Yakuza: Dead Souls

Plattform: (Wii U)
Release: 16. März 2012

User-Wertung:

Test: Yakuza Dead Souls

Die Yakuza Reihe erblickte erstmals 2006 das Licht der Welt, mittlerweile sind vier Teile veröffentlicht worden. Die Spiele stehen seit jeher für japanische Ernsthaftigkeit und Themen wie Ehre, Pflicht und Verrat. Der neueste Teil unterscheidet sich von den Vorgängern so sehr, dass er keine "5" im Titel hat, sondern auf den Namen Dead Souls hört. Wie sich die Yakuza im Kampf gegen die Zombies schlagen, erfahrt ihr in unserem Test.

Das einzige was Yakuza Dead Souls mit den vier Vorgängern gemeinsam hat, ist der fiktive Stadtteil Kamurocho sowie die vier Hauptdarsteller Kazuma Kiryu, Shun Akiyama, Goro Mad-dog Majima und Ryuji Goda. Da hören die Gemeinsamkeiten auch schon wieder auf. Statt für eine packende Geschichte hat man sich in dem Spin-Off einfach für eine üble Zombie-Invasion entschieden. Plötzlich prägen Untote das Stadtbild und das verseuchte Viertel wird direkt unter Quarantäne gestellt. Während das Militär hoffnungslos überfordert ist, stellen sich die vier kuriosen Protagonisten schützend zwischen die bösartigen Zombies und den hilflosen Menschen, und haben mitunter sogar Spaß daran, Jagd auf Zombies zu machen.
Das Spiel ist in vier Abschnitte unterteilt, jedes Kapitel erzählt die Geschichte eines Protagonisten und seine Perspektive auf die Ereignisse in Kamurocho. So lernt man als erstes Shun Akiyama kennen, dessen Tochter entführt wurde. Zu blöd, dass sich der Ort ihres unfreiwilligen Aufenthaltes direkt in der Quarantäne-Zone befindet und hunderte oder gar tausende Zombies die Befreiung unnötig verkomplizieren. Dazu kommt Akiyamas Assistentin, die an Fieber erkrankt und ein Heilmittel benötigt. Um eine der vier Geschichten zu beenden, benötigt man ungefähr vier Stunden. Bis der finale Abspann über den Bildschirm flimmert, werden mindestens 16 Stunden vergehen. Wer sich in den zahlreichen Vergnügungsmöglichkeiten verliert, kann da locker ein paar Stunden mehr einplanen.
Die Freizeitaktivitäten waren schon immer ein Bestandteil der Yakuza Reihe. Auch in Dead Souls könnt ihr euch von Hostessen verzaubern lassen, in Karaoke Bars zu gewöhnungsbedürftiger Musik abfeiern, bei Mini-Spielen wie Mahjong sowie Dart chillen oder in einer Sushi Bar eure Seele baumeln lassen. Aufgrund der Tatsache, dass nur wenige Meter entfernt das Militär Schutzwälle hochzieht und sich die Zombie-Invasion immer mehr ausbreitet, wirkt es schon leicht befremdlich, dass man zwischendurch nichts besseres zu tun hat, als dem Vergnügen zu frönen. Ich musste direkt an Commander Shepard denken, der trotz des Reaper-Weltuntergangsszenarios genug Zeit gefunden hat, in einem Club feiern zu gehen und einen wegzustecken. Tja, so sind sie, die modernen Videospiel-Helden!
Test: Yakuza Dead SoulsWer sich lieber auf die Story konzentrieren möchte, kann dies natürlich auch tun. Als erstes fällt die ungewöhnliche Steuerung auf. Natürlich musste sich SEGA etwas einfallen lassen, da die Vorgänger auf Nahkampf und nicht auf Schusswaffen gesetzt haben. Da Pistolen, Uzis und Granaten sehr viel effektiver gegen Zombies sind, musste eine neue Steuerung her. Aber warum um alles in der Welt muss man deshalb jahrelange Videospiel-Standards ignorieren und über Bord werfen? Es hat schon einen Grund, dass man für gewöhnlich mit dem rechten Stick das Fadenkreuz ausrichtet! Yakuza Dead Souls konfrontiert euch hingegen mit einer arg experimentellen Steuerung. Entweder bleibt ihr in Bewegung und schießt blindlings in die Menge, oder ihr bleibt Resident Evil like auf dem Fleck stehen und zielt dann mit dem LINKEN Analog-Stick. Zum Glück (oder gerade deswegen) gibt es eine Auto-Lock Funktion, welche die Köpfe der armen Irren automatisch aufs Korn nimmt und reihenweise platzen lässt.
So kreativ wie man sich bei der Steuerung zeigt, so wenig war man es offensichtlich bei den Zombies. Während des Abenteuers trifft man immer wieder auf alte Bekannte, die man so schon aus Left 4 Dead oder Resident Evil kennt. Witch, Boomer, Tank oder Licker wurden lediglich umbenannt, gleichen ansonsten aber ihrem Vorbild wie ein Ei dem anderen. Das hinterlässt direkt einen faden Beigeschmack. Um sich standesgemäß zur Wehr setzen zu können, kann man bei bestimmten Händlern neue Waffen erwerben oder die vorhandenen aufrüsten. Manchmal bekommt man durch Gespräche auch Sidequests aufgebrummt, deren Erledigung aber rein optional ist. Für erledigte Missionen und getötete Gegner erhält man Erfahrungspunkte, die sich auf einem Mini-Skilltree verteilen lassen. So wird zum Beispiel das Zielen erleichtert oder Lebensenergie regeneriert sich schneller. Sobald ein Kapitel beendet ist und ein neuer Charakter eingeführt wird, werden sämtliche Talente übernommen und offene Erfahrungspunkte übernommen. Praktisch und sinnvoll zugleich, zumal es keine Talente gibt, die bei bestimmten Personen sinnlos wären.
Das Gameplay besteht im Kern daraus, von A nach B zu laufen und alles abzuknallen, was nach Gammelfleisch aussieht. Hat man sich erst an die komplizierte Steuerung gewöhnt, fängt es sogar an, Spaß zu machen. Vorausgesetzt, man lässt sich auf das abstruse Setting ein. Stets und ständig wird man daran erinnert, ein japanisches Spiel vor sich zu haben. In Dialogen gibt es immer wieder peinlich/lustige Momente und die Yakuza verhalten sich nicht unbedingt so, wie man es von so jemandem erwarten würde. Selbst in den actionlastigen Momenten, wenn man fast vergessen hat, dass man ein japanisches Spiel zockt, findet man plötzlich einen Sammelgegenstand frei nach dem Motto "kleines Schulmädchen". Gelegentlich schließen sich auch Verbündete an, die unsere Unterstützung benötigen. Obwohl ich lieber alleine unterwegs bin und Begleiter meist als Hindernis empfinde, erweisen sich die Gefährten in Dead Souls als nützlich und sinnvoll. Sobald sich ein Balken für Spezial-Angriffe gefüllt hat, kann man entweder die Umgebung oder halt den Partner für eine spektakuläre Aktion nutzen. So wirft der Begleiter zum Beispiel mehrere Granaten in die Menge, die wir in Zeitlupe noch in der Luft abschießen und somit zur Explosion bringen. Sieht cool aus, ist effektiv und macht Spaß, so muss das sein!
Test: Yakuza Dead SoulsLeider trübt die schlechte Technik immer wieder den durchaus positiven Gesamteindruck. Kamurocho ist zwar ein fiktiver Stadtteil, wirkt aber dank liebevoller Details ziemlich glaubwürdig. Allerdings hat Dead Souls die typische SEGA Optik, die heutzutage keine Bäume mehr ausreißt. Dazu gesellen sich starkes Kantenflimmern und die Passanten tauchen teilweise unmittelbar vor einem auf und verschwinden auf mysteriöse Weise direkt hinter uns. Auch manch Animationen sind ziemlich hölzern. Nur in den Zwischensequenzen wirkt alles wesentlich geschmeidiger und detaillierter. Die Sequenzen sind aufgrund ihrer Länge und Dramaturgie als Highlight zu bezeichnen, auch wenn sie nicht gerade Kojima Maßstäbe erreichen. Die Musik hingegen scheint nur aus wenigen Rhythmen zu bestehen und wiederholt sich wie am Fließband. Sie bemüht sich rockig zu klingen, ist aber eher der Sparte "gewollt und nicht gekonnt" zuzuordnen.
Yakuza Dead Souls ist ein zweischneidiges Schwert. Der Titel hat ganz klar technische Defizite, wie beispielsweise das heftige Kantenflimmern. Auch an die hakelige Steuerung und das Zielen mit dem linken Analog-Stick muss man sich erst gewöhnen. Sobald diese verinnerlicht und bei der Grafik ein Auge zugedrückt wurde, kann man mit dem Spiel aber durchaus eine Menge Spaß haben. An Details, wie den abgekupferten Zombies, darf man sich nicht zu sehr stören. Die Zwischensequenzen sind toll inszeniert und man möchte immer wissen, wie es mit den interessanten und durchgeknallten Charakteren weitergeht. Das Spiel macht keinen Hehl daraus, möglichst trashig rüber zu kommen und nimmt sich nur selten ernst, alles ist mit einem Augenzwinkern präsentiert. Und genau das ist es, was einem das Spiel so sympathisch macht und die Schnitzer verzeihen lässt. Yakuza Dead Souls ist das perfekte Beispiel für einen Titel, der unterm Strich aufgrund seiner Fehler zwar nur Durchschnitt ist, unter bestimmten Bedingungen aber Spaß machen kann. Obwohl ich mich persönlich nicht für japanische Spiele begeistern kann, habe ich meine Zeit mit den vier Protagonisten genossen.

Kommentare

Bumskop
  

@Johnboy, bin erst seit dem dritten Teil "hineingefleischt", aber Teil 3 und 4 finde ich super.
Dead Souls ist auch gut und für Fans natürlich ein "muss", man muss nur wissen auf was man sich einlässt.
Aber das ist bei einem Zombie-Shooter kaum misszuverstehen denke ich. Der Humor und die Grunderzählweise ist das was man schon gewohnt ist, und macht mir eine Menge Spass und beschehrt durchzockte Nächte. ;)

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johnboy
  

ahhhh ok
danke
mich würd nämlich interressieren wies eingefleischte Yakuza-Fans finden.

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Nils Lendeckel
  

@johnboy:
Habe noch kein Yakuza gespielt, aber Dead Souls ist eh ein Spin-Off. Dafür bin ich auf den Geschmack gekommen und freue mich nun auf den fünften Teil und ein "richtiges" Yakuza ;)

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johnboy
  

meine Frage an Nils:
HAst du die anderen Teile gespielt? Und wenn ja ham sie dir gefallen??

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pb2007
  

Ist ja nur ein Spin Off und kommt immerhin besser weg als es bei Resident Evil der Fall ist. Also nicht drüber reden sondern sich auf Teil 5 freuen ;)

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konsolenrocker
  

H????
Was haben die aus yakuza gemacht?!

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Knöllchen
  

na ja. ich hab es gekauft, ohne tests abzuwarten. gespielt habe ich es noch nciht, nur angezockt. aber zumindest hat es einen punkt mehr als ninja gaiden bekommen. :B

btw. iwie haben die aktuellen titel nur lausige wertungen bekommen. ninja gaiden 3. azuras wrath (oder so). das yakuza teil hier. und auch silent hill ist nicht grade gut weggekommen. selbst bei icarus reden die test meisten nur die steuerung schön.

kommt mir das nur so vor, oder herrscht bei den games im monat februar/ märz mehr ne miese qualität? =)

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