte nicht besser ist, brauche ich den auch nicht. Sehr schade eigentlich :(

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Johnson
  

Ok ich hab Yakuza 4 gesehen und finds pl?tzlich total hammer, was soll ich tun?

Teil 3 oder Teil 4 kaufen?

...ach wie das ist PS3 exklusiv?? Gaaaaay.

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Johannes Krohn
  

@ MacAI: Da magst du recht haben. Die beil?ufige Erw?hnung zeugt nicht gerade von Mitgef?hl. F?hl mich jetzt selbst nicht mehr ganz so wohl mit den Zeilen. Einleitungen sind mitunter ein Gl?cksspiel.

@ lostboy83: Nach den ersten Kommentaren wollte ich eigentlich auch schon wieder dazwischen gehen. Wir m?ssen eben noch st?rker vermitteln das eine 6/10 bei uns keine schlechte Wertung ist. Ich mag die "Yakuza"-Serie sehr und Teil 4 ist prinzipiell fast genausogut wie die anderen Teile. Aber es l?sst sich doch wohl nicht leugnen, dass die Serie sich spielerisch und technisch, abgesehen vom Konsolensprung, bei dem das Potential der neuen Hardware aber lange nicht ausgenutzt wurde, so gut wie ?berhaupt nicht weiterentwickelt hat. Und gemessen an heutigen Ma?st?ben f?hrt das einfach zur Abwertung. "Yakuza" ist nicht gerade das was man zeitlos nennen w?rde und hatte schon beim ersten Teil ein paar Designprobleme. Ich kann ein Spiel nicht auch nach zehn Jahren noch mit einer hohen Wertung versehen, wenn es bei seinem Erscheinen zwar ein super Titel war, aber nun mit den Standards nicht mehr mithalten kann.

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